12.06.2021

Sportvereine kommen sich in den Hallen fast "ins Gehege"

Manche Sportvereine finden relativ schnell in der Normalität zurück, doch anders sieht es beim Training drinnen aus: Viele Hallen sind im Moment belegt. Mit den Lockerungen begann wieder das große Planen.

Schriesheim. (max) Bei den Verantwortlichen der Schriesheimer Sportvereine geht es rund. Lang hat man gewartet, dass es losgehen kann. Jetzt ist es so weit – und gar nicht so leicht, alles unter einen Hut zu kriegen. Vorstände und Mitglieder sind gleichermaßen motiviert, alles so schnell wie möglich auf die Beine zu stellen.

> Reit- und Fahrverein: Es hatte sich schon im April angekündigt, dass sowohl die badischen als auch die Ringmeisterschaften auf der Kippe standen. Mittlerweile ist es amtlich: "Die badischen Meisterschaften sind weg", berichtet die Vorsitzende des Vereins, Cornelia Schmidt. Bei den Ringmeisterschaften ist noch ungeklärt, ob die Fahrer sie gegebenenfalls im nächsten Jahr ausrichten dürfen. Sie würden versuchen, einen Ausweichtermin "auf die Füße zu stellen", das sei aber nicht so einfach, so Schmidt, da alles sehr kurzfristig gemacht werden müsste.

Da man mit der Absage schon rechnete, wurden aber andere Aktionen geplant, auf die sich alle im Verein schon sehr freuen. Zum einen gibt es die Pferdeshow "Horses & Heroes" im Juli – mit Ritterspielen, Pferdecomedy und einer Feuershow. Durch Ticketverkäufe und die Bewirtung durch den Verein könnte wieder etwas Geld in die Kasse kommen, das durch die ausgefallenen Aktionen fehlt. Zum anderen soll am 2. und 3. Oktober das jährliche Voltigierturnier stattfinden. Bei beiden Veranstaltungen hofft Schmidt, dass ihnen steigende Infektionszahlen keinen Strich durch die Rechnung machen.

Beide Feste seien für die Stimmung im Verein "lebensnotwendig". Trainer, Mitglieder und vor allem Kinder hätten so lange warten müssen, da seien diese Veranstaltungen auch eine Möglichkeit, "mal zwei Stunden in eine andere Welt abzutauchen." Vor einer Woche startete wieder das Training und wird trotz der Testpflicht sehr gut angenommen: "Es war überwältigend, das Strahlen der Kinder zu sehen, als sie wieder ihre alten Freunde und Gruppen treffen durften", sagt Schmidt gerührt. Der Verein sucht noch dringend nach Voltigiertrainern zur Unterstützung des Teams.

> Turn- und Sportgemeinde 1898 Altenbach: Seit letzten Dienstag läuft das Training wieder, was den ersten Vorsitzenden des Vereins, Gustav Weber, freut. So könne man wieder "ein bisschen reinkommen". Es bliebe zwar noch die Entscheidung des Fußballverbandes abzuwarten, aber in der momentanen Situation sei sogar eine Turnierrunde ab Ende Juli vorstellbar, so Weber. Die Auflagen mit Tests und Hygienekonzepten seien zwar hoch, könnten aber vom Verein durchaus gestemmt werden.

Doch das sind nicht die einzig guten Nachrichten. Zusammen mit ihrem Partnerverein, der TSG Wilhelmsfeld, wurde im Lockdown ein neues Jugendprogramm geplant. Am gestrigen Donnerstag begann das Training für die Bambinigruppe. Mittwochs und freitags trainieren in Zukunft F- und E-Jugend. Auch Mädchen sind willkommen. Der Verein sucht nach wie vor dringend Trainer für die Jugendgruppen.

> Turnverein 1883 Schriesheim: Bei den Turnern mit ihren vielen Abteilungen wie Floorball, Handball oder Gymnastik laufen die Planungen auf Hochtouren. Gemeinsam mit dem Sportverein muss abgestimmt werden, wer wann den Rasenplatz am Sportzentrum benutzen darf. Durch die Verordnung, dass pro Sportler 20 Quadratmeter Platz zur Verfügung gestellt werden müssen, müssen auch viele Hallen gebucht werden. Das gestaltet sich schwierig, weil die Hallen teilweise noch anderweitig gebraucht werden. In der Sporthalle am Schulzentrum finden noch für die nächsten sechs Wochen Prüfungen statt, wie der Vorsitzende des TVS, Jürgen Busch, berichtet. Da die Mehrzweckhalle noch bis Mitte Juli zu einem Drittel als Impfzentrum für die Hausärzte genutzt wird, ist noch unklar, ob die Sportler die Halle überhaupt nutzen können. Auch hier muss sich mit den anderen Vereinen abgestimmt werden, um sich "nicht ins Gehege zu kommen".

Busch fühlt sich in seiner Position als Vorsitzender zunehmend unwohl. Das liegt nicht daran, dass ihm der Posten keine Freude mehr macht, sondern daran, dass bis Ende des Jahres endlich die Jahreshauptversammlung nachgeholt werden müsse, die seit mehr als einem Jahr überfällig ist: "Es wird Zeit, dass wir die Wahlen durchführen, die Abteilungsberichte und den Kassenbericht entgegennehmen."

Wie es mit den Turnierrunden aussieht, ist noch nicht ganz klar. Die Saison bei Hand- und Floorballern würde im September starten, und dafür würde man jetzt "massiv in die Planung gehen", sagt Busch.

> Verein der Hundefreunde 1968 Schriesheim: Die Hundefreunde durften schon etwas früher starten. Durch das große Außengelände waren in enger Absprache mit dem Ordnungsamt schon früh im Jahr wieder Vereinsaktivitäten möglich. Das war auch notwendig, berichtet Bianca Sommerfeld: "Das ist nicht nur ein Gerücht, es haben sich viel mehr Leute als sonst einen Welpen zugelegt." Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach Hundetraining. Im Frühjahr begann man zunächst mit Einzeltraining. Dadurch waren aber nur sehr verkürzte Trainingszeiten möglich.

Bei der Ausbildung der Welpen konnten die Mitglieder ihre Tiere abgeben und nach dem Training wieder abholen. Das sei allerdings für die Übungsleiter recht ermüdend gewesen, wie Sommerfeld sagt, da sie nahezu immer allein mit den Hunden waren. Seit vier Wochen durften aber wieder bis zu zehn Personen auf den Platz, was "eine Riesenerleichterung" gewesen sei, da nun auch wieder die Gruppen zusammenkommen konnten.

Durch ausgefallene Feste und das Verbot des Getränkeverkaufs wurde auch beim Hundesportverein ein Loch in die Kasse gerissen. Durch die ungewisse Situation wurden im Winter auch vorerst keine neuen Mitglieder aufgenommen. Das ist jetzt glücklicherweise wieder anders. Durch die große Zahl an neuen Hunden und den damit einhergehenden Bedarf an Hundetraining könnte der Verlust laut Sommerfeld wieder ausgeräumt werden.

Dafür soll auch eine neue Gruppe gegründet werden, die sich vornehmlich an Hundebesitzer richtet, die keine sportlichen Ambitionen haben, sondern gern in der Gruppe ihren Hund auf dem Freigelände spielen lassen wollen. Generell wolle der Verein aber auch einen Beitrag leisten, um den vielen neuen Hunden gerecht zu werden. Wie beim TVS steht auch bei den Hundefreunden die Jahreshauptversammlung aus, die im Juli im freien nachgeholt werden soll.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung