18.06.2021

Schriesheim-Altenbach: Radwegprovisorium von Altenbach nimmt weitere Hürde

Die Stadt Schriesheim kauft ein Privatgrundstück im Wald. Jetzt heißt es: Warten auf Behörden-Genehmigungen. Aber der geplante provisorische Radweg hat Schwächen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Der geplante provisorische Radweg von Altenbach zum Regenrückhaltebecken kommt langsam aufs Gleis. Bürgermeister Hansjörg Höfer informierte den Ortschaftsrat, dass die Stadtverwaltung ein Privatgrundstück im Wald kaufen konnte. Denn nach den bisherigen Planungen soll der "Radweg", der als solcher aber nicht so ausgewiesen wird, vom Rückhaltebecken über Waldwege in Richtung Wendehammer der Blumenstraße führen. Doch es gibt in Höhe des Ursenbacher Hofs eine knapp 200 Meter lange Lücke zwischen dem Wendehammer und dem Waldweg – deswegen auch der Kauf eines Grundstücks, auf dem dann noch ein Weg anzulegen wäre.

Die Gesamthöhe der auf die Stadt zukommenden Kosten steht noch nicht fest, das Areal "wurde zu einem üblichen Preis für ein Waldgrundstück angekauft", wie das Rathaus auf RNZ-Anfrage sagte. Und wie viel kostet der neue Weg? "Zu den Kostenschätzungen können wir aktuell noch keine Angaben machen. Diese werden erst bei der Umsetzung des geplanten Vorhabens konkret kalkuliert", so die Auskunft.

Im Grunde wäre dieser "Radweg" eher ein besserer Waldweg, denn er hat nicht denselben Ausbaustandard wie herkömmliche Radwege, sondern wäre nur geschottert. Und er wäre auch nicht allein den Radlern vorbehalten, sondern auch den Wanderern – wie jetzt auch schon, denn bisher folgt der größte Teil des "Radwegs" den Wandermarkierungen des Odenwaldklubs S 2, W 12 und W 13. Auch deswegen befürchtete Carsten Junghans (Freie Wähler) "Konflikte zwischen Radlern und Wanderern". Daraufhin bestätigte Höfer, dass natürlich beide Gruppen die Waldwege weiter nutzen würden, allerdings müssten die Radfahrer "Rücksicht auf die Fußgänger nehmen". Da die Wege relativ breit sind, befürchtet er allerdings nicht, dass es zu Nutzungskonflikten kommen wird.

Eine ganz andere Frage ist, ob dieser "Radweg" durch den Wald wirklich seinen Nutzen erfüllt. Denn im Grunde ist der Dorfmittelpunkt gar nicht angebunden. Man müsste erst einmal die steile Kippstraße in Serpentinen bis zur Blumenstraße fahren, um dann weiter Richtung Wald zu kommen. Auf RNZ-Anfrage sagt dazu die Stadtverwaltung: "Durch seine Ausgestaltung im Gelände und die vorhandene Steigung ist der Weg voraussichtlich allen voran für geübte Radfahrer geeignet." Dabei hieß es früher einmal, als die Erste Vorsitzende des Turnvereins Altenbach, Suzanne Epp, das Provisorium ins Gespräch gebracht hatte, hier sollten einmal Kinder relativ gefahrlos zum Waldschwimmbad radeln können – was angesichts der Steigungen gerade zwischen Haupt- und Blumenstraße eher illusorisch sein dürfte.

Allerdings geht Höfer weiterhin davon aus, dass der neue Weg durch den Wald "ein Gewinn für Altenbach" sein werde: "Ich betrachte die Möglichkeiten einer fußläufigen Verbindung, die für Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen geeignet ist, als sehr wichtig."

Allerdings, auch das betont Höfer: Dieser geschotterte Pfad, auf dem man auch radeln kann, ist keine Alternative zum "richtigen" Radweg entlang der Landstraße. Der ist zwar seit über sechs Jahren im Gespräch, Anfang 2019 bemühte sich die Stadt, ihn ins Radwegenetz des Kreises aufzunehmen, vor knapp einem Jahr kam er in die engere Auswahl. Diesen "richtigen" Radweg befürwortet natürlich auch Epp, allerdings wird der noch Jahre dauern. Daher auch das Provisorium, zu dem schon mehrere Ortsbegehungen führten – zuletzt vor zwei Jahren.

Aber auch diese Verbindung durch den Wald ist nicht ohne zeitliche Tücken, wie Höfer berichtete: "Wir können zwar an die endgültige Planung gehen, aber wir brauchen noch die Genehmigungen, zum Beispiel beim Natur- und Artenschutz." Das könnte sich unter Umständen ziehen: "Wenn wir ein naturschutzrechtliches Gutachten brauchen sollten, bauen wir in zwei Jahren noch nicht."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung