18.06.2021

Hirschberg/Schriesheim: Anwohner wollen Ergebnisse der A5-Farbahndecken-Überprüfung

Schriesheimer und Ladenburger machen Autobahn GmbH Druck. In Hirschberg wird die Fahrbahndecke ab August saniert, hier sind keine Vergleichsmessungen geplant.

Von Annette Steininger

Hirschberg/Schriesheim. In Schriesheim und Ladenburg sind Anwohner nach wie vor verärgert über die Folgen der Fahrbahnsanierung der A5. Und sie machen Druck bei der Autobahn GmbH, wollen endlich Ergebnisse der Überprüfung sehen. Aus dem Wohngebiet "Fensenbäumen" und anderen Bereichen Schriesheims sowie aus Ladenburg unterstützen mittlerweile 36 Haushalte mit 93 betroffenen Personen die Beschwerde zur Zunahme der Lärmbelästigung durch die A5 nach der Sanierung im Sommer 2020.

Auch in Hirschberg, wo die Sanierung zwischen der dortigen Ausfahrt und dem Autobahnkreuz Weinheim ab August ansteht, sorgt man sich bereits, dass es dort ebenfalls durch die neue Fahrbahndecke oder neue Leitplanken lauter werden könnte.

So hatte sich der Leutershausener Martin Gerlach diesbezüglich geäußert und auch mit der Autobahn GmbH Kontakt aufgenommen. Unterstützung erfährt er nun von Winfried Plesch aus Schriesheim, der in einer Rundmail und im Namen der Anwohnerinitiative schreibt: "Allen Ausführungen und Beobachtungen des Herrn Gerlach stimmen wir uneingeschränkt zu." Bis heute habe die Anwohnerinitiative von der Autobahn GmbH keinerlei Reaktion auf ihr Schreiben vom 6. April erhalten. "Insbesondere fehlt bisher jede Stellungnahme der Autobahn GmbH zu dem von uns berechneten Beurteilungspegel von 55,4 dB (A) im Wohngebiet bei Nacht", kritisiert Plesch.

Noch kein Zeitpunkt für Veröffentlichung

Damit wäre der Auslösewert zur Lärmsanierung in der Nacht überschritten. Die Nennung einer Bezugsgröße zum Vorher-/Nachher-Vergleich bei der Fahrbahnsanierung habe die Initiative ebenfalls im Schreiben vom 6. April angefordert. Sie sollte dazu dienen, die Veränderung der Lärmimmission bewerten zu können. "Dazu hat sich die Autobahn GmbH bisher uns gegenüber überhaupt nicht geäußert", kritisiert Plesch.

Was der Anwohnerinitiative auch sauer aufstößt: Dass die Pressesprecherin der Autobahn GmbH die vorgeschlagene Lärmmessung auf dem Autobahnabschnitt zwischen Schriesheim und Weinheim mit dem alten Belag "unerklärlicherweise als nicht zielführend" bezeichnet hat (RNZ v. 10. April). "Wir sehen jedoch in solchen Messungen genau die relevante Vergleichsgröße zum neuen Waschbetonbelag in Höhe Schriesheim", meint Plesch. Außerdem würden sie die Bezugsgröße für einen Vorher-/Nachher-Vergleich der Lärmbelastung durch die Autobahn für die Fahrbahnsanierung in Höhe Hirschberg im Sommer 2021 darstellen.

Die Rolle der sogenannten Betongleitwände auf dem Mittelstreifen der sanierten Autobahn wird aus Sicht der Initiative in den Lärmberechnungen der Behörden "unzureichend widergespiegelt". Insbesondere vermutet sie eine Wechselwirkung zwischen Fahrbahnbelag, Betongleitwänden und Wind im Sinne einer Verstärkung der Lärmimmission im Wohngebiet, die in den Berechnungsparametern beziehungsweise -algorithmen offenbar nicht ausreichend berücksichtigt würden. Plesch hat nach eigener Aussage mit der HNO-App am 25. Mai bei kräftigem Westwind und Bewölkung auf seiner Terrasse wieder bis zu 73 Dezibel (A) Autobahnlärm (durch Lkw) gemessen. "Das ist unerträglich", findet er.

Die von der Autobahn GmbH angekündigten Lärmmessungen auf der A 5 in Höhe Schriesheim seien bereits am 14. April von der Firma Müller BBM aus Planegg bei München durchgeführt worden, wundert sich Plesch. Das sei nun gut zwei Monate her, aber: "Bis heute sind uns keine Ergebnisse mitgeteilt worden."

Daher fragt sich die Anwohnerinitiative nun: "Wo bleiben die versprochenen Ergebnisse? Was sind die Konsequenzen für uns als Anwohner in Schriesheim und Ladenburg? Was sind die Konsequenzen für die anstehende Sanierung der A 5 zwischen Hirschberg und Weinheim?" Sie will auch wissen: "Warum werden keine Vergleichsmessungen auf dem Abschnitt der A 5 in Höhe Hirschberg mit dem alten Asphalt vorgenommen?" Die Anwohnerinitiative fragt sich auch: "Warum befindet sich die Autobahn GmbH uns gegenüber seit dem 31. März kommunikativ auf Tauchstation?" Diese Fragen hat Plesch am 27. Mai verschickt, am vergangenen Montag hat er sie erneut gestellt, nicht nur an die Autobahn GmbH, sondern in Kopie auch an Gemeinderäte und Landtagsabgeordnete.

Der Darstellung von Plesch, dass die Autobahn GmbH "kommunikativ auf Tauchstation" sei, widerspricht die Pressesprecherin der Niederlassung Südwest, Petra Hentschel: "Die zuständige Abteilung der Autobahn GmbH hat mehrfach auf Anfragen der Bürgerinitiative aus Schriesheim geantwortet." So habe sie am 15. Februar ausführlich zu einer umfangreichen und kleinteiligen Anfrage Stellung genommen und dabei unter anderem die einzelnen Eingangsparameter der Lärmberechnung für Schriesheim aufgeführt.

Ende März/Anfang April sei eine weitere ausführliche Stellungnahme erfolgt, in der sie die geltenden Regelungen hinsichtlich der sogenannten Lärmsanierung dargelegt und zudem bereits die Messungen an der A 5 angekündigt habe. Auf erneute Nachfrage hin sei am 14. April der Verweis auf die ausstehenden Messergebnisse und die Bitte, sich bis dahin zu gedulden, erfolgt. "Wir haben die Anfragen der Bürgerinitiative jederzeit zeitnah und – ausgehend vom jeweils aktuellen Sachstand – vollständig beantwortet und auch darüber hinaus stets offen und proaktiv den Medien gegenüber über unser Vorgehen informiert", betont Hentschel.

Sie erläutert auch, warum die Autobahn GmbH noch keine Ergebnisse veröffentlicht hat: "Die Überprüfung der akustischen Eigenschaften der Fahrbahndeckschicht auf der A 5 besteht nicht nur aus den eigentlichen Messungen vor Ort, sondern auch – und im Hinblick auf den Aufwand sogar überwiegend – aus dem Korrelieren der Messdaten nach den Technischen Prüfvorschriften zur Korrekturwertbestimmung der Geräuschemission von Straßendeckschichten." Daher bezeichnet sie die Aussage von Plesch, dass die Überprüfung bereits vor zwei Monaten stattgefunden hat, als "unzutreffend".

Die "SPB- und CPX-Messungen" (am Fahrbahnrand und Nahfeldmessung mit Geräuschmessanhänger) fanden am 13. beziehungsweise am 14. April statt. Und die Auswertung beziehungsweise die Arbeit am Bericht sei noch nicht abgeschlossen, erläutert Hentschel.

Alte Fahrbahndecke kein "Referenzbelag"

Dieser werde neben dem Ergebnis der Fahrbahndeckschicht-Überprüfung auch eine Berechnung gemäß den Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen umfassen. Der vollständige Bericht der Experten werde der Autobahn GmbH in Kürze vorgelegt, so Hentschel. Nach interner Sichtung will sie die Ergebnisse veröffentlichen. Ein genauer Zeitpunkt dafür sei noch nicht bekannt. Bereits jetzt über etwaige weitere Schritte beziehungsweise Konsequenzen zu sprechen, ist aus Sicht der Autobahn GmbH "verfrüht".

Die Pressesprecherin erläutert in Bezug auf eventuelle Vergleichsmessungen in Hirschberg auch noch einmal, dass es "nicht zielführend" wäre, den neu eingebauten Waschbeton mit einer alten Deckschicht zu vergleichen. "Denn das hieße, in einem aufwändigen und teuren Verfahren den Korrekturwert einer am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangten, schadhaften Deckschicht zu ermitteln, die ausgetauscht werden muss und keinesfalls als Referenzbelag dienen kann."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung