22.06.2021

Jede Menge Themen für CDU-Kandidat Föhr

Jede Menge Themen für CDU-Kandidat Föhr

In Ursenbach sprach Föhr mit Ortsvorsteherin Inge Pfrang. Foto: Dorn
Digitalisierung, Tempo 30, ständiger Bus-Ärger und Tourismus: Alexander Föhr in Altenbach und Ursenbach - Besuch bei Metallbau Gassert

Von Max Rieser

Schriesheim. Immer wissen, was vor Ort los ist, was die Wähler umtreibt und ihnen eine Hilfe sein: Das ist, was sich Alexander Föhr, der Bundestagskandidat der CDU, für den Wahlkreis Heidelberg/Weinheim vorgenommen hat. Er möchte damit in die Fußstapfen des scheidenden Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers treten, der für seine Bürgernähe in der Region bekannt ist.

Um ein genaueres Bild von den Sorgen und Nöten der Schriesheimer zu bekommen, ging Föhr auf große Tourer besuchte die Metallbaufirma Gassert sowie die Ortsvorsteher Herbert Kraus (Altenbach) und Inge Pfrang (Ursenbach). Ortskundige Unterstützung erhielt er von der Vorsitzenden der Schriesheimer CDU, Christiane Haase, und ihrem Vize Karl Reidinger.

> Erster Stopp, Metallbau Gassert: Los ging es beim Familienunternehmen, das von Matthias und Kathrin Kunze geführt wird. Föhr erklärte, dass er sich den Betrieb gezielt ausgesucht hatte, weil er sich für dessen Social-Media-Aktivitäten begeistere. Das Unternehmen versucht dem Fachkräftemangel mit Werbung auf Facebook und vor allem Instagram zu begegnen, um potenziellen Auszubildenden und Angestellten zu zeigen, wie attraktiv, sympathisch und nahbar Metallbau sein kann. Kathrin Kunze erklärte, da das Metallbaugewerbe mit der Herstellung von Brandschutztüren und Geländern relativ "emotionslos" sei, gelte es, den Beruf interessant rüberzubringen. Föhr wollte auch wissen, was genau die Firma ausmache.

Kunzes berichteten, dass sie den Sprung vom klassischen Metallbau zu neuen Techniken wie automatisierten Türen gut geschafft hätten. Ein weiteres Anliegen sei es, Handwerk und Service zu vereinen. Als größte Probleme berichteten die Geschäftsleiter von der Lieferknappheit bei Rohstoffen. Der Stahlpreis habe sich außerdem verdoppelt. Was die Kunzes auch herausfordert, ist der steigende bürokratische Aufwand durch EU-Gesetze. Durch Dokumentationspflichten, die ohnehin kein gutes Abbild für Qualität seien, werde so viel Arbeitszeit gebunden, dass oft die Zeit für das Wesentliche fehle: "Die Politik arbeitet da teilweise völlig an der Realität vorbei", so Kunze. Auch das Vergaberecht bei Ausschreibungen sei schwierig, da immer nur auf den Preis geschaut wird, was zu einer Abwärtsspirale bei den Preisen führt und mindere Qualität fördert. Föhr gab Kunze recht und fand, dass Bürokratieabbau zu wenig thematisiert wird und nach dem Wahlkampf meist unter den Tisch fällt.

> Zweiter Stopp, Altenbach: Bei Ortsvorsteher Herbert Kraus bekam Föhr einen Einblick in das, was den Ortsteil bewegt. Zum einen gäbe es nach wie vor Diskussionen um das Feuerwehrhaus, das in der Hauptstraße 28 gebaut werden soll, was vom Ortschaftsrat schon beschlossen wurde. Um ihrer Stimme gegen das Vorhaben Gehör zu verschaffen, war Anwohnerin Hannelore Hildner beim Treffen zwischen Kraus und Föhr anwesend. Sie sagte: "Wir haben so eine schöne Ortsmitte, wie kann man das zerstören?" Kraus sagte, er sei selbst ein Gegner des Vorhabens, aber gegen den Beschluss vorzugehen, sei allerdings schwierig. Der Ortsvorsteher berichtete auch von den eingeschränkten Einkaufsmöglichkeiten im Ort. Fleisch- und Backwaren könne man im Kiosk bestellen, der die Produkte von Biobetrieben aus der Region beziehe. Außerdem gebe es wieder den Gemüsestand der Talhof-Gärtnerei, einmal die Woche, den Hähnchenstand und das Gemüseangebot der Blumenhandlung "Pele". Der geplante Dorfladen macht keine Fortschritte, eher im Gegenteil: Im Moment ruhen alle Aktivitäten.

Auch über die Digitalisierung informierte sich Föhr bei Kraus. Das Thema brennt dem Ortsvorsteher sichtlich unter den Nägeln, sollten die Glasfaserleitungen und die Kabelverzweiger doch schon längst fertig sein. Durch Probleme bei der ausführenden Firma habe sich die Fertigstellung erneut verschoben. Kraus hofft auf einen Start im August. Ihm sei es ein großes Anliegen, dass jeder Haushalt in Altenbach schnelles Internet bekommt. Das Angebot der Telekom, die Leitungen durch sogenanntes Vectoring, also "aufgemotzte" Kupferkabel, zu verbessern, habe man ausgeschlagen, da sich das Unternehmen vorher nicht für Altenbach interessiert und Ursenbach bei seinem Angebot ausgeschlossen habe. Das unterstützte Föhr, der sagte, selbst der kleinste Hof und Weiler müsse ans Netz, da ein vernünftiger Internetzugang mittlerweile genau so wichtig sei wie ein Stromanschluss.

Ein weiteres Thema in Altenbach ist der Ruheforst. Kraus berichtete, dass es eine steigende Nachfrage nach alternativen Bestattungsformen gebe. So würde das Angebot an Baumbestattungen und im Boden eingelassenen Urnen auf dem im März eingeweihten Grabfeld "O" sehr gut angenommen. Daher sei es ihm ein Anliegen, auch den Bestattungswald möglich zu machen, bei dem es allerdings noch Gegenstimmen gebe. Um den Friedhof wieder attraktiver zu gestalten, müsste außerdem die Kapelle renoviert werden, da das Laub der Eiche auf dem Gelände im Herbst immer in die Vorhalle geweht würde.

Karl Reidinger berichtete zudem, dass eine Bürgerbefragung geplant sei, um die Nachfrage nach einem Carsharing-Angebot zu klären. Vorstellbar wäre ein Standort für die Leihautos am Buswendeplatz.

Ein Anliegen des Ortsvorstehers ist weiterhin die Ausweisung der gesamten Altenbacher Hauptstraße als Tempo-30-Zone, um den Verkehrslärm zu reduzieren. Kraus äußerte sein Unverständnis darüber, dass der Lärm von der zuständigen Stelle lediglich errechnet würde, anstatt ihn zu messen. So kämen Zahlen zustande, die nicht unbedingt der Realität entsprächen. Außerdem würden beim Lärmaktionsplan die Motorräder ausgeklammert, die gerade im Sommer massiven Krach verursachen.

> Dritter Stopp, Ursenbach: Dem Kandidaten sind nach eigener Auskunft die kleinen Dörfer ebenso ein Anliegen wie die Städte. Ortsvorsteherin Inge Pfrang berichtete ebenfalls von Problemen beim Glasfasernetz, dessen Fertigstellung auch hier hapert. Gerade in der Pandemie sei es wichtig, allen den Zugang zum Homeoffice zu ermöglichen, was nicht gelang. Sie hofft, dass es noch im Laufe des Jahres klappt.

Sie berichtete zudem von den üblen Zuständen beim Nahverkehr. Der Schulbus komme zuweilen einfach nicht, was Kinder und Eltern oft ratlos mache. Beschwerden beim Verkehrsunternehmen hätten immer nur ergeben, dass man es auf die Unzuverlässigkeit des Fahrers geschoben habe. Föhr war sichtlich schockiert und drückte sein Unverständnis aus. Der Zustand sei gerade für Eltern mit Schulkindern unhaltbar, da man sich nie darauf verlassen könnte, dass das Kind in der Schule ankomme. Außerdem zahle die Stadt für den Bus, dann müsse er auch zuverlässig fahren.

Ein weiteres Thema war der Tourismus: Es sei schade, dass die idyllische Umgebung so wenig genutzt würde, so Föhr. Das fand auch die Ortsvorsteherin. Sie setzte ihre Hoffnung in die Lehren aus der Pandemie, als mehr Leute nach draußen gingen. Vielleicht ließe sich auf lange Sicht auch für Ursenbach etwas daraus machen. Aktuell gebe es aber keine Übernachtungsmöglichkeiten für Ausflügler, was ein großes Manko sei. Zum Einkaufen, berichtete Pfrang, gingen die meisten in die Kernstadt, aber auch der Edeka-Markt in Oberflockenbach würde von einigen genutzt.

Bei Föhrs Frage nach der landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen sagte die Ortsvorsteherin, dass die Möglichkeiten begrenzt seien, da Ursenbach von einem Landschaftsschutzgebiet umgeben sei. Es gebe zwei Nebenerwerbsbauern, aber sonst nichts. Auch von der nötigen Sanierung der Feuerwehrhalle berichtete sie. Generell sei die Feuerwehr immer wieder Thema, da es keine Freiwilligen aus dem Ort gebe. Früher hätte es eine reine Damenfeuerwehr gegeben, aber das sei lang vorbei.

Die baufällige Friedhofskapelle soll nach dem Beschluss des Ortschaftsrates neu gebaut werden. Die größten Probleme: der instabile Boden und das fehlende Geld.

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CDU-Bundestagskandidat Alexander Föhr (Mitte), hörte sich mit CDU-Chefin Christiane Haase (r.) in Altenbach um, wo er auf Ortsvorsteher Herbert Kraus (l.) und Ortschaftsrat Karl Reidinger, aber auch auf Hannelore Hildner (2.v.l.) traf, die die Feuerwehrhalle thematisierte. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung