23.06.2021

Herbert Kraus teilt in Sachen Altenbacher Spielplatz aus

Der Altenbacher Ortsvorsteher kritisiert Christian Wolf, die Stadtverwaltung, aber auch die Eltern scharf.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Eine gute Woche nach der letzten Ortschaftsratssitzung und ihrem unbefriedigenden Ergebnis in Sachen Spielplatzsanierung will Ortsvorsteher Herbert Kraus das "so nicht stehen lassen". Und er teilt dabei kräftig aus: "Der Spielplatz in Altenbach ist ein Trauerspiel in mehreren Akten. Regisseur und Produzent ist Christian Wolf." Wolf hatte sich als Ortschaftsrat der Grünen Liste seit gut vier Jahren für die Erneuerung des Areals eingesetzt (siehe "Chronologie"). Für Kraus wirkte sich Wolfs Engagement allerdings fatal aus: Denn für ihn ist das "unnötiger Aktionismus" und eine "One-Man-Show", zumal Wolf auch gar kein Mandat gehabt habe, diese Angelegenheit zu forcieren. Spielplätze sind nach dem Eingemeindungsvertrag Sache des Ortschaftsrates.

Ortsvorsteher Herbert Kraus. Foto: Kreutzer
Dabei habe Wolf "weder nach links noch nach rechts geschaut, sondern er ging mit dem Kopf durch die Wand", Rechtsfragen hätten nie eine Rolle gespielt. Was auf die relativ komplizierten Eigentumsverhältnisse auf dem Spielplatzareal abzielt – und auf die nach wie vor ungelöste Frage, wie der Anwohner nun auf seine Wiese hinter dem Spielplatz kommen soll. "Der Dilettantismus, mit dem man hier zu Werke ging, ist unbeschreiblich", ereifert sich Kraus.

Auch die Rolle der Stadtverwaltung und insbesondere von Bürgermeister Hansjörg Höfer sieht er kritisch: Man habe Wolf einfach gewähren lassen, der habe unter den Eltern die Hoffnungen auf einen innovativen Abenteuerspielplatz geschürt, der auf diesem kleinen Gelände gar nicht umzusetzen sei – und schon gar nicht, ohne den Anwohner ins Boot zu nehmen.

Auch die Eltern – sie beteiligten sich sowohl an der Videokonferenz zur Neuplanung des Spielplatzes und waren im Februar und März in großer Zahl Zuhörer der Ortschaftsratssitzungen – bekamen ihr Fett weg: Sie seien von Wolf instrumentalisiert worden und "nicht mehr bereit, einen Kompromiss einzugehen" – und entsprechend viel Druck hätten die dann auf den Ortschaftsrat ausgeübt.

Denn die einzige machbare Lösung wäre die eines kleineren Spielplatzes gewesen, worauf sich im letzten Herbst Stadtverwaltung und Grundstückseigentümer grundsätzlich geeinigt hatten. Dann hätte man mit dem Eigentümer vielleicht auch nachverhandeln können, aber zugleich sofort an die Planung und ihre Umsetzung gehen können.

Auch wenn es Kraus nicht so offen sagt: Der Bürgermeister hätte gegenüber den Eltern diese Einigung auch offensiv vertreten müssen. Und gleichzeitig hätten die Eltern ihre große Wunschliste abspecken müssen. Schließlich sei der Spielplatz in erster Linie für Kleinkinder gedacht; und manches an den Planungen wie der offene Bachlauf mit Matschstation so nicht umsetzbar gewesen: Dazu hätte man aufwändig eine Trinkwasserleitung legen müssen.

Und nun stehe man praktisch vor dem Nichts, da "Wolf den Karren an die Wand gefahren hat", wie Kraus meint: "Jetzt sind wir da, wo ich als Ortsvorsteher auf keinen Fall hinwollte, nämlich unseren Spielplatz in die Hände von gegnerischen Anwälten zu geben. Und unsere Kinder haben wieder einmal das Nachsehen." Dass ihn erst unlängst die Grüne Liste aufgefordert habe, den Planer Rolf Schwarz mit der Umsetzung seines Konzepts zu beauftragen, sei "eine Mischung von Naivität und Hilflosigkeit". Er habe ja gar kein Budgetrecht, er könne gar nichts beauftragen. Und wie geht es nun weiter? "Ich werde beim Bürgermeister alle drei, vier Wochen fragen, wie es mit dem Spielplatz aussieht."

Hintergrund: Altenbacher Spielplatz - Die Chronologie

24. Oktober 2019: Vor-Ort-Termin von Bürgermeister Hansjörg Höfer, Christian Wolf (Grüne Liste) und Altenbacher Eltern, die eine Sanierung des Spielplatzes fordern. Es wird bekannt, dass ein Anwohner ein Überfahrtsrecht hat, um zu seiner Wiese dahinter zu gelangen. Teile des Spielplatzeingangs gehören ebenfalls zu seinem Grundstück – eine Folge des Ausbaus der Straße "Am Zehntberg" und der Anlage des Spielplatzes vor Jahrzehnten, die zu seinen Ungunsten erfolgten.

29. April 2020: Bei den Haushaltsberatungen werden 120.000 Euro für den Spielplatz eingestellt. Höfer sagte allerdings, er werde keinen Spielplatz sanieren, über den ein Traktor rollt.

Mai 2020: Der TÜV montiert aus Sicherheitsgründen fast alle Geräte ab.

November 2020: Wolf verkündet einen Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen der Stadt und dem Grundstückseigentümer. Tatsächlich gibt es im Grundsatz eine Einigung: Für eine eigene Zufahrt des Anwohners müsste ein Teil des Spielplatzes geopfert werden. Die Stadt bestätigte diese Einigung juristisch aber nie.

11. Dezember 2020: Die Ortschaftsräte von Freien Wählern, CDU und SPD kritisieren Wolf und Höfer, weil sich das Gremium übergangen fühlte.

18. Dezember 2020: Erste Videokonferenz des Planers Rolf Schwarz mit etwa 20 Eltern. Sie wünschen sich einen offenen Bachlauf, einen Sandbereich mit Wasserpumpe, ein Baumhaus, eine Rutsche, eine Hangelstation, eine Hängebrücke, eine Doppel- und Vogelnestschaukel sowie ein Bodentrampolin.

29. Januar 2021: Zweite Videokonferenz: Die Wünsche lassen sich auf dem nur 285 Quadratmeter-Spielplatz nicht unterbringen. Erstmals wird ein Flächentausch mit dem Anwohner ins Spiel gebracht: Wegen der Zufahrt zu seiner Wiese auf einem Teil des Spielplatzareals soll er 50 Quadratmeter abgeben.

8. Februar 2021: Schwarz stellt seine Planungen im Ortschaftsrat vor. Der Antrag der Grünen Liste, das sofort umzusetzen, findet keine Mehrheit.

8. März 2021: Der Ortschaftsrat vertagt sich zur Kompromissfindung.

22. März 2021: Der Ortschaftsrat beschließt mit großer Mehrheit, dass Schwarz den Spielplatz auf der gesamten städtischen Fläche planen soll. Die Zufahrtsfrage blieb ausgeklammert.

14. Juni 2021: Höfer berichtet im Ortschaftsrat, dass sich die Stadt jetzt einen Anwalt genommen hat. (hö)

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung