08.07.2021

"Der Kontakt zu Studierenden hält jung"

"Der Kontakt zu Studierenden hält jung"

Udo Zansinger hat mehr als zehn Jahre lang das Friedrich-Hauss-Studienzentrum geleitet. In Schriesheim hat er auch seine Frau kennengelernt. Foto: Dorn
Udo Zansinger war über zehn Jahre Leiter des Friedrich-Hauss-Studienzentrums in Schriesheim - Jetzt wird er Vollzeit-Religionslehrer

Von Marion Gottlob

Schriesheim. "Ich liebe dich. Ich liebe dich. Gott." Einen Aufkleber mit dieser Botschaft findet man im Schriesheimer Friedrich-Hauss-Studienzentrum. Das Zentrum ist in einem Haus untergebracht, das einst zum Deutschen Hof mit Schnapsbrennerei gehörte. Seit 1982 ist es ein Studentenwohnheim mit christlicher Orientierung. In einigen Räumen standen hier früher Fässer. Auch im Büro des Leiters, Udo Zansinger. Demnächst wird er Abschied von dieser Stelle nehmen: "Das ist eine Sonderpfarrstelle, für die alle acht bis zwölf Jahre ein Wechsel vorgesehen ist. Ich wusste das und konnte mich auf die Veränderung vorbereiten."

Gern blickt Zansinger zurück: "Ich kam als Single nach Schriesheim, habe hier meine Frau Manuela kennengelernt und bin nun Vater von drei Kindern." Ursprünglich stammt er aus Freiburg. Nach dem Abitur stand er vor der Wahl: Bankkaufmann oder Studium der Theologie. Er entschied er sich für die Lehre zum Bankkaufmann. Noch während der Ausbildung wurde ihm aber klar, dass ihm die Theologie wichtiger sein würde: "Ich wollte meinen eigenen Glauben finden – unabhängig von meinen Eltern oder anderen Menschen."

Gleich nach der Lehre verbrachte er ein Jahr in Stuttgart und paukte für das neue Studium Griechisch und Hebräisch. Latein hatte er schon in der Schule gelernt. Anschließend studierte er Theologie in Marburg, Tübingen und Heidelberg. In Marburg wohnte er im Bodelschwingh-Studienhaus. Dort gab es für Theologie-Studierende Vorträge und Gesprächsrunden: "Man konnte ehrlich miteinander reden", sagt er. Der 48-Jährige engagierte sich und half unter anderem bei der Organisation von Freizeiten und Tagungen für die Theologie-Studierenden.

Anschließend wechselte er nach Tübingen und wohnte erneut in einem theologischen Studierendenwohnheim und später in einem "normalen" Wohnheim. Zuletzt studierte er in Heidelberg: "Hier ist das Theologie-Studium offen für viele theologische Richtungen. Deshalb ist das Heidelberger Studium sehr beliebt." Erst wohnte er in einem Kellerzimmer ohne Sonne und dann in einer Zweier-WG mit einem Medizinstudenten.

Nach dem Vikariat wurde er Pfarrer in Engen nahe dem Bodensee. Ein Schwerpunkt war die Kinder- und Jugendarbeit: "Es war großartig", bilanziert er. Dann kam plötzlich ein Anruf: "Möchten Sie Studienleiter in Schriesheim werden?" Er sagte zu: "Der Kontakt zu Studierenden hält jung." In dem Schriesheimer Zentrum leben 45 Studierende, die Hälfte davon ist für Theologie eingeschrieben.

Zu jedem Semester gibt es normalerweise eine Cocktail-Party in der ehemaligen Brennerei: "Ein toller Ort zum Feiern. Es kommen auch Studierende aus Heidelberg", plaudert Zansinger aus dem Nähkästchen. Der normale Alltag beginnt jedoch mit einer Andacht. Wie in Marburg gibt es Vorträge und Gesprächsrunden. Zansinger hat selbst Referate gehalten: "Es war wie ein zweites Theologiestudium", sagt er.

In der Corona-Zeit hat sich das Wohnheim als Glücksfall erwiesen. Jedes Stockwerk zählt als ein Haushalt. Die Studierenden konnten auf ihrem Stockwerk weiterhin in Gemeinschaft leben. Per Videokonferenz gab es Veranstaltungen für alle. Jetzt genießen die Bewohner die Lockerungen. "Ich hoffe, dass wir meinen Abschied in Präsenz feiern können", sagt der Theologe. Nach seiner Zeit als Studienleiter wird Zansinger zum Vollzeit-Religionslehrer. Er hatte schon eine halbe Stelle am Bunsen-Gymnasium in Heidelberg, nun kommt eine halbe Stelle am Hölderlin-Gymnasium dazu: "Ich mag die offenen und ehrlichen Fragen von Jugendlichen. Ich profitiere von diesen ungewöhnlichen Gedanken."

Er wird jedoch mit seiner Frau und den Kindern mit Emilio (5), Carlo (3) und Linda (1) weiterhin in Schriesheim wohnen. "Wir sind sehr gern hier", betont Zansinger.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung