17.07.2021

Strahlenberger Hof soll bald wieder strahlen

Nach eineinhalb Jahren Leerstand liegt die Renovierung nun in den letzten Zügen. Jetzt wird ein Pächter gesucht. Das Konzept soll "zu Schriesheim passen".

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Seit eineinhalb Jahren hat der Strahlenberger Hof geschlossen, aber es tut sich etwas im Inneren – und allein, dass der grüne Kastenwagen von Besitzer Peter Bausback in der letzten Zeit öfters in der Kirchstraße stand, bewies das. Tatsächlich sind die Arbeiten fast abgeschlossen, im Grunde war es seit der letzten Sanierung vor 35 Jahren eine Komplettsanierung der nicht nur das Restaurant in der ehemaligen Scheune, sondern auch die vier Wohnungen unterzogen wurden.

Der letzte der insgesamt fünf Pächter, Marcus Schleicher – nach Ute und August Huber (1988-1990), Christina Balais-Meyer und Heino Meyer (1990-1995), Peter Walter (1995-1999) sowie Susanne und Jürgen Schneider (1999-2013) – hatte zu Silvester 2020 nach ziemlich genau sieben Jahren das Restaurant geschlossen, ihn zog es in seine Heimatstadt Wetzlar. Eigentlich hätte dann ein erneuter Pächterwechsel angestanden, aber dann kam Corona – und Bausback nutzte die Zeit zum Renovieren.

Die Suche nach einem Nachfolger für Schleicher liegt nun in den Händen von Anja Hölzel, die vor einem halben Jahr ihre Immobilienagentur in der Heidelberger Straße eröffnet hatte. Hölzel geht es professionell an: Für ein Exposé macht gerade im und um den Hof herum ein Profi-Fotograf Aufnahmen, deswegen sind sogar die Tische festlich eingedeckt, auch der imposante Keller ist neu illuminiert und hübsch dekoriert.

Und so durfte die RNZ auch in die Bereiche, in die man als normaler Gast nicht so leicht reinkommt: Und dabei zeigt sich, dass der Strahlenberger Hof viel mehr ist als das Restaurant und der Innenhof. Das gesamte Ensemble gehört mit zu den stimmungsvollsten Orten in der Region. Bauhistorisch am bedeutendsten ist das Steinhaus aus dem 13. Jahrhundert mit seinen gotischen Fenstern. Hier wohnte bis zu seinem Tode Vorbesitzer Wilhelm Gaber. Der gehörte viele Jahre zum Stadtbild, wenn er so vor dem Tor stand und seinen Stumpen rauchte, woran sich auch Hölzel, die selbst aus Schriesheim stammt, erinnert.

Aus derselben Zeit wie das Steinhaus stammt auch der Weinkeller. Hier lagert Bausback seine Weinschätze – die meisten aus eigenem Anbau; seine Lagen, knapp zwei Hektar, sind der Schlossberg und der Madonnenberg. Für Hölzel ist das eigentlich der Ort mit der meisten Atmosphäre. Als sie selbst noch im Eventbereich arbeitete, kam sie öfters mit Gästen vom Hockenheimer Motodrom hierher – und weiß seitdem: "Es gibt keinen schöneren Ort in der Region für Empfänge." Mit etwas Glück kann man von einem Dachfenster einen Blick zur Strahlenburg erhaschen, sozusagen das "Mutterhaus" des Strahlenberger Hofs. Den angeblichen Geheimgang zwischen Burg und Hofkeller hat man aber auch bei der jüngsten Restaurierung noch nicht gefunden.

Mit großen Schwierigkeiten, einen Pächter zu finden, rechnet Hölzel nicht: "Ich glaube nicht, dass es schwer wird. Gerade jetzt ist der beste Zeitpunkt, die Leute sind ja ganz ausgehungert." Die ersten Anfragen gab es bereits, "aber wir suchen den Richtigen", sagt Bausback – und erinnert sich besonders gern an die große Zeit der "Ära Schneider", als man sich elf Jahre lang einen Stern erkochte.

Und in welche Richtung soll oder darf der neue Pächter gehen? Bausback und Hölzel sind sich einig: "Etwa Gehobenes", auf eine besondere Art von Küche ist man nicht festgelegt. Am wichtigsten ist Bausback, dass er zu dem oder den "Neuen" Vertrauen hat, dass sie mit Leidenschaft kochen – und pfleglich mit dem Gebäude umgehen. Für Hölzel sollten deren Ideen "zu Schriesheim passen" – und möglichst in die gesamte Region ausstrahlen, wie es eigentlich seit 1988 immer der Fall gewesen war, als der Strahlenberger Hof sich zu einer der großen gastronomischen Adressen der Region mauserte. In ihrem Konzept sind die neuen Pächter also weitgehend frei, sie "dürfen ihren eigenen Stil reinbringen", sollten aber auch "einen langen Atem haben".

Sie könnten auch eine eigene Wohnung beziehen, die anderen drei sollen Feriengästen dienen. Bausback sagt: "Im Grunde könnte man in der nächsten Woche anfangen." Gerade der lauschige Innenhof, so kann es sich Hölzel vorstellen, sollte in das Restaurant miteinbezogen werden; im Keller wäre eine Weinbar nicht schlecht: "So etwas hat Schriesheim ja noch nicht."

Überhaupt erhofft sich Hölzel, dass mit dem Ende des Leerstands auch wieder die Altstadt belebt wird. Und auch Bausback weiß: "Der Strahlenberger Hof fehlt seit eineinhalb Jahren." Der 83-Jährige, der in Neckarhausen wohnt, hat selbst alte Verbindungen nach Schriesheim. Schon in seiner Kindheit kam seine Familie regelmäßig hierher, um im "Kaiser" zu speisen. In den achtziger Jahren stand er mit seinem Cousin Peter Assion vor dem Gaber’schen Haus, das ziemlich verfallen war. Assion redete ihm zu, das Anwesen zu kaufen, es sei "das schönste Haus an der Bergstraße". Der Rest ist Geschichte. Und über die schrieb Assion sogar 1990 ein Buch. Fragt man Bausback, ob der "Goldene Hirsch", der ihm seit 1996 gehört, oder der Strahlenberger Hof sein Herzensprojekt sei, zögert er keine Sekunde: "Der Strahlenberger Hof!" Schließlich hat er ihn gerettet. Denn nach dem Kauf 1985 verfügte das Landratsamt den Abbruch des Fachwerkhauses, weil es baufällig war. Bausback reagierte auf seine Weise: Er ließ es liebevoll restaurieren.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung