19.07.2021

Die Konfirmation wurde zum Marathon

47 Konfirmanden in vier Konfi-Feiern: Wegen Corona waren die Gottesdienste von Mai auf Juli verschoben worden. Glückwünsche gab es per Ellbogen.

Von Marion Gottlob

Schriesheim. In Corona-Zeiten wird alles besonders kostbar: Vor einem Jahr mussten die Konfirmationsfeiern in Schriesheim und Altenbach von Mai auf Oktober verschoben werden und in diesem Jahr von Mai auf Juli. Nun feierten Pfarrerin Suse Best und Pfarrer Kieren Jäschke mit vier Konfi-Gottesdiensten und rund 50 Konfirmanden einen Konfi-Marathon. Zu den Präsenz-Gottesdiensten waren jeweils zehn Personen pro Konfi-Familie zugelassen, per Internet konnten sich Freunde und weitere Gäste zuschalten. Musikalisch begleitet wurden die Gottesdienste von der Konfi-Band und Martin Fitzer an der Orgel. Pfarrerin Best machte den Auftakt: "Herzlich willkommen! Mit der Konfirmation wollen unsere Konfirmanden heute das Ja zu ihrer Taufe bekräftigen."

Jede Feier wurde zu einer kleinen Mode-Schau: Die Herren in Anzügen mit und ohne Fliege, die Damen in schwarzen oder hellen Festkleidern, oft mit Spitzeneinsätzen. Kaum zogen die Konfis in die geschmückte Kirche ein, wurden die Handys für Fotos gezückt. Best dankte Gott für diesen Tag und beruhigte die Gäste: "Sie können den Gottesdienst später im Internet anschauen und Screenshots machen."

Die ersten drei Gottesdienste fanden am Samstag statt. Während vor der Kirchentür der quirlige Wochenmarkt stattfand, führte Best die Konfi-Gemeinde in die Stille: "Lasst uns zur Ruhe kommen. Wir legen all das, was uns persönlich beschäftigt, Gott zu Füßen. Jesus, Du bist bei uns, Du bleibst unser Licht." Unter den Gästen zum ersten Gottesdienst war Pfarrer In Jung, der mit Familie seine frühere Gemeinde besuchte: "Meine 14-jährige Tochter Na-Nun, nun auch Sophia genannt, feiert heute und hier Konfirmation, denn Schriesheim ist immer noch unsere Heimat. In Bezug auf die Kirche wird meine Tochter nun erwachsen. Aufregend!" Seine Tochter bestätigte: "Aufregend!"

Nach dem Intro sangen die Besucher mit Jens Nobiling am Klavier und Sängerin Ilona Rein: "Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen, Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen. Gott wird auch unsre Wege geh'n, uns durch das Leben tragen."

Das "Licht" war Thema für einige Konfi-Sprüche. Die 13-jährige Lola hatte mit ihrer Mutter gemeinsam nachgedacht und sich dann für Epheser 5, 8-9 entschieden: "Lebt als Kinder des Lichtes; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Ja, das Licht muss immer wieder gegen die Finsternis, gegen die Dunkelheit ankämpfen." Larissa (14) hatte ihren Taufspruch gewählt: "Dein Wort ist meine Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege."

Weiteres großes Thema war Freundschaft. Prädikant Michael Schumm: "Glücklich, wer Freunde hat." Er trug die Lesung vor aus Johannes 15: "Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Denn niemand liebt mehr als der, der für seine Freunde sein Leben hingibt. Dies habe ich Euch gesagt, damit meine Freude in Euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe." Normalerweise verbringen Konfirmanden bei der Vorbereitung viel Zeit miteinander. Dieses Mal war wie im vergangenen Jahr alles anders. Thomas Rufer, Vorsitzender des Kirchengemeinderats, sagte: "Keine Konfi-Freizeit, kein Konfi-Camp. Viele Treffen virtuell per Zoom. Einmalig war allerdings eine Woche vor der Konfirmation die exklusive Konfi-Church-Night: 25 Mitarbeiter, mit Band, Lagerfeuer, Film, Input, Übernachten im Kirchenraum. Köstliche Waffeln mit Toppings nach Wahl gab es da selbst noch nachts um 4 Uhr. Das hat es noch nie gegeben."

Auch Best sprach über das Thema "Freundschaft": "Leben ist sinnvoll und beglückend, wenn Gemeinschaft mit Familie und Freunden entsteht, auf die man sich verlassen kann. Freunde kennen deinen Kühlschrank, sie mögen dich so, wie du bist, trauen dir aber zu, dass du dich ändern kannst. Jesus kann Freund und Lehrer sein." Zur Segnung nahm Best die Maske ab – sie war zweimal geimpft und für diesen Festtag getestet – und sprach den Konfi-Segen: "Gott hat dich geschaffen, einzigartig und wunderbar." Anschließend gratulierte sie den Jugendlichen per Ellbogen.

Zum Lied "Nun danket alle Gott" schenkten die Konfis ihren Paten weiße Rosen. Nach einer knappen Stunde war alles vorbei. Konfirmandin Na-Nun strahlte vor Freude: "Es hat alles geklappt." Lola lächelte: "Der Gottesdienst war sehr schön gestaltet." Larissa war zufrieden: "Ich fand es schön." Kurz darauf startete schon der nächste Konfi-Gottesdienst. Auch in der Corona-Krise ist Konfirmation möglich – schon im zweiten Jahr.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung