23.07.2021

Sanierung des Gymnasiums: Schriesheim hat sich nicht übernommen

Die Sanierung des Gymnasiums ist im Zeit- und im Kostenrahmen. Ist die neue Lüftung coronakonform?

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Im Großen und Ganzen läuft es eineinhalb Jahre seit dem Start der Gymnasiumssanierung gut: Die Baukosten und der Zeitplan liegen im erwarteten Rahmen, im Moment gibt es sogar eine Art Puffer von 567.000 Euro, weil die bisherigen Ausschreibungen teils deutlich unter den Kostenschätzungen lagen, wie Projektleiter Sebastian Bohnenkamp am Mittwochabend im Gemeinderat berichtete. Das städtische Budget liegt bei 14,165 Millionen Euro – bei Gesamtkosten von knapp 20,9 Millionen Euro; der Rest kommt aus Zuschüssen des Bundes und des Landes. Da mittlerweile Aufträge in Höhe von 10,9 Millionen Euro erteilt worden sind, ist die 70-Prozent-Grenze des Stadt-Budgets längst erreicht, ab der sich der Gemeinderat wieder einschalten soll. Das war vor allem deswegen gedacht, um Kostenexplosionen zu verhindern.

Die blieben aus – was nicht nur Bohnenkampf, sondern auch die Ratsfraktionen freute. "Das ist mehr als selbst die Befürworter zu hoffen gewagt hatten", meinte Wolfgang Renkenberger (FDP), man habe "allen Grund, den gegen alle Widerstände eingeschlagenen Weg weiterzugehen", sagte er mit Blick auf die Grüne Liste. Für die war Fadime Tuncer glücklich, dass alles so gut läuft, "trotz des holprigen Beginns mit den Containern". Bernd Hegmann (Freie Wähler) gab zu: "Wir taten uns anfangs sehr schwer damit." Nun sei aber "die Skepsis in unserer Fraktion gesunken". Michael Mittelstädt (CDU) fand es "erstaunlich, wie einig wir uns heute sind" – nach "all den Unkenrufen, diese Sanierung sei ein zu großes Risiko". Kurz: "Es war, Stand jetzt, die richtige Entscheidung."

Allerdings ist das Polster von 567.000 Euro auch kein ganz sanftes Ruhekissen, denn noch ist nicht alles fertig. Wie schon zuvor der ehemalige Bauamtsleiter Markus Schäfer warnte Bohnenkamp davor, dieses Geld jetzt schon zu verbraten. Im Moment rechnet er ziemlich vorsichtig, denn es sind fünf Prozent der Baukosten als Sicherheiten für alle Fälle eingeplant – und dann wäre, etwa bei Kostensteigerungen, vom Polster kaum mehr etwas da.

Robert Hasenkopf-Konrad (Grüne Liste) wollte wissen, ob es denn schon erste Anzeichen von erheblich gestiegenen Baukosten, von denen man gerade so viel höre, gebe. Und wie es mit Preisgleitklauseln aussehe – also dem Recht der Baufirmen auf Preiserhöhungen. Nein, sagte Bohnenkamp, das sei bisher kein Thema gewesen.

Eine andere, gerade in Corona-Zeiten nicht ganz unwichtige Frage betraf die Lüftungen, an denen gerade gearbeitet wird: Genügen die Pandemie-Standards, wollte Renate Hörisch-Helligrath (SPD) wissen. Bohnenkamp konnte dazu keine Auskunft geben, allerdings will Bürgermeister Hansjörg Höfer bei diesem Thema "noch einmal nachfassen". Sebastian Cuny (SPD) bat darum, diese Frage "zeitnah zu prüfen", denn der Bund habe gerade seine Förderrichtlinien geändert. Und wenn man schon saniere, dann sollte das coronagerecht erfolgen. Höfer erklärte: "Die Raumentlüftung prüfen wir an allen Schulen."

Bei einer Vor-Ort-Begehung des Gemeinderates wurde das Gremium vor drei Wochen mit der Forderung der Fachlehrer konfrontiert, den naturwissenschaftlichen Trakt ebenfalls zu sanieren. Der war vor dreieinhalb Jahren – eben aus Angst vor einem Budget, das alle Rahmen sprengt – bei der Grundsatzentscheidung zur Sanierung erst einmal außen vor gelassen worden. Aber hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen. Nun soll ein Planungsbüro diese Fachräume planen und eine Kostenschätzung vorlegen. Dann sehe man weiter. Derweil wird in diesem Bereich erst einmal weitergeflickt: Wie Bohnenkamp berichtete, werden gerade 30.000 Euro ausgegeben, um "die gravierendsten Mängel im naturwissenschaftlichen Trakt abzustellen".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung