24.07.2021

Sogar der reguläre Schulbus kommt oft nicht nach Ursenbach

Die Nahverkehrsprobleme in Ursenbach häufen sich und sorgen für Unmut im Ortschaftsrat. Auch der Bürgermeister ist sauer. Der BRN will jetzt die Fahrer nachschulen.

Schriesheim-Ursenbach. (hö) Die Beschwerden über den Bus nach Ursenbach reißen nicht ab. War es bisher vor allem der "Anforderungsbus", der oft genug nicht seinen Weg in den kleinen Odenwaldstadtteil fand, ist es nun sogar der reguläre Schulbus, der Ärger macht: In der vorletzten Woche kam er am Dienstag nicht, in der Woche zuvor auch an einem Tag nicht: "Das ist sehr unbefriedigend", sagte Ortschaftsrätin Imke Felden, und ihre Kollegin Bernadette Siegmund sah das genauso: "Es hat sich einfach nichts geändert, haben die keinen Bock, zu uns hochzufahren?" Dabei, so weiß sie, "muss der Bus fahren, er steht auch so im Fahrplan". Um genau zu sein: um 7.11 und um 8.12 Uhr. Und Siegmund forderte, dem Busverkehr Rhein-Neckar (BRN), einer Tochter von Bahnbus, die Gelder zu streichen. "Die werden doch dafür bezahlt!", meinte auch Clarissa Edelmann, die zu ihrer Schulzeit – wie Siegmund – mit dem Bus nach Schriesheim fuhr: "Das war früher ab und an auch schwierig, aber nicht so schlimm wie jetzt."

Gerade für Berufstätige sind die ausgefallen Busfahrten ein Problem. Wenn der Bus um 7.11 Uhr nicht kommt, dann wird es knapp, die Kinder in die Schule zu fahren – und der ganze Familienzeitplan gerät ins Rutschen. "Es wäre wenigstens gut, wenn wir rechtzeitig informiert werden würden", sagt Siegmund. Auch die angebliche Mobilitätsgarantie für Zeitkarteninhaber – und die gilt auch für Schüler mit ihrem "Maxx-Ticket" – greift hier nicht, wie sich Ortsvorsteherin Inge Pfrang ärgert: Eigentlich dürfte man für jeden ausgefallenen Bus auf BRN-Kosten ein Taxi rufen, aber bis das den Berg hochgefahren ist, hat die erste Schulstunde schon angefangen.

Auch Bürgermeister Hansjörg Höfer war einigermaßen fassungslos, als er von diesen Problemen hörte: "Wir müssen über Strafen nachdenken. Und das Unternehmen vielleicht von der nächsten Ausschreibung ausschließen." Das dauert aber noch, die Linie 628 wird erst wieder im Dezember 2027 ausgeschrieben.

Die Erklärungen und Entschuldigungen von BRN/Bahnbus, so Edelmann, reichten von "Wir geloben Besserung" bis hin zu "Wir müssen nachforschen". Was den neuerlichen Ausfall angeht, sagte ein Unternehmenssprecher auf RNZ-Anfrage: "Im betreffenden Zeitraum haben wir in kurzfristiger Vertretung einen Busfahrer eingesetzt, der im Bereich Ladenburg-Schriesheim üblicherweise nicht eingesetzt wird. Offensichtlich sind an den beiden Tagen die Pflichtfahrten nach Ursenbach versäumt worden. Für die unseren Fahrgästen dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung. Wir werden unsere Fahrer nochmals auf die Besonderheiten in Ursenbach hinweisen."

Was kann nun die Stadtverwaltung tun? Auf RNZ-Nachfrage heißt es: "Die Möglichkeiten der Stadtverwaltung sind hier eingeschränkt, da nicht die Stadt Schriesheim, sondern der Rhein-Neckar-Kreis Aufgabenträger für den Öffentlichen Nahverkehr ist. Dennoch hat die Stadtverwaltung mit Nachdruck darauf gedrängt, dass die derzeitige Problematik behoben wird. In Zusammenarbeit mit dem Rhein-Neckar-Kreis wurde dem beauftragten Unternehmen unmissverständlich klargemacht, dass es seiner vertraglichen Verpflichtung nachkommen muss."

Auch wenn Ortsvorsteherin Pfrang die Betroffenen bittet, ihre Beschwerden zu dokumentieren, um gegenüber dem BRN etwas in der Hand zu haben, kann man im Rathaus deren exakte Zahl nicht beziffern, "da Bürger sich auch direkt über den offiziellen Weg beim Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) beschweren können und die Stadtverwaltung in der Regel keine Kenntnis hierüber erhält". In den letzten fünf Wochen hat das Rathaus fünf Beschwerden vor allem wegen ausgefallener Fahrten erhalten, die dann auch an den VRN weitergeleitet wurden: "Manche Beschwerden haben dabei gleich mehrere nicht stattgefundene Fahrten umfasst."

Wie teuer den Steuerzahler (und damit die Stadt) die Verbindung nach Ursenbach kommt, ist nicht herauszubekommen, es gibt nur Zahlen für die gesamte Linie 628. Für die zahlte die Stadtkasse 2019 das Defizit von knapp 263.000 Euro, allerdings erstattet der Kreis die Hälfte.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung