03.08.2021

"Gepflegte Wildnis" ist gut für Schmetterlinge

Die Stadt setzt sich für den Erhalt der Artenvielfalt ein - Deswegen wird nicht alles "totgemäht" - Trotzdem gibt es noch viel Potenzial

Von Florian Busch

Schriesheim. Immer mehr Arten werden durch den Menschen verdrängt oder sterben sogar aus. Auf dieses Problem wollte auch die Stadt Schriesheim kürzlich in einem Pressegespräch aufmerksam machen und aufzeigen, was sie dagegen unternimmt. Thomas Jungbluth, Umweltreferent der Naturfreunde, engagiert sich schon seit einigen Jahren in diesem Bereich.

Jede Woche läuft er von April bis September eine bestimmte Route auf dem Kuhberg ab und zählt die Schmetterlinge und unterschiedlichen Arten, die er sieht. Damit beteiligt er sich an einem deutschlandweiten Projekt des "Tagfaltermonitorings". Anhand dieser Zählung könne man zudem Rückschlüsse auf die gesamte Biodiversität in Schriesheim ziehen, so Jungbluth. Sein ernüchterndes Ergebnis: Es werden immer weniger. Seit 1930 würden Schmetterlinge gezählt, aktuell seien noch 44 Arten in Schriesheim zu finden. Zwar gebe es auch Neuzugänge, allerdings: "Wenn eine kommt, dann verschwinden gleichzeitig 20 andere. Und die können wir nicht mehr zurückholen."

Auslöser sei neben dem menschengemachten Klimawandel auch die Landwirtschaft. Gefällte Bäume und Planwälder, abgemähte Wiesen, aber auch Verwaldung trügen zum Artensterben bei. Das sei aber kein Vorwurf, betonte der Umweltexperte, man könne auf Landwirtschaft eben auch nicht verzichten. Es gehe darum, sie in Einklang zu bringen mit dem Erhalt der Artenvielfalt.

In Teilen der Schriesheimer Weinberge sei dies bereits gelungen. Und auch im Weiten Tal gebe es Erfolgsmeldungen. Die dort grasenden Rinder würden von Zeit zu Zeit immer wieder die Weidefläche wechseln. Auf diese Art könne die vorige Fläche regenerieren und bleibe als Lebensort vieler Tier- und Pflanzenarten erhalten. Doch trotz dieser positiven Beispiele gebe es noch viel Potenzial für Veränderungen, meinte Jungbluth.

Das ist auch bei der Stadt angekommen: "Das Artensterben ist eine große Herausforderung unserer Zeit, und wir sind gefragt, dagegen zu arbeiten", meinte Bürgermeister Hansjörg Höfer. Bereits 2007 habe man angefangen, Waldwiesen wieder offener zu halten, um Verwaldung zu verhindern. Außerdem ließe man viele Wiesen länger stehen als früher. Mäht man diese zu oft, dann stört das die Entwicklung der Pflanzen und führt letztendlich dazu, dass die Flächen nur noch durch wenige Arten bewachsen werden. Das wiederum ist schlecht für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Hier sei jeder Einzelne gefragt, etwas zu tun, so Höfer.

Trotzdem "sollte die Kommune Vorreiter sein", meinte Peter Bickel, der bei der Stadt als Gärtner arbeitet und somit für alle Grünflächen zuständig ist. Um Unterschlupf für so viele Insekten wie möglich bieten zu können, nehme er auch ab und zu die Häme der Leute in Kauf, wenn bestimmte Wiesen mal länger stehen oder nicht ganz kurz herunter geschnitten werden. "Ungepflegt sieht das aus", sei da teilweise der Tenor. "Aber man kann auch nicht alles totmähen", fand Bickel. Und Jungbluth ergänzte: "Gepflegte Wildnis hat auch ihren Reiz." Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung