05.08.2021

Auf dem Dörr-Gelände will ein Discounter ansiedeln

Auf dem Dörr-Gelände will ein Discounter ansiedeln

Auf dem Gelände des Autohauses Dörr will sich ein Discounter ansiedeln. Foto: Dorn
Die Stadt ist dagegen. Gibt es einen Zusammenhang mit der Edeka-Erweiterung?

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Just zu dem Zeitpunkt, an dem bekannt wurde, dass sich der Edeka-Markt am nördlichen Ortsausgang vergrößern will, hat ein Lebensmitteldiscounter gleich drei Bauvoranfragen gestellt, die der Ausschuss für Technik und Umwelt (ATU) in der nächsten Sitzung am Montag, 9. August (18 Uhr, Rathaus) diskutiert. Das Pikante daran: Der Discounter möchte gern in den Säulenweg 5-7, doch da befindet sich jetzt noch das Renault-Autohaus Dörr. Was aus ihm werden soll, darüber war bei der Geschäftsleitung bisher nichts zu erfahren.

> Das ist der Plan: Der Discounter – welcher genau geht aus den Sitzungsunterlagen nicht hervor – hat gleich drei Bauvoranfragen gestellt: die erste für eine Verkaufsfläche von 399 Quadratmetern, die zweite für eine Verkaufsfläche von 799 Quadratmetern und schließlich eine dritte für eine Verkaufsfläche von 1055 Quadratmetern. Zum Vergleich: Der Edeka-Markt daneben hat momentan 1100 Quadratmeter Verkaufsfläche. Offenbar will die ansiedlungswillige Firma sehen, was in Schriesheim möglich und durchsetzbar ist. Zwar ist die Kopplung von einem Vollsortimenter und einem Discounter in unmittelbarer Nachbarschaft nicht ungewöhnlich – wie bei Rewe und Aldi in der Robert-Bosch-Straße – doch geht es der Stadt vor allem darum, den bestehenden Edeka-Markt als Vollsortimenter zu erhalten.

> Das meint die Stadt dazu: Sie ist gegen die Ansiedlung eines Discounters in diesem Gebiet – zumindest zum jetzigen Stand. Das gilt übrigens für alle drei Bauvoranfragen, unabhängig von der Größe des Verkaufsraums. Deswegen empfiehlt sie auch den ATU-Mitgliedern, diese Bauvoranfragen abzulehnen (was wohl auch eintreten wird). Der rechtliche Grund ist die bei der letzten Gemeinderatssitzung beschlossene Veränderungssperre für das gesamte Areal: In den nächsten zwei Jahren dürfen wischen dem Säulenweg und der Haydnstraße keine Veränderungen ohne Zustimmung des Rats vorgenommen werden. Bis dahin soll der mehrfach geänderte Bebauungsplan "Schanz", der ursprünglich aus dem Jahr 1975 stammt, aktualisiert werden.

Solange will man erst im Rathaus ein Konzept für dieses Mini-Gewerbegebiet ausarbeiten, insbesondere, was Lebensmittelmärkte angeht. Das ist auch eine Konsequenz aus dem Einzelhandelsgutachten des letzten Jahres. Darin soll die Ansiedlung von großen Läden, insbesondere denjenigen, die eine zu starke Konkurrenz für die "schützenswerten" Innenstadt-Geschäfte sein könnten, stärker reglementiert werden.

Zweiter Knackpunkt ist der Verkehr: Schon jetzt ist der Säulenweg eigentlich zu eng, vor allem aber hat er nur über den Ruhweg eine einzige Anbindung an die B 3. Deswegen wird perspektivisch darüber nachgedacht, eine zweite Zufahrt über den Leimgrubweg zu schaffen – und der hätte, im Gegensatz zum Ruhweg, eine Ampel.

> Das plant Edeka: Der Supermarktriese will bereits seit knapp drei Jahren seine Verkaufsfläche im Säulenweg auf 1600 Quadratmeter erweitern . Dabei ist unklar, ob der bestehende Markt saniert oder abgerissen wird – wobei ein Neubau wahrscheinlicher wäre. Trotz mehrfacher RNZ-Anfragen, was "Edeka-Südwest" im Säulenweg konkret vor hat, wollte sich das Unternehmen dazu nicht äußern. Zumindest im November 2018 hatte Bürgermeister Hansjörg Höfer durchblicken lassen, dass für ihn ein Erhalt des Vollsortimenters an dieser Stelle prioritär sei, allerdings auch gesagt, dass der planungsrechtliche Weg noch lang sei. Zugleich hatte "Edeka" damals eine Bestandsgarantie für seinen zweiten innerstädtischen Markt in der Bismarckstraße abgegeben.

> Was aus dem Autohaus Dörr wird: Das ist unklar – außer dass die Bauvoranfrage sich auf den Säulenweg 5-7 bezieht, also das Autohaus samt dem großen Parkplatz. Die RNZ versuchte mehrfach erfolglos, Geschäftsführer Manfred Dörr zu erreichen. Aber offenbar steht zumindest das Firmengelände zur Disposition. Die Geschichte des Unternehmens begann, als Sieglinde und Hans Dörr noch Pächter der Aral-Tankstelle in Leutershausen waren. 1977 kauften sie das Grundstück im Säulenweg, um hier ein Autohaus zu bauen. 1999 wurde der Verkaufsraum modernisiert, neun Jahre später die Werkstatt durch einen Anbau erweitert. 2014 kam neben Renault und Dacia mit Ford eine dritte Automarke ins Programm. Heute wird der Familienbetrieb in zweiter Generation von Jürgen und Manfred Dörr geführt.

Im Herbst 2018 hatte Klaus Gärtner sein ebenfalls an der B 3 gelegenes Autohaus geschlossen. Hier soll der Neubau des Seniorenheims "Edelstein" entstehen

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Fast zeitgleich kündigte Edeka an, seine Filiale im Säulenweg zu erweitern. Doch erst einmal wird sich wegen der geltenden Veränderungssperre wenig tun. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung