17.08.2021

Warum Grundschülern der Unterricht vor Ort gut tut

Die Leiterin der Kurpfalz-Grundschule, Sabine Grimm, blickt zurück auf ein "anstrengendes Schuljahr" und voraus auf das kommende.

Von Maren Schenk

Schriesheim. Das zweite Corona-Schuljahr liegt hinter uns: Alle Schülerinnen und Schüler waren bis Mitte Dezember in der Schule, dann in vorgezogenen Weihnachtsferien. Anschließend Homeschooling, Wechselunterricht und seit Mitte März wieder Präsenzunterricht. Was dies nicht nur für die Schüler der Kurpfalz-Grundschule bedeutete, erklärt Schulleiterin Sabine Grimm im RNZ-Gespräch.

Wie verlief das zweite Corona-Schuljahr?
Es war wieder ein herausforderndes und anstrengendes Schuljahr. Der ständige Wechsel von Vorgaben aus dem Kultusministerium war zu viel – wir fühlten uns alle ständig getrieben. Aber inzwischen haben wir alle Konzepte in der Schublade und dieses Jahr auch schon nutzen müssen – fürs Fernlernen, für einen Wechselunterricht und für den Präsenzunterricht. Wir sind so auch für alle Eventualitäten im nächsten Jahr gut aufgestellt.

Das Schuljahr 2020/21 begann mit Präsenzunterricht…
Ja, bis zum 15. Dezember waren alle in der Schule, dann wurden die Weihnachtsferien vorgezogen. Und nach den Ferien begann wieder Homeschooling. Dafür hat sich unsere Plattform Padlet bewährt. Sie wird inzwischen von allen Lehrkräften und den Schülern genutzt. Padlet ist eine Art digitale Pinnwand, zum Austausch von Terminen und Materialien, mit der auch Rückmeldungen gegeben werden können.

Haben inzwischen alle Schülerinnen und Schüler Zugang zu einem digitalen Gerät zuhause?
Durch das Förderprogramm des Landes haben wir iPads und Laptops erhalten, die wir Kindern ohne Endgeräte zur Verfügung gestellt haben – mit einem entsprechenden Vertrag. Parallel haben wir auch wie im letzten Schuljahr Material auf Papier zur Verfügung gestellt, das sich die Kinder abholen konnten. Denn nicht jeder hat die Möglichkeit, das manchmal sehr umfangreiche Material auszudrucken.

Auch die Erstklässler haben also mit dem Computer gelernt?
Ja, die Lehrerinnen der drei ersten Klassen haben gutes Material für die Kinder zusammengestellt, außerdem morgens und mittags zum Schulschluss Videokonferenzen durchgeführt. Auch die Jüngsten kommen gut mit der Technik zurecht – sie wachsen ja damit auf! Trotzdem überfordern viele Informationen in kurzer Zeit die Kinder. Und das soziale Miteinander ist in dieser Phase auf der Strecke geblieben. Außerdem wurde die Motivation im Homeschooling immer schwieriger.

Wann gab es wieder Wechselunterricht?
Ab dem 22. Februar durfte die halbe Klasse wieder in die Schule kommen, für die andere Hälfte gab es Fernunterricht. Diese Phase war sehr gut für die Kinder – und die Lehrer. Denn wir setzten nur eine Lehrkraft pro Tag ein: Diese unterrichtete dann außer ihrem Fach auch die anderen Fächer, die an diesem Tag auf dem Stundenplan standen. So gelang ein anderer Blick auf die Schüler. Da nur halb so viele Kinder in der Klasse waren, konnten individuelle Lernschwierigkeiten gut erkannt und die Schüler einzeln gefördert werden.

Mitte März durften dann alle Schüler wieder gleichzeitig in die Schule…
Grundschülern tut Unterricht vor Ort gut – das ist ein anderes Miteinander und Aufeinander-Zugehen. Der Präsenzunterricht hat große Bedeutung für das soziale Miteinander! Und die Motivation war wieder besser.

Gab es dann auch wieder AGs?
Ja, allerdings konnten die Schülerinnen und Schüler sie nicht wählen, sondern alle Kinder einer Klassenstufe mussten wegen der Corona-Vorgaben zusammen am gleichen Projekt teilnehmen. Im nächsten Schuljahr lassen wir die Kohorten noch ein halbes Jahr zusammen, wechseln die AGs aber immer nach den Ferien.

Wie wurden die Viertklässler verabschiedet?
Leider gab es ja zum zweiten Mal kein Zirkusprojekt für die Viertklässler. Aber der Mann einer unserer Lehrerinnen, der Sport-Akrobat Craig von Deventer alias "Mr. van Dee", hat mit den Schülern der drei vierten Klassen ein kleines Zirkusprogramm eingeübt. Und so konnten die Schüler bei den drei Feiern, die auf dem Schulhof stattfanden, ihr Zirkusprogramm aufführen – vor Eltern und Geschwistern. Außerdem veranstalteten wir wieder eine Luftballon-Aktion: Das wünschten sich die Kinder – und hängten ihre Wünsche an die Ballons.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Eltern?
Nach Rücksprache mit der Elternbeiratsvorsitzenden Frauke Knapp waren die Eltern insgesamt zufrieden und fühlten sich mitgenommen.

Und die Zusammenarbeit mit der Stadt?
Die Zusammenarbeit mit dem Hauptamt und seinem Leiter Dominik Morast klappt sehr gut. Die EDV-Abteilung, die inzwischen zum Hauptamt gehört, half uns bei Problemen.

Welche Fortschritte macht die Sanierung der Grundschule?
Während der Schulschließung im Januar/Februar wurden die Wände in den Gängen gestrichen – das sieht jetzt sehr schön aus. Außerdem wurde begonnen, Netzkabel und neue Stromkabel in den Klassenräumen zu verlegen. Diese Maßnahmen stagnierten während des laufenden Schulbetriebs, sollen aber nun in den Ferien wieder Fahrt aufnehmen: Geplant ist, dass vier weitere Klassenzimmer mit Akustikdecken ausgestattet werden sollen. Auch der Sicherungsschrank für die Kabelstränge soll in den nächsten Wochen aufgestellt werden. Zudem wird in der schulfreien Zeit im Lehrerzimmer die in die Jahre gekommene Küchenzeile ausgetauscht werden.

Haben Sie Lerndefizite bei den Schülern erfasst?
Wir haben mithilfe eines Online-Programms vom Westermann-Verlag individuelle und standardisierte Tests bei den Schülern ab der zweiten Klasse durchgeführt, in Mathematik und Deutsch. Danach haben alle Kinder eine individuell zusammengestellte Mappe mit Aufgaben zum Üben und Vertiefen für die Ferien erhalten – natürlich freiwillig, vielleicht für Regentage. Auch die Erstklässler haben eine Ferienmappe mit spielerischen Aufgaben erhalten.

Nutzen Sie noch andere Fördermöglichkeiten in den Sommerferien, wie die vom Land angebotenen Lernbrücken?
Wir haben uns in Absprache mit den anderen Grundschulleitern an der Bergstraße entschlossen, diese zwei Wochen Förderung am Ende der Sommerferien nicht anzubieten. Dieses Programm würde von – schulfremden – Referendaren oder Lehramtsstudierenden durchgeführt. Das erschien uns pädagogisch nicht so sinnvoll wie die von uns zusammengestellten Mappen. Ein weiteres Programm beziehungsweise Maßnahmenpaket, "Lernen mit Rückenwind", startet erst nach den Ferien.

Wie geht es nach den Ferien weiter?
Ein optimistisches Schreiben vom Kultusministerium geht von Präsenzunterricht nach den Sommerferien aus. Um Infektionen durch Reiserückkehrer möglichst zu verhindern, wird es in den ersten beiden Schulwochen wieder eine Maskenpflicht auch im Klassenzimmer geben – derzeit nur auf Begegnungsflächen wie im Flur –, und auch die Testungen zweimal die Woche werden beibehalten.

Wird es eine Einschulungsfeier für die neuen Erstklässler geben?
Wir planen zwei Feiern auf dem Schulhof für die beiden neuen ersten Klassen am Samstag, 18. September. Auch einen Gottesdienst wird es vor jeder Einschulungsfeier geben. Die Schüler, die dann in der zweiten Klasse sind, haben ein kleines Rahmenprogramm einstudiert.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung