19.08.2021

Die Kurpfalz-Realschule hofft "auf Normalität"

Schulleiterin Petra Carse äußert sich im RNZ-Interview zu den Erwartungen für das neue Schuljahr.

Von Maren Schenk

Schriesheim. Die Corona-Pandemie hatte auch in diesem Schuljahr massive Auswirkungen auf den Unterricht und das Schulleben. Nach Präsenzunterricht bis zu den Weihnachtsferien, Homeschooling und Wechselunterricht waren seit Anfang Juni wieder alle Kinder und Jugendlichen in der Schule. Was das für den Schulalltag bedeutete, erklärt Petra Carse, Leiterin der Kurpfalz-Realschule, im RNZ-Gespräch.

Wie verlief das zweite Corona-Schuljahr 2020/21?
Wir waren emotional erschöpfter als letztes Schuljahr – wir hatten zunehmend mehr zu leisten. So ist die Verwaltungsarbeit durch die Corona-Pandemie quasi explodiert. Außerdem tragen wir große Verantwortung – denn wir wollen, dass den Kindern und Jugendlichen so wenig wie möglich durch die Corona-Pandemie genommen wird. Am Ende des Schuljahres waren die Klassen zum Glück wieder voll – das war schön!

Welche Verwaltungsarbeiten kamen dazu?
Zum Beispiel das Testen: Alle Schüler wurden zweimal in der Woche getestet, Montag und Mittwoch. Allein zwei Lehrkräfte waren zweimal wöchentlich mit dem Zusammenstellen des Testzubehörs für jede Klasse beschäftigt. Das Testen dauerte manchmal eine Schulstunde, außerdem mussten Listen über die Testergebnisse geführt werden – und Testdokumentationen für Schüler, die ein negatives Ergebnis zum Beispiel für den privaten Sport am Nachmittag benötigten. Herausfordernd war auch der Informationsfluss vom Kultusministerium: Oftmals kamen die Vorgaben, die ab Montag gelten sollten, am Freitagnachmittag.

Wissen Sie, was die Abschlussschüler nun machen?
Die 43 Realschüler wurden am 23. Juli in zwei Gruppen auf dem Schulhof verabschiedet. Die meisten werden weiter die Schule besuchen, ein berufliches Gymnasium oder ein Berufskolleg, leider nur die wenigsten möchten eine Ausbildung beginnen. Die beiden Hauptschüler wurden ebenfalls am 23. Juli auf dem Schulhof verabschiedet, in ihrem Klassenverband. Beide machen weiter mit der Schule und können so nach zwei Jahren den mittleren Bildungsabschluss erreichen.

Was tut sich in Sachen Sanierung der Realschule?
Die Stadt hat viel in Digitalisierung investiert: Kabel verlegt, Beamer installiert und so weiter – einige Klassenzimmer sind schon fertig. Im Rahmen der Sanierung des Gymnasiums soll die Netzinfrastruktur ausgebaut werden. Außerdem wurden bis Pfingsten alle Lehrkräfte mit Endgeräten ausgestattet. Schüler, die ein Endgerät benötigten, erhielten "wieder fit gemachte" Laptops durch die Initiative von Norbert Kotzan und Peter Mandos. Der Online-Vertretungsplan befindet sich in der Testphase – wir hoffen, dass er im nächsten Schuljahr eingesetzt werden kann. Und unsere digitalen Klassenbücher werden derzeit noch parallel mit denen aus Papier genutzt, langfristig sollen sie nur noch digital genutzt werden.

Wie hat Unterricht im Homeschooling nach den Weihnachtsferien geklappt?
Im Großen und Ganzen ist das Homeschooling nach Elternrückmeldungen gut gelaufen, besser als letztes Jahr. Wir haben den normalen Stundenplan beibehalten. In den Hauptfächern führten die Lehrer mindestens 90 Minuten Videokonferenz pro Woche durch, in den Nebenfächern mindestens 30 Minuten. Diese Phase war sehr zeitaufwendig und anstrengend für die Lehrkräfte, da zum Teil sehr viele E-Mail-Nachfragen von den Schülern kamen.

Am 19. April öffneten die Schulen wieder mit Wechselunterricht – wie verlief der?
Die Klassenlehrer teilten die Klassen in zwei Gruppen, die wochenweise wechselten, Homeschooling und Präsenzunterricht. Ein halbwöchentlicher Wechsel klappte leider nicht, da wir dann häufiger hätten testen müssen – dafür reichte das Testmaterial nicht.

Nach den Pfingstferien erhielten dann alle Schüler wieder Präsenzunterricht – in allen Fächern?
Ja – auch Sportunterricht. Der fand allerdings meist draußen statt, oder es waren weniger Klassen in der Halle. Da aber alle Schulen meist Sportunterricht auf dem Sportplatz hatten, wurde es oft voll – vor allem, wenn morgens noch Seniorengruppen dort aktiv waren. Wir wollten durch den Sportunterricht vor allem Freude an der Bewegung erreichen und nicht nur die Leistung erfassen, daher haben wir viele Sportspiele gemacht.

Welche Veranstaltungen fanden wegen der Corona-Pandemie nicht statt?
Es gab keine AGs – nur die Schüler der Weinbau-AG trafen sich einmal zu Beginn und einmal am Ende des Schuljahres. Es fanden auch keine Klassenfahrten statt, keine Praktika – und BORS, "Berufsorientierung an der Realschule", konnte nur online stattfinden. Normalerweise nehmen daran die Neuntklässler teil, wir planen aber ,BORS für die künftigen Zehntklässler zu Beginn des Schuljahres nachzuholen.

Am Ende des Schuljahres gibt es normalerweise einige Veranstaltungen – welche konnten stattfinden?
Am 23. Juli veranstaltete die SMV einen Spiel- und Sporttag, der ein Geschenk für alle Schüler war: Auf dem Sportplatz gab es sechs Sportstationen, eine Schnitzeljagd führte durch Schriesheim und die Weinberge, und es gab eine Station "Klassengemeinschaft stärken mit Schulsozialarbeit" mit kleinen Herausforderungen. Die Atmosphäre war toll! In der letzten Schulwoche machten die Klassen Ausflüge, zum Beispiel ins Maislabyrinth oder zur Schauenburg.

Für wen ist der Förderunterricht, den der Inner Wheel Club unterstützt?
Seit den Pfingstferien werden einige Schüler der Klassen fünf und sechs in den Hauptfächern Mathe, Deutsch und Englisch gefördert. Der Fachlehrer bestimmte die Schüler, die dann in Absprache mit den Eltern jeweils eine Schulstunde Förderunterricht erhielten. Ein Schüler meldete sich sogar freiwillig, er erhielt "Forderunterricht". Wir sind sehr froh über die Förderung durch den Inner Wheel Club.

Gibt es in den Ferien auch Förderunterricht?
Das Programm "Lernbrücken", das vom Land in den letzten beiden Sommerferienwochen unterstützt wird, wurde von vier Schülern gewünscht. Wir konnten sie an Schulen in der Nachbarschaft unterbringen – für wenige Schüler gelang es nicht, Referendare oder Lehramtsstudierende zu organisieren.

Auf was hoffen Sie nach den Ferien?
Ich hoffe auf Normalität! Hoffentlich wird wieder Präsenzunterricht möglich sein – aber nicht nur, um Lerninhalte zu vermitteln, sondern auch um wieder mehr soziales Miteinander zu haben: Lachen, Streiten und wieder Vertragen, Leben. AGs können hoffentlich auch wieder stattfinden, vielleicht auch wieder jahrgangsübergreifend. Und ich hoffe, dass wieder Ausflüge möglich sind und Feiern – im Sommer 2022 würden wir gerne ein Fest zum Jubiläum 50 Jahre Realschule feiern.

Wie sind die Planungen des Kultusministeriums für den Unterricht im neuen Schuljahr?
Es soll, wenn möglich, Präsenzunterricht geben. In den ersten beiden Wochen wird es wieder eine Maskenpflicht im Unterricht geben, und weiterhin zweimal wöchentliches Testen wie bisher. Wie es danach weitergeht, weiß noch keiner. Im ersten Halbjahr des nächsten Schuljahrs können voraussichtlich auch Klassenfahrten stattfinden, so das Kultusministerium. Aber da Stornokosten nicht übernommen werden, planen wir eventuell nur eine Abschlussfahrt für die Zehntklässler.

Wie viele neue Schüler kommen nach den Ferien in die Realschule?
65 neue Fünftklässler beginnen nach den Ferien und werden auf drei Klassen verteilt. Somit sind wir wieder in allen Klassenstufen dreizügig. Außerdem kommen ungefähr 15 bis 20 Schülerinnen und Schüler aus anderen Schulen. Die "Einschulungsfeier" für die Fünftklässler soll wie letztes Jahr in der Schulsporthalle stattfinden – alle zusammen mit Abstand und mit Anmeldung – oder zu den dann geltenden Corona-Bedingungen.

Was lief besser als im letzten Schuljahr?
Die Kommunikation war besser, untereinander und mit den Eltern. Der Online-Unterricht lief besser. Auch Elternabende fanden online statt – es gab gewinnbringende "digitale" Gespräche. Besonders gefreut habe ich mich am letzten Schultag über eine halbe Klasse Zehntklässler vom letzten Schuljahr, die einfach nur Hallo sagen und ihre "alte" Schule besuchen wollte. Das sind besonders schöne Momente für mich – wenn ehemalige Schüler gerne in die Realschule zurückkommen! Das spricht für die Schule.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung