23.08.2021

Der Talhof leistet gute Arbeit, hat aber auch Sorgen

Der Talhof leistet gute Arbeit, hat aber auch Sorgen

Termin vor Ort: Heidi Farrenkopf und Günther Förster führten Alexander Föhr (v.l.) durch den Talhof. Foto: Dorn
CDU-Kandidat Alexander Föhr schaute sich in der Wiedereingliederungseinrichtung für Wohnsitzlose um.

Schriesheim. (nare) "Eine Kandidatur bedeutet zwar immer auch Stress, aber was ich alles kennenlernen darf, ist etwas ganz Besonderes und bietet ein riesiges Spektrum", resümierte CDU-Bundestagskandidat Alexander Föhr, als er einen Einblick in eine ganz besondere Kulisse erhielt. Denn Einrichtungsleiter Günther Förster und die Geschäftsführerin der evangelischen Stadtmission Heidelberg, Heidi Farrenkopf, führten Föhr über den Talhof und brachten ihm ihre Arbeit mit den Wohnsitzlosen näher. Föhr, der sichtlich interessiert an der Arbeit der Institution war, war nicht nur neugierig auf das, was in der hauseigenen Schreinerei, Schlosserei oder Wäscherei getan wird, sondern stellte Förster und Farrenkopf auch die Frage, was ihnen aus politischer Sicht das Leben besonders schwer mache.

Dabei sprach der Einrichtungsleiter in erster Linie die begrenzte Zahl an Plätzen an, wenn es um die Wiedereingliederung der Bewohner in ein Leben außerhalb des Talhofs gehe. So würde es immer weniger Sozialwohnungen geben, die den Start in ein Leben außerhalb der Einrichtung ermöglichen. Farrenkopf sprach zudem die berufliche Perspektive der Wiedereingliederung an. Subventionierte oder begleitete Arbeitsplätze seien wichtig, denn die ermöglichen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Es gäbe vielfältige Aufgaben, die von den Wohnsitzlosen übernommen werden könnten. Denn Farrenkopf weiß, dass es viele Menschen gibt, die gerne arbeiten wollen, doch an einem normalen Arbeitsplatz aufgrund der gegebenen Umstände nicht die Möglichkeit haben und daher trotz Arbeitswillen auf Hartz IV angewiesen sind. Zudem sei alleine schon der Übergang zu einem Leben in der Einrichtung in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, da nun die Kommunen zuständig seien. "Es ist schwierig, einen Kostenträger zu finden, wenn man nicht weiß, wo eine Person zuletzt gemeldet war", so Farrenkopf. Und der vorherige Meldeort sei bei vielen Wohnsitzlosen ungewiss.

Föhr, der dem gesamten Team des Talhofs ein Lob aussprach, bewunderte auch die Fähigkeit der Mitarbeiter, sich immer wieder auf die individuellen Fälle und unterschiedlichen Probleme der Bewohner einstellen zu können. Zuvor hatte Förster berichtet, dass besonders eine Zunahme psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahren zu beobachten gewesen sei. Zudem hätten rund 90 Prozent der Bewohner eine Vorgeschichte mit Suchterkrankungen. Da sei häufig viel Kreativität von den Sozialarbeitern gefragt, räumte Förster ein. "Wir haben ein sehr stabiles Team und eigentlich keine Fluktuation. Das ist eine Garantie für hochqualitative Arbeit", lobte der Einrichtungsleiter. Zudem habe man zahlreiche Kooperationspartner, auf die man sich verlassen könne.

Beim anschließenden Rundgang über das gesamte Areal zeigte sich Föhr beeindruckt von der Größe der Anlage, die unter anderem eine eigene Gärtnerei, Schreinerei, Schlosserei und Wäscherei bietet, in denen die Bewohner des Talhofs arbeiten können. Früher habe man den Bewohnern hier sogar Ausbildungen ermöglichen können, erzählte Förster.

Die Lohnkosten seien damals vom Landeswohlfahrtsverband getragen worden, doch nach dessen Auflösung seien keine Ausbildungen auf dem Hof mehr möglich gewesen. "Man schafft ja eigentlich einen Wert mit diesen Ausbildungen", bedauerte der Einrichtungsleiter.

Zudem lernte Föhr auch die Tiere der Anlage kennen, um die sich ebenfalls die Bewohner kümmern. Mit viel Input und allerhand neuen Eindrücken endete Föhrs Tour schließlich mit einem Mittagessen auf dem Talhof. "Die Atmosphäre hier ist total angenehm", lautete Föhrs positives Fazit. "Hier kann man sich wirklich heimisch fühlen", lobte der Bundestagskandidat.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung