23.08.2021

Winzer helfen den Hochwasseropfern

Die Winzergenossenschaft übergibt symbolischen Spendenscheck: 5300 Euro aus der Benefizweinprobe für die Hochwasseropfer im Ahrtal.

Von Max Rieser

Schriesheim. Der Anlass für den ersten öffentlichen Auftritt des neuen Geschäftsführers der Schriesheimer Winzergenossenschaft, Manuel Bretschi, war zwar traurig, ein Erfolg war er aber trotzdem. 5300 Euro kamen bei der Benefizweinprobe der Genossenschaft am vorletzten Samstag zusammen. 144 Gäste hatten sich eingefunden, um Bretschis Exkursion durch die Schriesheimer Weinspezialitäten zu folgen. "Trinken für den guten Zweck also", sagt er. Eigentlich waren es "nur" 5100 Euro. Als ein Spender im Nachhinein von der Aktion erfahren hatte, spendete er kurzerhand noch 200 Euro dazu.

Zusammen mit Verkaufsleiter Mustafa Taslaman überreichte der Geschäftsführer am Freitag den symbolischen Scheck. Das Geld geht nicht an die Betroffenen direkt, sondern auf das Spendenkonto des Landes Rheinland-Pfalz. So könnten die Gelder gezielter verteilt werden und kämen sicher dort an, wo sie am nötigsten gebraucht würden, berichtet Bretschi. Beide waren sichtlich ergriffen von der großen Resonanz für die Veranstaltung: "Wir haben das alles eigentlich in einem Tag auf die Beine gestellt. Dass es so gut ankam, ist ganz toll", findet Taslaman.

Es hätte allen ehrenamtlichen Helfern viel Freude gemacht, und man hätte gespürt, wie sehr allen die Hilfe am Herzen lag. Auch die Partner, die Bäckereien Heiß und Höfer, die Veranstaltungstechnikfirma "Henhouse Music" und der Mineralwasserhersteller Peterstaler, wären nach einem Anruf sofort zur Unterstützung bereit gewesen. Die amtierenden und einige ehemalige Weinhoheiten packten ebenfalls mit an. So konnte es trotz des traurigen Anlasses ein schönes Fest werden, bei dem sich alle sehr wohlfühlten: "Es ist ja auch immer noch so, dass die Leute sich einfach freuen, wenn überhaupt etwas stattfindet", sagt der Verkaufsleiter.

Taslaman glaubt, dass der Termin sogar noch mehr Interessierte angelockt hätte, wenn er außerhalb der Urlaubszeit angesetzt worden wäre. So lange wollte man aber nicht warten, da man so schnell wie möglich helfen wollte: "Als Weinstadt haben wir gezeigt, wie groß die Solidarität zwischen den Winzern ist", meint Bretschi. Auch aus Schriesheim hätten viele mit Geld- und Sachspenden, aber auch mit Arbeitseinsätzen vor Ort geholfen. Intern hatte man sich dazu entschlossen, dass eine Geldspende am sinnvollsten sei, da die Winzer so den Verkauf von gespendetem Wein nicht selbst organisieren müssten.

Auch den Besuchern wollte man das Ausmaß der Zerstörung, die der Starkregen mit sich gebracht hat, erfahrbar machen. Das aufgezeichnete Telefonat mit einem befreundeten Winzer aus dem Ahrtal, das während der Weinprobe abgespielt wurde, hätte den Gästen die katastrophale Lage, in der sich die Winzer der betroffenen Region befinden, verdeutlicht. Taslaman und Bretschi stehen auch weiterhin in Verbindung mit den Geschädigten. Die Lese des neuen Jahrgangs steht jetzt unmittelbar bevor. Die gilt es jetzt so gut wie möglich zu bewältigen, denn einigen ist nichts geblieben: Verkaufsräume, Weinkeller mit allen Weinen und Maschinen sind restlos zerstört. Ein Abverkauf von gelagerten Weinen ist daher nicht möglich. Das Ahrtal hätte aber noch ein größeres Problem, sagt Bretschi. Die Region würde einen Großteil ihrer Verkäufe über den Tourismus generieren. Durch die zerstörte Infrastruktur würde dieser aber vorerst ausbleiben, was für viele bedeutet: keine oder nur sehr eingeschränkte Absatzmöglichkeiten. Auch das Exklusivsegment mit alten Weinen, das im Ahrtal enorm wichtig ist, fällt durch die zerstörten Kellereien weg.

Es gelte jetzt, die rund zehn Prozent der kaputten Rebfläche wieder neu zu bepflanzen, damit die Weinstöcke schnellstmöglich wieder anwachsen, um den zukünftigen Ertrag zu sichern.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung