26.08.2021

So viel Weinprominenz war noch nie

Die Deutschen und Badischen Weinhoheiten auf Stippvisite in Schriesheim. Begeisternder Panaromablick vom Schlossberg aus inklusive.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Das gab es so noch nicht: Die Deutschen und Badischen Weinhoheiten kamen am gestrigen Mittwoch zusammen an die Bergstraße, gerade sind sie auf einer Blitztournee durch alle 13 deutschen Weinanbaugebiete. Königin Eva Lanzerath von der Ahr wurde begleitet von ihrer Prinzessin Eva Müller (Wöllstein, Rheinhessen) und dem badischen Trio: Königin Katrin Lang (Efringen, Markgräflerland) und Prinzessinnen Michaela Wille (Tauberbischofsheim-Dittwar) sowie Victoria Lorenz (Sasbachwalden, Ortenau). Aber wo war die zweite Deutsche Weinprinzessin? Anna-Maria Löffler aus dem pfälzischen Haßloch, die es nicht weit in die Kurpfalz gehabt hätte, ist berufsbedingt aus dem Amt ausgeschieden, wie die RNZ auf Anfrage beim Deutschen Weininstitut erfuhr.

Das war neun Jahre lang, bis zum 1. Juli, auch der Arbeitgeber von Manuel Bretschi, dem neuen Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG). Und der weiß über die Deutschen Weinhoheiten: "Da ist selten mal eine dabei, die nicht sympathisch ist. Und sie müssen auch rhetorisch fit sein, sogar Weinproben auf Englisch moderieren können – und 250 Termine im Jahr absolvieren, wenn nicht gerade Corona ist."

Bretschi führte dann das Quintett zusammen mit Bürgermeister Hansjörg Höfer und der Schriesheimer Weinkönigin Sofia Hartmann dorthin, wo Schriesheim am schönsten ist: zum Schlossberg mit seiner Hütte der WG. Von so viel Prominenz war Hartmann ganz angetan: "Das ist schon etwas Besonderes, dass so viele Weinhoheiten hier sind. Sonst schauen wir uns die Wahl der Deutschen und der Badischen Weinkönigin immer im Fernsehen an." Die Kunde vom hohen Besuch hatte sich bei einigen Schriesheimern dank der RNZ schon herumgesprochen, und so musste im Burgweg Lanzerath ihr erstes Autogramm geben.

Bei grandiosem Panoramablick über die Rheinebene – den kennt am ehesten Victoria Lorenz von den Hängen des Schwarzwalds her – gab es ein Gläschen Schlossberg-Riesling, der genau hier an der Hütte wächst. So traditionell diese Lage klingt, so jung ist sie: Riesling gibt es schon seit den Zeiten des Grafen von Oberndorff unterhalb der Strahlenburg, aber die Stöcke stehen hier erst seit der Rebflurbereinigung 2007, der erste Wein kam erst 2015 in die Flasche, wie WG-Verkaufsleiter Mustafa Taslaman berichtete. "Auf dem Granitboden muss die Rebe tief wurzeln, das zeichnet unsere Weine aus, sie sind nicht ganz so fett", erklärte Bretschi – und brachte es auf den Punkt: "Das ist schon ein geiles Gebiet hier." Lanzerath nippte bloß ein bisschen, was weniger daran lag, dass sie eher ein Burgunderfan ist – was wiederum ihre Prinzessin Müller launig mit "Lieber Spätburgunder als Frühschicht" kommentierte. Die Weinhoheiten mussten schließlich an diesem Tag noch Auto fahren: erst nach Heidelberg, dann nach Weinsberg zum Württembergischen Weinbauverband.

Und Höfer berichtete davon, dass sich momentan zwei Jungwinzerinnen, Ann-Kathrin Haas und Annalena Spieß, um ein paar Rebzeilen an der Burg kümmern (RNZ vom 9. August): "Das ist die Zukunft, junges Flair ins Weinleben reinzubringen." Die terrassierten Weinberge Schriesheims stammten von der Strahlenburg, die dadurch zur Ruine wurde: "So wurde die Burg recycelt", scherzte der Bürgermeister. Dann bestiegen die Weinhoheiten die Ladefläche eines Wingert-Traktors und wurden flugs zur Burg chauffiert.

Dafür revanchierte sich das Hoheiten-Quintett mit freundlichen Worten über die Bergstraße: "Das ist total idyllisch hier", meinte Lanzerath – und wäre ganz gern noch länger hier sitzen geblieben. Sie schrieb dann ins Goldene Buch der Stadt: "Vielen Dank für den schönen Empfang hier im wunderschönen Schriesheim." Dass alle Weinhoheiten, sei es die deutschen, sei es die badischen, bisher mit der Bergstraße wenig anfangen konnten, liegt daran, dass es diese Bezeichnung seit 50 Jahren nicht mehr gibt, das Mini-Weinbaugebiet ist in Baden aufgegangen, und Taslaman seufzt: "Oft wissen viele, gerade aus Heidelberg, nicht, was wir alles zu bieten haben."

Dass Lanzerath gerade auf Deutschland-Tournee ist, mag verwundern, denn eigentlich wäre sie "lieber zu Hause und würde mitanpacken", denn sie stammt aus dem geschundenen Ahrtal, aus Walporzheim. Aber erstens will sie ihre Amtszeit bis Ende September ausfüllen und sich zweitens für die Hilfsbereitschaft, gerade aus den anderen Weinbaugebieten, bedanken. Und welche Gegend hat ihr, Hand aufs Herz, am besten gefallen? "Jedes Weinanbaugebiet ist etwas Besonderes", sagt Lanzerath. Ganz royale Diplomatin.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung