05.09.2021

Zwei Schriesheimer Jungs und ihr Wein aus dem Kraichgau

Die Jungwinzer Julian und Daniel Döbler bauen in Michelfeld Wein an, gekeltert wird in den Räumen eines hiesigen Weinguts

Schriesheim. (max) Seit zwei Jahren gibt es in der Winzerszene der Weinstadt zwei neue Gesichter. Julian und Daniel Döbler gründeten 2019 das Weingut "Döbler" mit Geschäftssitz in der Mozartstraße 66. Ihr Anbaugebiet liegt allerdings nicht in Schriesheim, sondern im 40 Kilometer entfernten Michelfeld, im Kraichgauer Angelbachtal.

Bereits als Junge half der 22-jährige Julian Döbler seinem Onkel im Weinberg, der als Genossenschaftswinzer in Brackenheim tätig ist und dort einen Hof betreibt. Döblers Eltern ließen sich vor 25 Jahren in Schriesheim nieder, wo die Familie noch immer lebt. Während seiner Ausbildung, die Julian Döbler in den Betrieben "Peter Lauer" in Ayl an der Saar und "Aldinger" in Fellbach bei Stuttgart absolvierte, lernte er Spitzenweingüter kennen.

"Wir haben in der Ausbildung beide erfahren, was man alles aus Trauben machen kann und was für Qualitäten möglich sind", berichtet Döbler begeistert. Der "Verband Deutscher Prädikatsweingüter", kurz VDP, in dem die beiden Betriebe aus Julian Döblers Ausbildungszeit organisiert sind, setzt auf höchste Qualität im Anbau der Trauben und auf genaueste Sorgfalt beim Keltern des Weines. Der Verband vergibt ein eigenes Qualitätssiegel an knapp 200 Weingüter in Deutschland. Nach der Ausbildung wollten sie gemeinsam versuchen, ihren individuellen Stil zu entwickeln, was laut dem Jungwinzer auf dem Genossenschaftsweingut des Onkels nicht so recht möglich war: "Unser Kritikpunkt ist da, dass durch die große Vielfalt an Trauben bei der Genossenschaft alles sehr weit gefasst ist." Ihr Ziel war es, die einzelnen Lagen herauszuarbeiten und ihren eigenen Charakter zu unterstreichen.

Wo wäre das besser möglich als im eigenen Weinberg? Also pachteten sie von ihrem Onkel und einem anderen Winzer eine 0,2 Hektar große Fläche in der Einzellage Michelfelder Himmelberg. Der Boden zeichnet sich durch einen hohen Löß-Lehm-Anteil aus, was für eine hohe Mineralität der Weine spricht. Kultiviert werden bisher Lemberger Rosé und Weißer Burgunder. Bei der Bewirtschaftung verzichten sie auf Spritzmittel, setzen nur geringfügig Dünger ein: "Es soll so naturnah wie möglich sein." Durch die Begrünung der Rebfläche wollen sie Lebensraum für Bienen und andere Insekten bieten. Über die Begrünung wird zudem die Nährgutversorgung des Bodens optimal gesteuert: "Wir sehen den Weinberg als Ökosystem, in das wir nur eingreifen, wenn wir müssen." Gekeltert wird in den Räumen eines Schriesheimer Weinguts, in dem die beiden einen abgegrenzten Bereich angemietet haben. Wo genau, das wollen sie nicht verraten. Beim Ausbau der Weine achten sie auf einen "frischen, geradlinigen Wein mit viel Struktur".

Die Weine seien zwar säurebetont, sie wollten aber immer eine gute Balance zwischen "Trinkfluss und Komplexität" wahren: "Es muss so viel Säure sein, dass es dem Wein eine Länge und Frische gibt, aber auch die Oma ihn noch trinken kann." Der Ertrag des kleinen Weinbergs ist überschaubar. 1300 Flaschen gehen dieses Jahr in den Verkauf. Es ist der dritte Jahrgang, den die Winzer auf die Flasche bringen. Die geringe Größe des Weinbergs bringt auch etwas weniger Arbeit mit sich, was noch wichtig ist, denn Julian Döbler absolviert noch bis 2023 den Bachelor in Weinbau und Önologie an der Hochschule Geisenheim: "Es ist zeitlich noch nicht möglich, mehr zu machen. Wir wollen das aber ändern, auch weil die Nachfrage so groß ist."

Der 25-jährige Daniel Döbler schloss vor Kurzem seinen Weinbau-Techniker ab. Die relativ kleine Menge, die abgefüllt wird, hat aber noch mehr Vorteile: Die Weine sind binnen kürzester Zeit ausverkauft. Auch jetzt können schon Vorbestellungen für den neuen Jahrgang aufgegeben werden.

Ob er den eigenen Weinberg für immer bewirtschaften will, weiß Julian Döbler noch nicht. Für die Zeit nach dem Studium ist aber eine Erweiterung geplant.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung