09.09.2021

GV Liederkranz startet mit gemischtem Chor die "Operation Überleben"

GV Liederkranz startet mit gemischtem Chor die "Operation Überleben"

Neue Sänger sucht der Liederkranz mit (v.l.): Erstem Vorsitzenden Klaus Urban, Charlotte Günther, Sigrid Autenrieth, Chorleiter Thorsten Gedak, Sabine Portz und Karl Lana. Foto: Dorn
Die Lage ist ernst: Der neue Chor soll den Trend der rückläufigen Sängerzahlen brechen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Mit einem neuen gemischten Chor will der GV Liederkranz das Ruder herumreißen: Das hatte der Erste Vorsitzende Klaus Urban bereits bei der Mitgliederversammlung vor gut sieben Wochen angekündigt, und am Dienstag, 14. September, ist es dann endlich so weit: Das neue Ensemble trifft sich zur ersten Probe um 18 Uhr in der "Duwagscheier" im Aussiedlerhof Spieß. "Wir betreten Neuland", sagte Urban bei einem Pressegespräch, "wir wollen den Liederkranz für die Zukunft fitmachen".

Denn die Lage ist ernst: Die Mitgliederzahl hat sich bei den aktiven (rund 60) und den passiven (rund 190) Mitgliedern in den letzten zehn Jahren halbiert. Auch die traditionelle Stütze des GV, der Männerchor, zählt nur noch 34 Aktive. Der Anfang 1985 gegründete Frauenchor ist nicht mehr singfähig, allerdings wollten die Frauen durchaus gern weitersingen – und da lag die Gründung eines gemischten Chors nicht fern (die allerdings noch 1984 ausdrücklich abgelehnt worden war). Auch wenn es bei der letzten Mitgliederversammlung gegen diesen Schritt keine Widerstände gab, führte die Frage, welchen Namen dieses neue Ensemble tragen sollte, zu längeren Debatten. Charlotte Günther, die im Juli noch – wenn auch erfolglos – für einen neuen Namen gekämpft hat, blickt jetzt nach vorn.

Leiter Thorsten Gedak hat sich deswegen auch für den neuen Chor ein neues Repertoire zurechtgelegt, das reicht von Deutsch-Pop über Swing und Filmmusik bis hin zu Evergreens: "Traditionelles Volkslied werden wir nicht singen, wir wollen uns von den anderen Chören unterscheiden." Am Anfang sollen es so eingängige wie relativ einfache Swingstücke sein, der er einstudieren will: "Die klassische Chormusik ist schwerer, wir wollen es bei einer Neugründung für die Sänger nicht allzu schwer machen."

Und natürlich dürfen die Sänger sich dann auch bewegen – was bei den traditionellen Chören eher ein Tabu ist. Nach und nach will Gedak das Niveau steigern, gerade die Filmmusik hat es ihm angetan: "Da gibt es wunderschöne Melodien." Und als Lehrer an einer Hemsbacher Realschule weiß der Leutershausener ganz gut, was ankommt: deutscher Pop von Max Giesinger ("Helden") über Tim Bendzko ("Hoch") bis hin zu Unheilig ("Geboren, um zu leben").

Doch erst mal ist das Zukunftsmusik: Alles steht und fällt damit, ob es dem Liederkranz gelingt, neue Mitglieder (oder zunächst einmal Mitsänger) zu finden. Spezielle Vorkenntnisse brauche man nicht, wie Gedak betont: Hier geht es vor allem um "Spaß an der Freude" beim Singen – und nicht um technische Perfektion. Von musikalischem Drill hält auch Urban nichts. Denn als er 1971 mit 16 Jahren zum Liederkranz kam, war sein Vorsingen beim langjährigen Chorleiter Friedrich Treiber nicht besonders glorios, und so wurde er in die "Volksstimme" Erster Bass gesteckt. Als ihn Treiber mal später fragte, wieso er überhaupt singe, antwortete Urban: "Weil es mir Spaß macht" – und hatte seitdem gute Karten beim strengen Professor Treiber.

Um den neuen Stimmen – gleich welchen Geschlechts – den Einstieg so einfach wie möglich zu machen, darf man erst einmal "Schnuppersingen", man muss also nicht gleich Mitglied werden. Ein festes zahlenmäßiges Ziel hat Gedak ("Die Größe spielt erst mal keine Rolle, sondern die stimmliche Ausgewogenheit") nicht, aber "gut wären schon 40 Leute, 50 wären sehr gut". Nach Aufrufen im Mitteilungsblatt hätten sich immerhin drei Personen gemeldet. Allerdings gibt es jetzt schon einen Grundstock für den gemischten Chor: Zu den 20 Frauenchor-Sängerinnen kommen 17 Aktive aus dem Männerchor.

Befürchtungen, der neue gemischte Chor würde den der Männer nun ausdünnen, tritt Urban entgegen: "Dafür gibt es gar keine Anzeichen." Nur ein Herr im neuen gemischten Chor hat sein Singen im Männerchor aufgegeben. Im Gegenteil: Urban hofft, dass das neue Ensemble den Männerchor beleben kann. Schriftführer Karl Lana, der schon seit 1969 mitsingt, weiß: "Wenn wir jetzt nichts machen, dauert es maximal zehn Jahre, bis auch der Männerchor am Ende ist." Deswegen, so Lana, sei der Schritt eines neuen gemischten Chores notwendig. Von dem erhofft man sich auch nicht nur neue Mitglieder, sondern auch frisches Blut: "Unser Altersdurchschnitt ist ziemlich hoch." Sabine Portz verweist auf eigene Erfahrungen: "Ich habe ja auch mal angefangen." Damals, vor 30 Jahren, war sie Mitte 30.

Bliebe nur die Frage, ob der gemischte Chor nicht doch einen neuen Namen braucht, der die Leute anzieht. Günther will da auf jeden Fall am Ball bleiben, auch Gedak findet: "Es muss schon einen zeitgemäßen Namen geben, der dem Chor eine Identität gibt. Aber der muss aus dem Chor heraus entstehen." Und Urban meint vielsagend, er habe "schon ein paar gute Namen im Hinterkopf". An einem will er aber nicht rütteln: "Der Liederkranz und sein Name bleiben auf jeden Fall bestehen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung