16.09.2021

Liederkranz Schriesheim: Singen - ein Selbstversuch

30 Jahre war Micha Hörnle in keinem Chor mehr - bis Dienstag.

Schriesheim. (hö) Ganz ehrlich: Mein Verhältnis zu Chören ist nicht ganz unbelastet. Zuerst sang ich in einem Schulchor, aber auch eher, weil dort die schönste 13-Jährige ganz Bensheims, nein, der ganzen Welt war. Die hatte eine glockenhelle Stimme, ich nicht. Bei der Generalprobe eines Kindermusicals im Bensheimer Parktheater blieb dann der Chorleiter ausgerechnet vor mir stehen und raunzte mich an: "Du singst heute Abend Play-back."

Ich wusste nicht, was das sein sollte, aber dann machten mir andere klar: "Nur die Lippen bewegen, aber bitte nicht singen." Als dann mein Augenstern nach Basel zog, beendete ich meine Play-back-Karriere im Schulchor. Später entzog ich mich einer eher lustlosen Plackerei mit Motetten und Kantaten in einem Odenwälder Kirchenchor durch Zivildienst und Studium. Sollte ich jetzt nach 30 Jahren wieder in Gemeinschaft singen? Und wenn ja, auch wieder nur Play-back?

Natürlich nicht. Erstens sind im zweiten Bass, in dem ich Aufnahme fand, nicht die allergrößten Stimmen vertreten – und entsprechend entspannt ist da die Stimmung. Und zweitens ist Chorleiter Thorsten Gedak der geborene Motivator. Immer freundlich und aufmunternd – und er hat auch ein paar swingende Stücke mitgebracht, die ich lieber singe als Kantaten.

Nach einer Dreiviertelstunde finde ich, dass ich eigentlich ganz passabel singe, vielleicht ein bisschen laut und falsch – aber es macht einen solchen Spaß! Vor allem, wenn der Bass mit einem sonoren "Dududududumm" einen alten Fünfziger-Jahre-Schmachtfetzen ("Good Night, Sweetheart") einleitet, auch wenn der Sopran mal wieder die hübsche Melodie samt Text ganz für sich hat. Einmal beschweren sich sogar die Damen vom Alt: Sie wollen ihren Part zur Sicherheit noch einmal proben, "der Bass ist zu laut". Ja, alles richtig gemacht!

Mein Sitznachbar Manfred Fleckenstein, der seit zehn Jahren im Männerchor mitsingt, hat ja auch mal so angefangen wie ich – und wurde als Unterfranke von den Schriesheimern sofort aufgenommen und integriert.

Überhaupt ist der Bass eine lockere Truppe, da wird auch mal gelacht. Und das Beste: Bei Gedak musste ich nicht Play-back singen. Und zum ersten Mal war ich so richtig gern in einem Chor – auch ohne "Flamme".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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