04.10.2021

"Push"-Verein fühlt sich von Stadt im Stich gelassen

In Anwesenheit der Bürgermeisterkandidaten Tuncer und Oeldorf kritisierten Aktive mangelhafte Kommunikation seitens der Verwaltung.

Von Max Rieser

Schriesheim. Es war eine kurze, aber intensive Jahreshauptversammlung beim Schriesheimer Jugend- und Kulturverein "Push". Nach 45 Minuten war nicht nur ein neuer Vorstand gewählt, sondern die Mitglieder hatten auch intensiv ihren Unmut ob der schwächelnden Kommunikation mit der Stadt zwecks Umbauarbeiten und Unsicherheiten wegen der geplanten Pumptrack-Anlage artikuliert. Um sich die Anliegen des jungen Vereins anzuhören, waren auch die Bürgermeisterkandidaten Fadime Tuncer (Grüne Liste) und Christoph Oeldorf sowie Gemeinderätin Alexandra Lorenz (ebenfalls Grüne Liste) anwesend.

Beim Tätigkeitsbericht des Vereins blieb dem ehemaligen Vorsitzenden, Stefan Hertel, nicht viel zu erzählen. Alle Veranstaltungen, Treffen und gemeinsamen Aktivitäten waren coronabedingt ausgefallen. Trotzdem habe sich der Vorstand Gedanken über die Zukunft des Platzes gemacht und versucht, mit der Stadtverwaltung in Kontakt zu treten, was sich allerdings schwierig gestaltet habe. Dieses Bild entstand auch beim Bericht von Kassierer Christoph Hildebrandt, der monierte, dass es seit Ausbruch der Pandemie keine Zuschüsse von der Stadt mehr gegeben habe. Früher habe man konkrete Ansprechpartner gehabt, die sich um die Belange des "Push" gekümmert hätten, die neuen Mitarbeiter seien aber nicht richtig informiert. So stehe der Verein durch die laufenden Kosten und ausbleibenden Einnahmen momentan "sehr schlecht da".

Bürgermeisterkandidatin Tuncer wollte wissen, wie der Kontakt zur Verwaltung konkret ablaufe. Die Mitglieder berichteten, auf ihre Anfragen werde immer nur geantwortet, dass man sich melde, dann aber passiere nichts. Tuncer schlug ein direktes Gespräch zwischen Verwaltung und Verein vor, was auf Zustimmung traf. Informationen über die Zukunftsplanung der Gruppe gab Kilian Wachter, der als neuer Erster Vorsitzender verpflichtet wurde. Er berichtete auch über den Fortschritt der Umbauarbeiten, für die der Gemeinderat Anfang 2020 einen Zuschuss in Höhe von 150.000 Euro gewährt hatte.

Die Krux an der Sache sei nur, dass man dem Verein signalisiert habe, dass er sich nicht selbst um die Umbauarbeiten kümmern solle, sondern die Stadt dies tun werde. Auch sei ein Umbau allein durch Vereinsmitglieder gar nicht zu stemmen, gab Wachter zu bedenken. Es ist geplant, das Gebäude auszubauen und sowohl für Veranstaltungen als auch für Jugendsozialarbeit nutzbar zu machen. Seitdem warte man darauf, dass sich etwas tut. Der Boden sei neu verlegt worden, außerdem wurde gestrichen. Auch der kleinere Anbau, der der Jugendsozialarbeit dienen soll, und die alten Toiletten wurden entkernt. Internet gebe es gerade keins, aber die nötigen Anschlüsse seien vorhanden.

Die Organisation von Veranstaltungen sei schwierig, da es aktuell keine Bühne gebe. In Zukunft seien vor allem Veranstaltungen wichtig. Man würde gern wieder ein Metal-Festival organisieren, den Schulen die Räume für Partys zur Verfügung stellen, um Geld für den Abiball zu sammeln, oder Bands auftreten lassen. Das sei einfacher zu organisieren als regelmäßige offene Treffen, für die momentan nicht genügend Aktiven im Verein seien.

Gemeinderätin Lorenz wollte von den Vereinsmitgliedern wissen, was sie von der Pumptrack-Anlage halten. Die Meinungen dazu scheinen geteilt zu sein. Hildebrandt sagte, er finde es "furchtbar", dass man die Anlage mit einem Zaun vom restlichen Gelände abtrennen wolle. Das sei gerade für die Jugendsozialarbeit ein fatales Zeichen und zerreiße den Platz. Der Verein stehe für ein offenes Konzept, dem ein Zaun entgegenstehe. Generell habe der Verein ein großes Potenzial, um das Kulturangebot der Stadt zu bereichern, werde aber ausgebremst.

Ein anderes Mitglied befürchtete, dass sich Jugendliche vornehmlich nachts auf dem Pumptrack treffen, um zu "saufen und zu randalieren". Wachter sagte, er befürworte den Zaun, da er als Abgrenzung zum Vereinsgelände dienlich sein könnte, wenn es zum Beispiel ein Festival gäbe. So würden sich die Besucher nicht automatisch auf dem Pumptrack aufhalten, was im Nachgang weniger Reinigungsarbeiten bedeute. Auch halte ein Zaun Besucher des Pumptracks umgekehrt davon ab, sich auf dem Push-Gelände aufzuhalten. Ihn störe mehr, dass das Gelände dadurch kleiner werde.

Neben Wachter als neuem Vorsitzenden wurde Sara Gomoluch als Zweite Vorsitzende gewählt. Erster Kassierer wurde Peter Grittner, Zweiter Kassierer Andreas Gehrig. Als Schriftführerin wurde Shelan Khoja verpflichtet. Zu Kassenprüfern wurden Adrian Böttinger und Manuela Dornemann gewählt. Die neuen Beisitzer sind Christoph Hildebrandt, Stefan Hertel, Tamara Rehberger, Veronika Lang, Hannah Geissler, Selina Reiser, Marvin Burkhardt, Sascha Buffy, Oleg Dick, Simon Orth und Emma Buchelt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung