04.10.2021

Eine attraktive Innenstadt - nur wie?

Eine attraktive Innenstadt - nur wie?

In einem sind sich alle einig: Die Innenstadt soll attraktiver werden, und die Läden sollen erhalten bleiben. Foto: Dorn
Ein Einzelhandelskonzept wurde verabschiedet. Aber noch fehlen Taten. Es gibt den Wunsch nach mehr Pflaster in der Heidelberger Straße.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Vor knapp einem Jahr war das Einzelhandelskonzept bei seiner Vorstellung nicht ganz unumstritten – eben weil es kaum neue oder konkrete Ideen für eine Förderung des innerstädtischen Handels bringt. Dafür enthält es eine detaillierte Liste, welche Sortimente für die Innenstadt und für größere Märkte am Rand vorgesehen sind – unter anderem, um unerwünschte Konkurrenz für die kleinen Läden zu verhindern, wobei man auch von Einzelfall zu Einzelfall entscheiden kann. Nach einem Jahr Diskussion mit Behörden, den sogenannten "Trägern öffentlicher Belange", ist das Einzelhandelskonzept so weit, dass man es nun verabschieden kann.

Matthias Prüller von der "Imakomm-Akademie" aus Aalen hatte schon den Entwurf des Konzepts verfasst, nun begleitete er es auch bei den leichten Änderungen. Und er gab erstmals auch konkrete Tipps, was Schriesheim tun kann, um für Einkäufer und/oder Touristen attraktiver zu werden: So könnte die Kirchstraße noch stärker zu einem gastronomischen Schwerpunkt ausgebaut werden – zumal ja vielleicht bald wieder Leben in den "Strahlenberger Hof" kommen könnte; das "Mittendrin" hat sich längst als Café und Begegnungszentrum etabliert. Auch der Rathausvorplatz hätte etwas Besseres als nur Autos verdient, er könnte ein halbwegs einladender Eingangsbereich zur Altstadt werden. Und die Leerstände? Hier hatte der Experte die Idee zu einem umfassenden "Nutzungsmanagement" der Ladenlokale und nicht nur der leeren. Also mehr Arbeit für den Wirtschaftsförderer. Und nicht zuletzt regte Prüller an, dass Schriesheim an seiner "Marke" arbeiten sollte – da läge natürlich der Wein nahe.

Bürgermeister Hansjörg Höfer erinnerte daran, dass man ja in der Vergangenheit nicht untätig gewesen sei: Man habe die Pflasterung der Heidelberger Straße ausgedehnt und einen Bebauungsplan verabschiedet, der die Umnutzung von Läden in Wohnungen verbietet. Für Fadime Tuncer (Grüne Liste) ist das Einzelhandelskonzept "ein wichtiger Baustein, um die Innenstadt zu beleben" – sie griff die Vorschläge, die in ihr "Bürgermeister-Wahlprogramm" Einzug gehalten haben, gerne auf: "ein attraktives Umfeld und mehr Lebensqualität schaffen sowie den Bestand an Läden erhalten". Ihre Idee: mehr autofreie Zonen und damit weniger Verkehr. Zudem sollten alle Eingänge zur Altstadt einladender werden, auch der für die Verbindung zur Heidelberger Straße so wichtige Rathausvorplatz.

Sebastian Cuny (SPD) sah Schriesheim in einer (noch) "komfortablen Lage": "Sonst werden Konzepte entwickelt, wenn die Situation hochproblematisch geworden ist. Im Vergleich zum Umland haben wir es in der Innenstadt noch gut." Nun sei es wichtig, "dass wir handeln und als Gemeinderat kleine Schritte gehen": So würde eine noch längere Pflasterung in der Heidelberger Straße schon helfen. Auch von der oft diskutierten Kreuzung Tal- und Heidelberger Straße "hat man lange nichts mehr gehört", und auch das ebenso alte Beschilderungskonzept sei "noch nicht weit vorangekommen".

Auch Bernd Hegmann (Freie Wähler) meinte: "Wir haben jetzt genug Theorie gehört, jetzt sollten Taten folgen." Das sah auch Liselore Breitenreicher (Bürgergemeinschaft) so: "Da war wenig Neues dabei", und sie forderte abermals, dass die Heidelberger Straße bis zu ihrem Ende, aber wenigstens bis zur Bahnhofstraße gepflastert werden soll. Zumindest dies deutete Höfer an, als er sagte, man solle bald "Mittel für die Pflasterung zur Verfügung stellen". Allerdings setze die Stadt bei dem Konzept "nur den rechtlichen Rahmen, attraktiv müssen die Geschäfte selber sein".

Grundsätzliche Kritik hingegen äußerte Ulrike von Eicke (FDP). Sie fand: "So ist der Einzelhandel nicht zu schützen." Denn schon das letzte Einzelhandelsgutachten von 2008 mit seinen ebenso langen Listen für "innenstadtrelevante Sortimente" habe "nichts genutzt". Es sei nun mal erwiesen, dass "ein lebendiger Einzelhandel mit Konkurrenz leben muss".

Es entschieden immer noch die Einkäufer selbst. Bestes Beispiel sei der Wochenmarkt, der auch ganz ohne städtische Eingriffe bestens gedeihe und gut angenommen werde. Und so lehnte sie die Sortimentslisten wie auch das Umwandlungsverbot von Läden ab.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung