04.10.2021

Werke einer Unvergesslichen

Werke einer Unvergesslichen

Lynn Schoene wird im Kerg-Museum mit einer Werkschau geehrt – dort, wo sie es früher war, die Sonderausstellungen von Künstlern aus aller Welt kuratierte und eröffnete. Foto: Dorn
Der Kulturkreis würdigt die verstorbene Künstlerin und Kuratorin Lynn Schoene mit einer Ausstellung in "ihrem" Kerg-Museum.

Von Max Rieser

Schriesheim. Als hätte das Wetter mitgeplant, wurde es zur Eröffnung der Sonderausstellung zu Lynn Schoenes Werk im Museum Théo Kerg herbstlich an der Bergstraße. Das Wetter passte nicht nur, weil ein grauer Tag eher zum Besuch eines Museums einlädt als strahlender Sonnenschein, sondern auch, weil der Anlass zur Hommage traurig ist. Vor knapp zwei Jahren starb die Künstlerin und Kuratorin überraschend im Alter von 66 Jahren.

Ihre Bedeutung für das kulturelle Leben der Stadt und der Region zeigte sich nicht nur in ihrem künstlerischen Schaffen, sondern auch in ihrer langjährigen Leitung des Kerg-Museums. Hier kuratierte sie zahlreiche Sonderausstellungen mit Künstlern aus aller Welt. Dafür war sie prädestiniert. Auch weil sie in der Szene bestens vernetzt war. Daran erinnerte ihr Lebenspartner Tom Feritsch (beide waren gemeinsam unter anderem im Künstlerbund Rhein-Neckar aktiv). Wer von Schoene eingeladen wurde, im Kerg-Museum auszustellen, der sei gekommen, so Feritsch. Absagen habe es eigentlich nie gegeben, und die Künstler seien immer zuvorkommend von ihr betreut worden.

Als die "Hommage an Lynn Schoene" am Sonntagvormittag von Bürgermeister Hansjörg Höfer eröffnet wurde, waren rund 70 Interessierte auf den Platz vor dem Fachwerkhaus gekommen. Dass es eine Verbeugung vor Schoene war, zeigte gleich der Eingangsbereich mit einer kleinen Wand von Foto-Porträts der Künstlerin.

Direkt daneben waren alle Flyer zu den insgesamt 42 Sonderausstellungen zu sehen, die Schoene gemeinsam mit dem Kulturkreis Schriesheim (KKS) ausgerichtet hatte. Jeder Flyer sowie das Plakat waren außerdem vom Sohn der Künstlerin, Benjamin Schoene, gestaltet worden.

Höfer sagte, das Kerg-Museum habe während der Pandemie als Institution zum Austausch über Kultur sehr gefehlt. Umso froher sei er, jetzt wieder eine Ausstellung zu eröffnen. Er dankte auch Feritsch: "Ohne Aktive wie ihn könnten solche Dinge in der Stadt gar nicht stattfinden." Schoenes Tod habe gezeigt, wie schnell sich Umstände ändern könnten und wie wichtig es sei, auf alle Details im Leben zu achten. Dafür stünden auch ihr Werk und sie als Person: "Sie ist jemand, den ich nicht vergessen kann und nicht vergessen werde." Es sei außerdem wahrscheinlich seine letzte Vernissage im Amt. So nahm Höfer die beiden anwesenden Bürgermeisterkandidaten Christoph Oeldorf und Fadime Tuncer in die Pflicht, indem er sagte: "Sie werden das hier sicher sehr gut unterstützen."

Professor Hans Gercke, der ehemalige Direktor des Heidelberger Kunstvereins, führte die Anwesenden in das breite Repertoire der gebürtigen Britin ein. Die 28 ausgestellten Werke gäben einen hervorragenden Überblick über die Vielseitigkeit ihres Schaffens. Bei den verwendeten Materialien habe sie die Hierarchien aufgelöst, indem sie unter anderem mit Erdpigmenten, Leinöl, Bitumen und Wachs arbeitete. Die Kunstwerke mit wabenartigen Anordnungen aus in Wachs getauchten Papierröllchen würden durch ihre Aufwendigkeit auch auf Schoenes Hingabe hinweisen. Bei der Ausstellung der Werke Verstorbener sei es überdies so, dass die Kunst den "Überlebenden übergeben wird, die sie pflegen und erhalten müssen".

Auch Gercke würdigte ihre Bedeutung für das Museum, das als "kleines, auf einen Künstler spezialisiertes" Haus auf Sonderausstellungen angewiesen sei. Nur auf diese Weise könnten Stammgäste motiviert werden, regelmäßig zu kommen, und neue Besucher würden angezogen. Bei dieser Werkschau ganz besonders. Ist sie doch wahrscheinlich auch eine der letzten Möglichkeiten, um Schoenes Werke zu erwerben. Denn diese ziehen danach weiter in das Forum für Kunst in Heidelberg, wo sie zum vorerst letzten Mal gezeigt werden.

Info: Sonderausstellung mit Arbeiten von Lynn Schoene im Kerg-Museum bis 28. November. Geöffnet immer samstags und sonntags, 14 bis 17 Uhr, oder nach Vereinbarung.

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Die Ansprachen sowie die Einführung in ihre Kunst waren im Rahmen der Vernissage am Sonntag im Hof vor dem Museum zu hören. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung