08.10.2021

Bühnen-Eklat unterbrach Aufführung von "Faust I" vor KGS-Schülern

Die Schauspieler fühlten sich von Geräuschkulisse gestört und fielen kurzzeitig heftig aus ihren Rollen.

Schriesheim. (max) Es war ein Eklat, der sich am Donnerstag im Vereinsraum der Mehrzweckhalle ereignete. Die beiden Schauspieler Petra Ehrenberg und Tobias Schill, die das Stück "Faust I" von Johann Wolfgang von Goethe für das Karlsruher "Theater mobile Spiele" aufführten, unterbrachen ihr Spiel nach knapp eineinhalb Stunden, da sie die Rahmenbedingungen für ein konzentriertes Auftreten vor Schülern des Kurpfalz-Gymnasiums als nicht gegeben ansahen.

"Ich muss jetzt hier unterbrechen", entfuhr es Ehrenberg, sichtlich wütend. Man habe darum gebeten, nicht zu essen, zu trinken oder den Raum zu verlassen. Trotzdem liefen Schüler raus und rein, raschelten und unterhielten sich. Sie forderte die Schüler auf, sich zu entscheiden, ob man das Stück abbrechen oder still sein wolle.

Schill fuhr die Schüler zornig an, dass er so etwas noch nicht erlebt habe. Man müsse bei einem Zweipersonenstück extrem konzentriert sein: "Das ist hier nicht Netflix, Facebook oder ein Porno, wir spielen hier ein Stück!". Er äußerte Unverständnis gegenüber den Lehrerinnen, die den Schülern keinen Einhalt geböten. Ein Schüler versuchte, die Situation mit der Maskenpflicht in dem kleinen, stickigen Raum zu entschuldigen. Ehrenberg entgegnete, sie habe zwar Verständnis, brauche aber selber viel Kraft für die sechste Aufführung des Stücks seit einer Woche. Die Schüler baten die Schauspieler, das Stück fortzusetzen, was diese taten und sofort wieder in die Rollen fanden.

Zu einer Aussprache kam es zum Schluss, als eine Diskussion über das Stück und Schauspielerei an sich vorgesehen war. Hier lockerten die 17- und 18-Jährigen die Stimmung auf, indem sie unbefangen Fragen stellten. Er habe nicht "auf Diva" machen wollen, sagte Schill. Es habe aber etwas mit Respekt zu tun, Künstler nicht zu stören. Deutschlehrerin Eva-Maria Czerny regte an, in Zukunft eine Pause in der knapp zweistündigen Aufführung einzubauen. Die Schauspieler hielten die Zeit jedoch für "durchhaltbar". Wissen wollten die gut 50 Schüler aus den drei Kursen im Basisfach Deutsch (Jahrgangsstufe zwei) unterschiedliche Dinge. Während einige Fragen zu den Personen und Orten hatten, interessierten sich andere für den Werdegang der Schauspieler: "Ich glaube, ich bin damit geboren", sagte Ehrenberg, die keine klassische Schauspielausbildung absolviert hat und als Freiberuflerin arbeitet. Schill ist über Poetry Slams und andere Kleinkunstformate zum Schauspiel gekommen, das ihn früher gar nicht interessiert habe, ihn jetzt aber begeistere.

Die Inbrunst der Schauspieler in der Inszenierung von Regisseur Thorsten Kreilos war spürbar. In einem "Dreieck der Dialektik der Dualität" legte Kreilos den Fokus auf die Beziehungen der Figuren zueinander und die jeweilige Einflussnahme aufeinander. Hier sei auch ein Gutes im Bösen und umgekehrt, erklärte Schill. Um das zu verdeutlichen, schlüpfte Ehrenberg ab der Hälfte des Stücks in die Rolle des Mephisto, den vorher Schill verkörperte. Die Tragik des Doktor Faustus wird aufgebrochen, da Mephisto als anzüglicher, nervöser, verschlagener und zum Teil alberner Teufel daherkommt. Dynamik entsteht durch die mobile Kulisse, die zu Anfang als einfacher Schrank, später als Kerker, Hölle, Zimmer oder Festwiese erscheint. Mit einem Aufnahmegerät kommt ein zusätzliches Element ins Spiel. Das mobile Theater, das größtenteils an Schulen tourt, sollte als Element in den Unterricht eingeflochten werden, um den Stoff zugänglicher zu machen, so die Abteilungsleiterin für das Fach Deutsch, Demet Üstünel-Hartbauer. Der Verein der Freunde des Kurpfalz-Gymnasiums übernahm 500 der 900 Euro für die Aufführung. So mussten die 100 Schüler, die die beiden Aufführungen ansehen durften, nur vier Euro zahlen. Solche Auflockerungen seien von großer Bedeutung, so Üstünel-Hartbauer: "Die Schüler meckern und schimpfen nicht und sind über alles froh, was stattfinden kann." Über den Vorfall während der Aufführung will Schulleiter Hans-Peter Kohl noch mit den Betreuungslehrern sprechen, wie er im RNZ-Gespräch ankündigte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung

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