22.10.2021

Das ist die Schadensbilanz von Sturm "Ignatz" in der Region

Es blieb bislang relativ ruhig in der Region. Wetterdienst und Forstämter warnen dennoch. Der Heidelberger Zoo und der Holiday Park bleiben zu.

Der Artikel wird laufend aktualisiert (Stand: 19.49 Uhr, Neu: Heidelberg, Schriesheim, Dossenheim, Vollsperrung in Mannheim aufgehoben)

Region. (RNZ/dpa) Sturm "Ignatz" fegt über die Region und das Land. Geschlossene Parks, umgestürzte Bäume und abgedeckte Dächer: Das Sturmtief hat Baden-Württemberg am Donnerstag in Atem gehalten. Feuerwehr und Polizei hatten bereits in den frühen Morgenstunden in weiten Teilen des Bundeslandes alle Hände voll zu tun. Der öffentliche Nahverkehr musste wegen der Naturgewalt teilweise eingeschränkt werden.

Die Polizei verzeichnete zwischen 6 und 13.15 Uhr insgesamt rund 200 Einsätze. Nahe Sinsheim wurde nach Angaben der Polizei eine Person durch einen herabfallenden Ast verletzt.

Sturm "Ignatz" fegt über die Region - die Fotogalerie

> HEIDELBERG

Die Feuerwehr Heidelberg musste zu insgesamt zehn Einsätzen im Stadtgebiet mit umgestürzten Bäumen, heruntergefallenen Ästen und einem umgekippten Bauzaun ausrücken. Unter anderem wurden im Stadtteil Kirchheim zwei parkende Autos durch einen Baum beschädigt. Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr Kirchheim und Landschafts- und Forstamt waren zur Beseitigung umgestürzter Bäume im Einsatz.

Eine während des Sturms beschädigte Starkstromleitung hat am Donnerstagmorgen eine Vollsperrung der Autobahn A5 von Heidelberg nach Darmstadt ausgelöst. Ein Baum kippte auf einen Strommast, dabei knickte der Kopf des Mastes um. Dadurch hingen zwei Stromleitungen tiefer als sonst. Diese erwischte ein Lastwagen, der Fahrer wurde bei dem Unfall aber nicht verletzt. Die Schadenshöhe war zunächst noch nicht bekannt. Gegen 10 Uhr wurde die Sperrung zwischen Hemsbach in Baden-Württemberg und Heppenheim in beide Richtungen wieder aufgehoben, wie eine Sprecherin der Polizei mitteilte.

Am Heidelberger Schloss ist die Scheffelterrasse abgesperrt. Größere Äste sind zu Boden gestürzt und blockieren teilweise die Kieswege.

Das Sturmtief wirkt sich auch auf den Zoo Heidelberg aus: Aufgrund des Unwetters bleibt der Zoo am heutigen Donnerstag vorsorglich geschlossen. Das Heidelberger Zoo-Leuchten muss daher heute ebenfalls ausfallen. "Wir möchten kein Risiko eingehen", sagt Zoodirektor Dr. Wünnemann. Daher schließe man den Zoo für den Besucherverkehr. "Die Tierpfleger kümmern sich selbstverständlich weiterhin um unsere Tiere."

Fast alle Tiere halten sich am Donnerstag dauerhaft im Innenbereich auf, so beispielsweise die Huftiere wie Kudus oder Blessböcke, die besonders schreckhaft sind. Auch die Großkatzen verbringen den Tag im geschützten Tierhaus.

Besucher, die ein Online-Ticket gebucht haben, können sie an einem anderen Tag einlösen, eine Kontaktaufnahme mit dem Zoo ist nicht erforderlich. Gleiches gilt für die Online-Tickets "Heidelberger Zoo-Leuchten", das heute ebenfalls nicht stattfindet. Diese Tickets können bis zum Ende des Zoo-Leuchtens am 28. November flexibel eingelöst werden.

Die Stadt Heidelberg warnt vor einem Betreten des Waldes, weil die Sturmböen die Gefahr von umstürzenden Bäumen und Astbrüchen erhöht haben. Auch in den kommenden Tagen sollte niemand in den Wald gehen.

> BERGSTRASSE

In der Region Weinheim hat Ignatz heftig gewütet. Im Schlosspark und an mehreren anderen Stellen der Stadt wurden Bäume irreparabel beschädigt, sodass nur die Fällung übrigblieb.

Der Schlosspark ist aus Sicherheitsgründen kurzfristig geschlossen worden. Nach Angaben der Stadt Weinheim mussten dort eine Roteiche und eine Buche gefällt werden – die Sturmschäden waren einfach zu groß.

Bisher eher ruhig verlief es für die Schriesheimer Feuerwehr. Nur im Rindweg brach ein größerer Ast ab, der eine Telefonleitung zerrissen hat und auf die Straße fiel. Die Feuerwehr beseitigte ihn. Am Huberweg drohte ein Baum auf einem zweiten zu stürzen – und beide gemeinsam auf die Fahrbahn. In einem zweistündigen Einsatz gelang es der Feuerwehr, das zu verhindern.

Bislang keinen Sturm-Einsatz gab es für die Freiwillige Feuerwehr Hirschberg, wie Kommandant Peter Braun auf RNZ-Anfrage sagte.


> REGION/METROPOLREGION

Auf der Rheinbrücke bei Speyer waren am Donnerstagmorgen aufgrund mehrerer querstehender Lkw alle Fahrbahnen in jede Richtung gesperrt. Neben Polizei waren auch Feuerwehr und Rettungskräfte im Einsatz.

Um kurz nach 7 Uhr wurde der Anhänger des Gespanns eines 39-Jährigen erfasst und stürzte auf die Leitplanke, wo er liegen blieb. Das Zugfahrzeug blieb quer auf der Fahrbahn stehen; der Fahrer blieb unverletzt. Es bildete sich zunächst ein Stau auf der Brücke in Fahrtrichtung Rheinland-Pfalz.

Bei dem Einsatz von Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei wurden alle Fahrbahnen zunächst vollgesperrt, konnten jedoch bis auf den betroffenen Streckenabschnitt wieder freigegeben werden. Nach den Absicherungsarbeiten der Feuerwehr wurde der Anhänger letztlich von einem Abschleppdienst geborgen, sodass keine weitere Gefahr mehr für den Verkehr bestand. Die Unfallstelle war gegen 9 Uhr geräumt. Andere Verkehrsteilnehmer wurden nicht geschädigt.

Auch der Schwetzinger Schlossgarten ist am Donnerstag gesperrt. Wegen der Unfallgefahr durch Ast- und Baumbruch bleiben die Tore geschlossen, bis der Sturm weitergezogen und die Gefahrensituation abgeklärt ist. Das heutige Konzert der SWR-Festspiele im Schlosstheater findet statt, der Zugang ist über den Haupteingang möglich, die Seitentore sind geschlossen.

Nach dem im Heiligkreuzsteinacher Ortsteil Lampenhain ein Baum auf die Stromleitung gestürzt ist, sind etliche Haushalte im Ort und auch Eiterbach von der Stromversorgung abgeschnitten. Hier lesen Sie mehr dazu.

Der Holiday Park in Haßloch bleibt am Donnerstag wegen der Unwetterwarnung ebenfalls geschlossen. "Die Sicherheit aller Gäste und Mitarbeiter hat stets höchste Priorität", heißt es in einer Pressemitteilung. Alle Gäste mit einem Ticket für Donnerstag können dieses an einem beliebigen Tag einlösen.

Für etwa 30 Minuten war am Morgen gegen 6.15 Uhr die Ausfahrt an der Tank- und Rastanlage am Hockenheimring-West in Richtung Heilbronn gesperrt. Ein umgestürzter Baum blockierte die Fahrbahn. Die Feuerwehr Hockenheim hat den Baum zersägt und zur Seite gebracht.

Am Ottheinrich-Gymnasium in Wiesloch wurde teilweise das Dach abgedeckt. >>>Alle Informationen zum Sturm und den Schäden in der Region Wiesloch-Walldorf gibt es hier SINSHEIM

In der Region Sinsheim blieb es vergleichsweise ruhig. Während die Feuerwehr am Morgen zahlreiche Verbindungsstraßen für den Berufsverkehr von Baumsperren und Ästen befreite, wurden die Wehrleute nun von Bauhof und Straßenmeisterei unterstützt.

Bei Eppingen kippte gegen zehn Uhr ein Baum halbseitig auf die L552 zwischen Elsenz und Waldangelloch. Bei Sinsheim stürzte am Vormittag ein etwa zehn Meter hoher Baum um, beschädigte mehrere Verkehrszeichen und blockierte die K4277 zwischen Waldangelloch und Weiler. Die halbseitige Baumsperre am Ortseingang wurde durch die Waldangellocher Wehr schnell beseitigt. Die Sinsheimer Alla-Hopp-Anlage ist von einem Astbruch betroffen und deshalb am Donnerstag gesperrt. Das Sturmtief hat am Donnerstag für einen Stromausfall in Helmhof und Untergimpern gesorgt. Für etwa eine Stunde blieben ab 9.58 Uhr Licht und elektronische Geräte aus.

Keine Sachschäden, aber die eine oder andere Verkehrsbehinderung: Dafür sorgte das Sturmtief "Ignatz" in Neidenstein.

> MANNHEIM

Im Bereich der Neckarauer Straße 227 kam es sowohl stadtein- als auch stadtauswärts zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. An einem Gebäude waren gegen 9 Uhr mehrere umgestürzte Kamine gemeldet worden. Da weiterhin die Gefahr besteht, dass sich Teile des Gebäudedachs lösen, wird die Fahrbahn aktuell in beide Richtungen gesperrt. Am Nachmittag meldet die Stadtverwaltung, dass die Sperrung bis auf weiteres aufrechterhalten muss. Erst ab 18 Uhr konnte der Verkehr nach Sicherungsmaßnahmen wieder komplett freigegeben werden. Alle weiteren Infos und Umleitungen finden Sie hier.

In der Mannheimer Oststadt stürzte ein Baum im Bereich Werderplatz auf die Straße und begrub ein Auto unter sich. Gegenüber der Hauptfeuerwache sind Dachteile und mindestens ein Schornstein an einem Mehrfamilienhaus eingestürzt. Die Feuerwehr ist aktuell im Einsatz. Der Gehweg sowie der rechte Fahrstreifen der Neckarauer Straße sind Stadtauswärts gesperrt. Es kommt zu Behinderungen.

Am Alten Messplatz hat es außerdem einen Baum umgeweht.

In der Stadt konnten die Menschen am Donnerstag weder Parks noch Friedhöfe besuchen. Beerdigungen fanden statt. "Besucher von Trauerfeiern bitten wir, wegen der drohenden Ast- und Baumbruchgefahr die Hauptwege nicht zu verlassen", hieß es aus dem Mannheimer Rathaus. Im Stadtgebiet waren seit dem frühen Morgen Einsatzkräfte der Feuerwehr unterwegs um Sturmschäden zu beseitigen. Ziegel waren von Dächern geweht worden, umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste sorgten für viel Arbeit.


> NECKAR-ODENWALD-KREIS

Das Unternehmen Netze BW gab bekannt, dass es im Main-Tauber-Kreis, im Kreis Heilbronn sowie im Neckar-Odenwald-Kreis zu Stromausfällen gekommen sei. Die Reparaturarbeiten waren zur Mittagszeit noch in Gange.

Auch die untere Forstbehörde des Neckar-Odenwald-Kreises warnt Spaziergänger, Sportler und andere Waldbesucher davor, Wälder und Parks zu betreten. Auch Waldparkplätze und Parkflächen entlang von Waldrändern sind zu meiden. Aufgrund orkanartiger Böen mit Windgeschwindigkeiten über 110 Stundenkilometer sind Astabbrüche und Entwurzelung von Bäumen möglich. Insbesondere in den geschädigten Buchen-Altbeständen ist mit Kronenbrüchen und Astabbrüchen zu rechnen. "Trockene Äste, die aus dem Kronenbereich auf den Boden stürzen, können mehrere Meter weit fliegen. Wer heute den Wald betritt, begibt sich in Lebensgefahr", warnt Fachdienstleiter Jörg Puchta.

Private Waldbesitzer, die Sturmschäden aufarbeiten wollen, werden zu besonderer Vorsicht aufgefordert, da die Bedingungen im Sturmholzverhau außerordentlich gefährlich sind. Entsprechende Unfallverhütungsvorschriften sind strikt zu beachten.

> HEILBRONN

Dem Polizeipräsidium Heilbronn wurden am Donnerstag ab den frühen Morgenstunden bis gegen 12 Uhr insgesamt 173 Unwetterereignisse gemeldet. Es handelte sich vorwiegend um umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste, umgekippte Mülltonnen sowie Einkaufswägen, die vom Wind umhergetrieben wurden. Durch den Sturm kam es zudem zu mehreren Verkehrsunfällen, glücklicherweise sämtlich ohne Personenschäden. Der durch das Unwetter entstandene Sachschaden wird bislang auf circa 100.000 Euro geschätzt.

> BADEN-WÜRTTEMBERG

Wegen umgestürzter Bäume, Weichenstörungen und Stromausfällen kam es rund um Karlsruhe zu erheblichen Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr.

Noch in der Dunkelheit wurden erste Schäden gemeldet. So trafen beispielsweise bei der Polizei in Pforzheim Berichte über zahlreiche beschädigte Autos ein. Ob Menschen verletzt wurden, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Als Reaktion auf die zerstörerische Kraft des Sturmtiefs blieben sowohl der Badener Wildpark als auch der Hauptfriedhof in Pforzheim geschlossen.

Im Windpark Nattheim (Kreis Heidenheim) zerstörte der Sturm eine Windkraftanlage, wie die Stadtwerke Heidenheim mitteilten.

In Ludwigsburg war aufgrund der Wucht des Sturmtiefs ein größeres Gerüst auf ein Gebäude gestürzt, wie die Polizei mitteilte. Nähere Angaben waren zunächst nicht bekannt.

Im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald waren Wege und Straßen durch umgestürzte Bäume teilweise nicht befahrbar. Bei Hinterzarten war ein Baum auf die Oberleitung und einen Zug gestürzt. Feuerwehr und Rettungsdienst waren im Einsatz, verletzt wurde ersten Angaben zufolge niemand. Feuerwehrleute und Rettungsdienst waren im Einsatz und evakuierten die Waggons.

Bei Philippsburg stürzte der Anhänger eines Lastwagens um, wie die Polizei mitteilte. Das Gespann sei am Donnerstagmorgen in Richtung Bruchsal unterwegs gewesen, als der Anhänger auf einer Brücke von einer starken Windböe erfasst und auf die Seite geworfen wurde.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für Donnerstag vor orkanartigen Böen im Bergland sowie Sturmböen in den nördlichen Landesteilen gewarnt. Vereinzelt könne es zu Gewittern kommen, hieß es. Im Bergland war mit orkanartigen Böen bis 120 Kilometern pro Stunde gerechnet worden. Grund dafür war ein umfangreiches Tiefdruckgebiet über Nordeuropa. Gegen Abend sollte der Wind abschwächen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung