28.10.2021

Nach 32 Jahren verlässt Robert Hasenkopf den Gemeinderat

Unter dem Streit über die Sanierung des Gymnasiums hat seine Freundschaft zu Bürgermeister Höfer nicht gelitten.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Nach 32 Jahren sagt Robert Hasenkopf am heutigen Mittwoch dem Gemeinderat ade, für ihn wird Frank Hoffmann nachrücken. Der 60-Jährige war für die Grüne Liste der "Mann für die Finanzen" und galt als Brückenbauer zu den anderen Ratsfraktionen. Hasenkopf stammt aus Oberfranken, dem Dorf Schneckenlohe, direkt an der einstigen DDR-Grenze. 1982 kam er nach Schriesheim, weil er in Heidelberg auf die Meisterschule für Gartenbauer ging. Damals hielten in Schriesheim das Fähnlein der Grünen Liste Gisela Reinhard und Reimund Schambeck hoch – und die brachten den jungen Handwerker auch in die Kommunalpolitik.

Herr Hasenkopf, wieso hören Sie jetzt auf?

Das hat persönliche Gründe. Ich habe eine Firma, arbeite zwölf Stunden am Tag – und brauche viel mehr Regenerationszeit als früher. Den Anspruch, den ich selbst an mich stelle, mich ausreichend und sorgfältig auf die Sitzungen vorzubereiten, bekomme ich nicht mehr hin. Und dann habe ich ja noch eine Familie und ein Enkelkind. Ich mache mit Hansjörg Höfer seit 35 Jahren Politik, ich habe auch die Einführungsrede 2006 auf ihn gehalten. Wenn er nun aufhört, schließt sich auch ein Kreis für mich. Und ich finde die Vorstellung schön, mich von ihm als Stadtrat verabschieden zu lassen. Nach 32 Jahren ist es auch mal gut. Und bei der Grünen Liste gibt es Nachrücker, die in den Gemeinderat reinwollen.

In einem Leserbrief wird Ihnen vorgeworfen, dass Sie zum "Stimmenfangen" gut waren, aber sich nun verabschieden. Haben Sie Ihre Wähler getäuscht?

Nein. Ich habe ja bei der Wahl nicht überlegt, ob oder wann ich aufhöre. Das war nicht so geplant, das ergab sich eben.

Wer geht bei der Grünen Liste als nächster? Georg Grüber oder Christian Wolf – die ja alle älter als Sie sind?

Ich gehe davon aus, dass alle bis zum Ende der Amtsperiode weitermachen. Wir müssen uns in der Fraktion auch ein Stück weit verjüngen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal 32 Jahre amtieren würde. Zumal wir ja früher auch noch das Rotationsprinzip mit sehr begrenzten Amtszeiten hatten. Das war wohl nicht der Weisheit letzter Schluss.

Fühlen Sie sich nach 32 Jahren als eine Art Urgestein, das schon alles erlebt hat?

Nein, aber ich habe in der nun größeren Fraktion gemerkt, dass man "den Jungen" viel erklären muss, was für mich selbstverständlich ist. Und damit setzt man sich auch wieder aufs Neue mit den Sachverhalten auseinander und sieht manches auch aus einem anderen Blickwinkel.

Ist es in einer neunköpfigen Fraktion nicht schwieriger als im kleinen Kreis?

In einer größeren Fraktion wird auch mehr diskutiert, ich erlebe das als Bereicherung. Aber natürlich hat man durch die lange Zeit im Rat auch einen Informationsvorsprung. Bei Haushaltsfragen kann man sich weiter jederzeit an mich wenden.

Als Sie 1989 anfingen, waren die Grünen die "Schmuddelkinder", heute sind Sie fast eine Staatspartei.

Zunächst bin ich kein grünes Parteimitglied, die Grüne Liste ist für die Kommunalpolitik zuständig. Da ist eine gute Idee eine gute Idee, auch wenn sie von einer anderen Partei kommt. Früher war den meisten Gruppierungen Umweltpolitik unwichtig, heute ist sie in der gesamten Gesellschaft präsent. Die Fronten sind nicht mehr so verhärtet wie in den achtziger Jahren.

Wieso sind Sie nicht bei den Grünen?

Der große Politikbetrieb ist nicht so meine Sache. Mir ist die Kommunalpolitik wichtiger. Ich wurde auch von denen gewählt, die nicht unbedingt grüne Parteigänger sind.

Was waren Ihre größten Erfolge?

Der Ausbau der Kinderbetreuung. Früher hatten die Kindergärten von 8 bis 12 Uhr geöffnet, wer bis 13 Uhr sein Kind betreut haben wollte, brauchte eine Bescheinigung vom Arbeitgeber. Das ist zum Glück heute anders. Oder die Sozialarbeit, die lange im Gemeinderat nicht durchsetzbar war. Nicht zu vergessen; der Erhalt des Waldschwimmbads und nun der Friedwald.

Der Friedwald ist umstritten.

Ja, und das akzeptiere ich auch, das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Aber in den letzten Jahren hat sich in der Bestattungskultur viel verändert. Ich kenne viele, die sich in der Pfalz einen Bestattungsbaum ausgesucht haben. Ich würde für meine Familie einen Baum in Altenbach aussuchen.

Was waren Ihre größten Niederlagen?

So weit würde ich nicht gehen, wir hatten als Grüne Liste bei den Neubaugebieten "Fensenbäume" und "Nord" andere Meinungen, wir hätten da lieber Wettbewerbe gehabt. Auch die Hübsch’sche Mühle halte ich nicht für gelungen.

Sie sind der Mann für die Finanzen. Wird Ihnen nicht mulmig, wenn Sie die mittelfristige Finanzplanung und das langsame Abarbeiten des Sanierungsstaus sehen?

Das war ja auch der Grund, weswegen ich damals gegen die Gymnasiumsanierung gestimmt habe – aus Angst, dass sich die Stadt übernimmt. Und diese Angst ist noch nicht ganz verschwunden. In den nächsten Jahren kommt eine Menge auf uns zu: Neubau des Kindergartens, Sanierung der Talstraße, das neue Rückhaltebecken – das sind alles Riesenbrocken.

Haben Sie mittlerweile mit der Gymnasiumsanierung Ihren Frieden gemacht?

Ja. Wir haben für einen anderen Weg gekämpft. Und wenn das anders entschieden wurde, muss man die Mehrheiten akzeptieren und konstruktiv weiterarbeiten.

Hat darunter Ihre Freundschaft mit Hansjörg Höfer gelitten?

Nein. Wir pflegen einen offenen Umgang. Ich bin ja sowieso kein Polterer, auch zu den anderen Fraktionen hatte ich immer einen guten Draht.

Was wäre denn in der Kommunalpolitik ein Anliegen Ihrerseits?

Die Umgestaltung des Festplatzes, also teilweise eine neue Nutzung. Vielleicht sogar mit einem Neubau der Winzergenossenschaft, wenn ich mal träumen darf.

Aber das würde doch zulasten des Mathaisemarktes gehen.

Ich als Zugezogener habe keinen so starken Bezug zum Mathaisemarkt wie die Ur-Schriesheimer. Das Fest hat sich im Laufe seiner Geschichte immer verändert, das wird auch in Zukunft nicht ausbleiben. Diese Neuorganisation muss auf eine breite Basis in der Bürgerschaft gestellt werden, aber auch wenn der Festplatz mal in Teilen verändert werden sollte, wird noch genügend Platz für den Mathaisemarkt bleiben.

Wie blicken Sie auf 16 Jahre Höfer?

Er hat einen guten Job gemacht. In dieser Zeit ist viel passiert und umgesetzt worden. Was mir vielleicht manchmal ein bisschen gefehlt hat, war eine Vision, also in welche Richtung sich Schriesheim bewegen sollte. Menschlich haben wir uns immer gut verstanden. Es war für ihn nicht immer einfach, Mehrheiten zu finden – auch bei uns von der Grünen Liste.

Sie bleiben in der Kommunalpolitik weiter aktiv – sei es als Co-Vorsitzender der Grünen Liste, sei es im Wahlkampf für Fadime Tuncer. Ihr Tipp: Wie geht es am 28. November aus?

Knapp für Fadime Tuncer. Sie kann es, und sie wird eine gute Bürgermeisterin für Schriesheim.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung