29.10.2021

Liliana Novak kauft den "Kaiser"

Die Heidelbergerin will ab Januar das Hotel samt Restaurant neu beleben. Nichts Neues gibt es vom Strahlenberger Hof.

Schriesheim. (hö) Seit dreieinhalb Jahren steht der "Kaiser" leer: Anfang April 2018 begründete Manager Patrick Thomas die Entscheidung, das erst 2009 bis 2011 aufwändig sanierte und erweiterte Hotel samt Restaurant zum 30. April 2018 zu schließen, damit, dass die Auslastung zu gering gewesen sei. Und gleich begann der Eigentümer, die Werner Liegenschaftsverwaltung, nach einem Käufer zu suchen. Der ist nun gefunden: Liliana Novak aus Heidelberg. Über den Kaufpreis sagt Novak nichts – außer: "Die Eigentümer können sehr zufrieden sein, sie haben einen sehr guten Preis, weit über dem Ertragswert, bekommen." Zunächst war die Immobilie vom Maklerbüro Schürrer & Fleischer für 4,7 Millionen angeboten worden, zwei Jahre später waren es nur noch 3,5 Millionen Euro.

Die große Frage war schon damals, ob der "Kaiser" als Hotel – gerade auch angesichts fehlender Parkplätze – noch zu halten ist oder vielleicht zu Wohnungen oder Studentenappartements umgebaut wird. Nun weiß man: Novak will weiter ein Hotel betreiben. Für Gerhard Alles von Schürrer & Fleischer die einzig sinnvolle Nutzung: "Ein Umbau für andere Zwecke ist wirtschaftlich schwierig und nicht sinnvoll." Und er berichtet davon, dass es "auf der menschlichen Seite zwischen Verkäufer und Käufer gepasst" habe. Zumal Novak selbst Erfahrungen in der Gastronomie hat (ihre Eltern führten etliche Restaurants und Hotels) hat und aus dem Ensemble "etwas Schönes machen will". Novak, die in Heidelberg etliche Luxus-Ferienwohnungen betrieben hat, hatte schon vor der Pandemie ein Auge auf das Haus geworfen – und im Nachhinein ist sie froh, dass der Kauf erst danach zustande kam. Sie will, wie sie im Gespräch mit der RNZ erklärte, aus dem "Kaiser" vor allem ein Tagungshotel machen. Sie berichtet von etlichen Kontakten zu privaten Hochschulen, gerade wirtschaftswissenschaftlichen, für die sie hier Fortbildungen anbieten will. Das Gute an dem Gebäude sei, dass die Gäste hier auch ihre Kinder mitbringen könnten, denen auch ein spezielles Programm geboten werden soll: "Ein runder Bildungsurlaub in Schriesheim." Groß renovieren müsse man die 25 Zimmer nicht, höchstens ein bisschen streichen und ein paar Vorhänge wechseln, denn: "Das Gebäude ist sehr gut gepflegt." Das passte ihr gut in den Kram, denn sie war schon länger auf der Suche nach einem Hotel in der Umgebung, in dem sie ihr Fortbildungskonzept umsetzen kann. Der "Kaiser", an dem kaum etwas gemacht werden muss, war ideal: "Ich hätte ungern ein altes Hotelgebäude saniert."

Auch das Lokal, zuletzt mit gehobener Küche unter Jan Thorben Kruse, soll wiederbelebt werden – allerdings mit einem etwas anderen Konzept: "Wir wollen uns keine Sterne erkochen, sondern ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten", aber doch regional und frisch sein. Auch den Keller will sie, beispielsweise durch Lesungen, wieder stärker zur Geltung bringen. Sie sucht keinen Pächter für das Lokal, das will sie selbst stemmen. Dazu hat sie schon Kontakt mit der Hotelfachschule und der Marie-Baum-Schule in Heidelberg aufgenommen. Von dort will sie, zumindest zum Teil, ihr zukünftiges Personal beziehen.

Die fehlenden Parkplätze schrecken sie nicht. Sie will ihren Gästen anbieten, dass das Hotel deren Autos auf die reservierten Stellplätze auf dem Festplatz fährt. Allerdings konnte die Stadt ihrem Wunsch, ein paar Plätze an der Strahlenberger Grundschule zu reservieren, nicht entsprechen: Denn da darf man nur eine Stunde parken. Und wann geht es los? "Ich rechne mit Januar", sagt Novak. In etwa vier Wochen, wenn der Kaufpreis auf dem Konto der Eigentümer ist und der Verkauf notariell beglaubigt wurde, will sie erst einmal die Schlüssel in der Hand halten.

Und was ist mit dem zweiten großen Leerstand in der Innenstadt, dem Strahlenberger Hof, der seit Neujahr 2020 geschlossen hat? Da gab es schon erste Gespräche mit Interessenten, aber die Suche nach einem neuen Pächter dauert an – also noch kein Durchbruch seit Juli.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung