02.11.2021

Die Sanierung des Waldschwimmbads hat begonnen

Die Sanierung des Waldschwimmbads hat begonnen

Seit Dienstag arbeiten Peter Laza (l.) und Christian Mika von der österreichischen Fachfirma Berndorf am neuen Edelstahlbecken im Waldschwimmbad – zuerst ist der Beckenkopf dran. Foto: Dorn
Seit vergangenem Dienstag wird am neuen Edelstahlbecken gearbeitet. Gemeinderat bewilligte am Mittwoch einen Sanierungszuschuss über 200.000 Euro.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es ist kein Zufall, dass in dieser Woche die Arbeiten am neuen Edelstahlbecken des Waldschwimmbads begonnen haben und am Mittwochabend der Gemeinderat dazu offiziell einen 200.000-Euro-Zuschuss gab. Denn ohne den hätte der Badbetreiber, die Interessengemeinschaft zur Erhaltung des Waldschwimmbads (IEWS), die 709.000 Euro teure Beckensanierung nicht stemmen können, wie der Zweite IEWS-Vorsitzende Thomas Merkel zugibt. Zwar gab es schon im Mai einen Zuschuss-Beschluss der Gemeinderates – wenn auch in nicht-öffentlicher Sitzung –, aber IEWS-Sprecher Kim Koschorreck freute sich bei einem Vor-Ort-Termin gestern über die "volle Unterstützung" der Kommunalpolitik. So ähnlich hatte es auch am Mittwochabend auf der Ratssitzung Bürgermeister Hansjörg Höfer gesehen: "Es ist wichtig, für die IEWS zu wissen, dass sie den Gemeinderat geschlossen hinter sich hat."

Der hatte mit Lobeshymnen auf die ehrenamtliche Arbeit der IEWS überschlagen: "Ohne die IEWS würde es das Waldschwimmbad nicht mehr geben", so Alexandra Lorenz (Grüne Liste), Nadja Lambrecht (Freie Wähler) fand die IEWS "eine Erfolgsgeschichte", und für Renate Hörisch-Helligrath (SPD) ist das Bad "ein Treffpunkt für alle". Ulrike von Eicke (FDP) sah die "emotionale Verbundenheit" vieler Schriesheimer mit dem Bad: "Vom Kleinkind bis zum ersten Flirt." Andrea Diehl (CDU) wusste: "Die IEWS investiert selbst viel." Um genau zu sein, nimmt sie einen Kredit von 359.000 Euro auf – der wäre ohne eine städtische Ausfallbürgschaft nie bewilligt worden – und steuert zudem 150.000 Erspartes bei.

Diehl machte darauf aufmerksam, wieso das Becken mit einer – anfangs nicht ganz unumstrittenen – Edelstahlwanne saniert wird: "Der Wasserverlust ist ein großes Problem." Tatsächlich versickern jedes Jahr drei Millionen Liter – was die IEWS rund 10.000 Euro kostet. Wenn man sich im nun wasserlosen Bad, in dem gerade zwei Arbeiter der österreichischen Firma Berndorf neue Beckenköpfe montieren, umsieht, ahnt man, woran das liegt: Viele Fliesenfugen haben Risse, da hilft auch Silikon nicht viel, wie Thomas Merkels Bruder Michael, der stellvertretende technische Leiter (und damit Vize seines Vaters Jürgen), weiß: "Die müssen ständig erneuert werden, das ist nur Flickwerk." Und deswegen ja auch das Edelstahlbecken, bei dem nichts versickert: "Neue Freibäder sind heute aus Edelstahl", weiß Michael Pabst vom IEWS-Technik-Team. "Das hält 40 bis 50 Jahre." Und einfacher zu reinigen ist es auch.

Dass gerade jetzt die Zeit für das neue Becken ist, daran lassen die IEWS-Verantwortlichen keinen Zweifel: Denn noch galt die Kostengarantie der Firma Berndorf über 555.000 Euro für das neue Becken. Angesichts rasant steigender Stahlpreise ist die ein Glücksgriff. "Würden wir jetzt bestellen, müssten wir mit mindestens 20.000 Euro mehr rechnen", sagt Michael Merkel, der als Inhaber einer Metallbaufirma Experte ist. Wer auf spektakuläre Bilder mit einem Riesenkran gehofft hatte, wird enttäuscht: Die Teile werden einzeln angeliefert und vor Ort verschweißt. Michael Merkel staunt über die "diffizile Arbeit" der beiden Österreicher am Beckenrand: "Das wird alles handverschweißt – eine große Herausforderung." Und auch Michael Pabst meint: "Hier im Becken haben wir nur zwei Millimeter Toleranz, das ist schon eine Riesenleistung." Die Fliesen werden nicht etwa herausgeschlagen, an sie wird die neue Edelstahlkonstruktion eingepasst.

Seit Dienstag sind Christian Mika und Peter Laza von der Firma Berndorf vor Ort, und ein bisschen sieht man schon etwas: Ein Teil des neuen Beckenrands ist eingesetzt und ein Teil der Wandverkleidung, bis Ende des Jahres wird man damit fertig sein; der neue Boden soll im Februar folgen. Mika kennt sich aus in der Gegend und arbeitete schon in Brühl und im Schwetzinger Bellamar, doch das Schriesheimer Bad sei besonders schön gelegen: "Nur die Straße ist ein bisschen laut." 17 Tage am Stück arbeiten sie hier, übernachtet wird im Hotel Scheid, dann dürfen sie sich in ihrer österreichischen Heimat eine Woche lang erholen, bis es wieder für 17 Tage nach Schriesheim geht. Wenn das Wetter ihnen keinen Strich durch die Rechnung macht, ist das neue Becken zu Beginn der Saison 2021 fertig – wovon aber alle ausgehen.

Ein bisschen ändern wird sich schon etwas: Das Becken an den Sprungblöcken ist nicht mehr so tief: statt 3,05 Meter dann 2,20 Meter. Der Vorteil: weniger Wasser und damit weniger Heizkosten. Und die Optik? Da ist Thomas Merkel ganz entspannt: "Ich war schon in vielen Edelstahl-Becken schwimmen. Wenn die Sonne scheint, ergibt das eine richtig schöne Türkisfarbe. Ich bin mir sicher, dass wir in der nächsten Saison alle Zweifler überzeugen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung