02.11.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Die Schriesheimer bewegt nicht nur ein Thema, sondern viele

Was die Zuhörer von den Kandidaten wissen wollten: Umgang mit kontroversen Beiträgen im Mitteilungsblatt, Verkehr und die Visionen für Schriesheim

Schriesheim. (max) Nach dem Gespräch auf dem Podium hatten die Zuhörer die Gelegenheit, die Kandidaten mit Fragen zu löchern – was sie auch taten.

Claus Breutners bezog sich auf einen Artikel von AfD-Stadtrat Thomas Kröber im Mitteilungsblatt. Nach der langen Diskussion um dessen Richtlinien sei es nicht nachvollziehbar, dass ein Beitrag mit Vergleichen zwischen dem Umgang mit dem "Demokratie- und Kulturverein" und der Judenverfolgung im Dritten Reich abgedruckt werden konnte. Für Tuncer ist unverständlich, dass nach dem Hin und Her so etwas im "Blättchen" landen konnte: "Ich hätte den Artikel nicht gedruckt." Oeldorf wandte ein, dass man mit der jetzigen Satzung den Artikel hätte streichen lassen können – was besser gewesen sei.

Ruth Mayers wollte wissen, was für sie als Radfahrerin bei der Talstraßensanierung geplant sei. Tuncer sagte, dass diese bereits als Sanierungsgebiet ausgewiesen sei und dass Radwege aktuell immer mit bedacht werden müssten. Oeldorf konstatierte, dass man hier baulich nicht zu stark eingreifen könne, die Straße aber "one space for all" sein sollte, den jeder Verkehrsteilnehmer gefahrlos nutzen kann.

Georg Morast bemängelte, dass das Kopfsteinpflaster in der Heidelberger Straße für Menschen mit Rollatoren kaum zu bewältigen sei. Für Tuncer gehört das Kopfsteinpflaster zwar zum "Altstadtcharme", aber sie sei sich des Problems bewusst. Ein "Rollatorstreifen" wäre eine Möglichkeit – oder eine Pflasterung, die zwar aussehe wie Kopfstein, aber eben ist. Oeldorf verwies auf Leutershausen, wo man mit einem speziellen Belag am Rathaus eine "100 Prozent sichere Lösung für Rollatoren" umgesetzt habe.

Patrick Schmidt-Kühnle hakte bei der Gymnasiumsanierung nach. Ein Antrag auf Fördermaßnahmen sei 2018 von Tuncer abgelehnt worden. Wenn es noch mal zu einer solchen Situation käme, wie sollten energetische Sanierungen finanziert werden? Oeldorf sagte, dass jegliche Sanierungen immer "maximal mit Förderquoten belegt werden" müssten. Tuncer konterte, dass ein anderes pädagogisches Konzept mehr staatliche Unterstützung gebracht hätte, was allerdings abgelehnt wurde. Es sei aber immer wichtig, die größtmögliche Förderung zu erhalten, um die Kosten für die Kommune klein zu halten.

Joseph Weisbrod hat auf den Oeldorf-Plakaten "Eine Idee voraus" gelesen – und was ist die nun? "Wir machen das, was finanzierbar ist", so Oeldorf. Wichtig sei ihm, der Vereinslandschaft wieder ein gutes Zuhause zu bieten und die Kommunikation von Verwaltung und Vereinen zu verbessern, vielleicht sogar zu professionalisieren.

"Wenn einer von Ihnen Bürgermeister ist, wie kann ich sie erreichen?, fragte Thomas Rakow. Für Oeldorf ist der Kontakt immer über Telefon und E-Mail möglich. Auch eine Bürgersprechstunde ohne Termin könnte er sich vorstellen. Das sieht auch Tuncer so – und schlug außerdem nach Heidelberger Vorbild vor, dass man sie einladen könne, um auch bei Vereinen oder Privatpersonen vor Ort in Dialog zu treten.

Anja Hölzel wollte eine konkrete Vision von den Kandidaten für die nächsten zehn Jahre hören. Eine gute Gemeinschaft mit "Wir-Gefühl" in der Kernstadt und in den Ortsteilen wünschte sich Tuncer. Dabei sei eine Nahversorgung für Altenbach und ein zuverlässiger Bus für Ursenbach unerlässlich. Außerdem eine gelebte Vereinskultur und eine Kulturförderung, bei der sich alle begegnen können. Oeldorf versuchte es mit einem einzigen, dafür sehr langen Satz: "Ein liebens- und lebenswertes Schriesheim mit gesicherten Finanzen, mit einer Gesellschaft, die ein gelebtes Miteinander nicht nur möchte, sondern zelebriert – und dass unsere Kinder und Kindeskinder in Schriesheim bleiben können, es fortentwickeln und Spaß dabei haben, die Stadt weiterzudenken."

Von Tuncer wollte Christiane Haase wissen, ob sie als Stellvertreterin des grünen Landtagsabgeordneten Uli Sckerl unter Umständen in die Landespolitik abwandert. "Ich habe mich entschieden. Wenn ich Bürgermeisterin bin, werde ich Bürgermeisterin bleiben", entgegnete sie.

Marc Hartmann wollte wissen, wo er überhaupt sein Handwerkerauto abstellen kann. Nach Oeldorf sollte auf dem privaten Grund der Kunden genug Platz dafür sein, nach Tuncer sollten bei Neubauten immer genug Parkplätze mitgeplant werden.

Claus Breutner wollte zum Schluss wissen, ob ein Bürgerbus nicht eine gute Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr wäre. Für Tuncer eine gute Idee, sie habe das auch schon für Ursenbach überlegt. Für Oeldorf ist ein Bürgerbus "sehr unterstützenswert", die weitere Planung müsse allerdings langfristig erfolgen.

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung