04.11.2021

Seniorenheim Schriesheim: Dem "Edelstein" läuft wegen der Verlagerung die Zeit davon

Seniorenheim Schriesheim: Dem "Edelstein" läuft wegen der Verlagerung die Zeit davon

Das Altenheim Edelstein. Archivfoto: Dorn
Das defizitäre Heim braucht nach einer längeren Hängepartie eine Perspektive, sagt der Betreiber SWB. Mitarbeiter planen offenbar eine Demonstration.

Schriesheim. (hö) Ein Punkt liegt dem anonymen Informanten, der auf angebliche Missstände im Altenheim "Edelstein" aufmerksam machte, auch am Herzen: In der Einrichtung wisse niemand, wie es weitergeht. Denn in Sachen "Umzug aufs Gärtner-Gelände" kommen von der SWB, dem Betreiber der Einrichtung, keine Informationen. Doch die SWB hängt selbst in der Luft, wie ihr Geschäftsführer Hubertus Seidler auf RNZ-Anfrage berichtet: "Wir sind im fünften Jahr der Planung." Denn kurz nach dem Kauf hatte die SWB zunächst Neubaupläne für die Talstraße gemacht, die aber am Widerstand der Anwohner und der Kommunalpolitik scheiterten. Seidler sagt: "In der Zwischenzeit halten wir ein altes Haus am Laufen, was extrem schwierig ist." Der "Edelstein"-Komplex in der Talstraße ist nicht nur technisch und von der Bausubstanz her marode, sondern auch unrentabel. Dort gibt es derzeit einen Corona-Ausbruch - hier geht es zu dem Artikel.

Denn nach der Landesheimverordnung dürfen die alten Doppelzimmer nur noch von einer Person belegt werden, das Haus ist nicht mehr ausgelastet: "Seit eineinhalb Jahren arbeiten wir hier nicht mehr wirtschaftlich", so Seidler. Deswegen fordert er mit Blick auf den geplanten Neubau an der B 3 "eine Perspektive, wenigstens ein kleines Licht am Ende des Tunnels". Genau diese Perspektive ist wieder fraglich geworden, nachdem es Kritik seitens der Grünen Liste gegeben hatte, auch die grüne Bürgermeisterkandidatin Fadime Tuncer würde gern den Prozess auf null setzen, weil sie vom jetzigen Konzept des "Edelstein"-Neubaus nicht überzeugt ist.

Wenn das so käme, sieht Seidler das Aus für das alte "Edelstein": "Wir werden dann schließen, und auch die schwerbehinderten Mitarbeiter verlieren ihren Job. Um die geht es mir besonders." Insofern sei "Eile geboten", denn ohne die Perspektive eines Neubaus werde er das defizitäre "Edelstein" nicht über Jahre hinweg am Leben halten, dabei liefen "von unseren 15 Häusern 13 gut". Deswegen habe er an Landrat Stefan Dallinger sowie an die beiden Schriesheimer Bürgermeisterkandidaten einen Brandbrief geschrieben: "Ich habe darum gebeten, dass der Landrat und die Kandidaten eingreifen, damit es endlich weitergeht. Wir müssen uns langsam mal bewegen. Wir haben keinen richtigen Planungsrahmen, dabei läuft uns die Zeit davon."

Wenn es in diesem Jahr nicht zu einer grundlegenden Einigung komme – im Dezember soll der Gemeinderat entscheiden –, dann sehe er sich zu diesem Schritt gezwungen: "Dann schließen wir schnell – und zwar mit Krach." Wäre nun nicht der Corona-Ausbruch dazwischengekommen, hätten die "Edelstein"-Mitarbeiter in dieser Woche eine Demonstration organisiert. Sobald diese Krise überstanden sei, wollen sie auf der Straße Druck machen.

Dabei hält Seidler an den Umzugsplänen fest, denn er ist sich sicher: "Schriesheim hat einen Riesenbedarf an Seniorenplätzen." Und er erklärt, wer der bisher der Öffentlichkeit unbekannte Investor ist: die Pfälzer Baugesellschaft Heberger. Mit der hat SWB ein Konsortium gegründet, Heberger als Generalunternehmer, SWB als Betreiber. Allerdings stehen die Modalitäten im Detail noch nicht fest, nur: "Wir wollen das Neubauprojekt zusammen umsetzen." Allein mit diesem Konsortium will Klaus Gärtner, so sagt Seidler, weiterarbeiten. Ansonsten werde er das Gelände seines vor drei Jahren geschlossenen Autohauses weiterverpachten. Gärtner hat sich aber bisher in der Debatte zurückgehalten.

Und würde Seidler das alte "Edelstein"-Gelände nun der Stadt für eine Neubebauung überlassen? Er zögert mit einer Antwort, denn er weiß, dass die Fraktionen von CDU, Freien Wählern und SPD, also eine knappe Mehrheit im Gemeinderat, genau dies zu einer Bedingung gemacht haben, um der "Edelstein"-Verlagerung aufs Gärtner-Gelände zuzustimmen. Das Talstraßen-Areal gehöre weiterhin dem "Verein der Inneren Mission", der bis Ende 2016 das "Edelstein" betrieben hat. Der SWB stehe ein Vorkaufsrecht zu. Würde die SWB das Grundstück der Stadt abtreten? Seidler: "Schauen wir mal, was passiert."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung