06.11.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Christoph Oeldorf will investieren, aber solide bleiben

Ein programmatischer wie kämpferischer Bürgermeisterkandidat präsentierte sich in der "Duwag-Scheier".

Von Christina Schäfer

Schriesheim. Am Abend nach dem RNZ-Wahlforum steht Christoph Oeldorf am letzten Samstag schon wieder auf der Bühne. Dieses Mal in der "Duwag-Scheier" und nicht mit ihm vorher unbekannten Fragen. Es ist seine Veranstaltung, seine Möglichkeit, sich und seine Ideen vorzustellen, sein Programm zu erläutern. "Das ist aber kein handverlesenes Publikum", sagt er über die 70 Besucher. Das ist ihm wichtig. Schließlich will er nicht nur mit seinen Anhängern ins Gespräch kommen.

"Löchern sich mich bis auf den Boden", fordert er dann auch in seiner Begrüßung, und er verspricht: "Ich werde nicht wegrennen." Das Wegrennen ist ein Thema. Derzeit Wilhelmsfeld, vielleicht bald Schriesheim – und dann? "Ich komme, um zu bleiben", erteilt Oeldorf den Unkenrufen eine Absage. Schriesheim, sagt er, soll seine letzte politische Station sein. Und er überschüttet die Weinstadt mit Lob. Sie sei eine "der schönsten Städte der Region". Bei ihrer Entwicklung müsse man an der einen oder anderen Stelle nun in Richtung Zukunft gehen.

Entsprechend bringt Christoph Oeldorf in der Begrüßung, in der er an verschiedenen Stellen immer wieder Zwischenapplaus erntet, seine Wahlkampfpunkte unter: eine generationsübergreifende Stadt, in der die gut laufende Seniorenarbeit gesichert und die Jugend einbezogen wird – nicht durch fertige Konzepte, sondern indem man sie nach ihren Bedürfnissen fragt. Eine Stadt, die für ihre junge Generation Wohnraum zur Verfügung hat – "nicht günstig, aber bezahlbar", so Oeldorf –, schaffen will er ihn auch mit Außenentwicklung mit Augenmaß.

Wichtig ist ihm zudem das lebhafte Miteinander. "Das Ehrenamt ist kein ‚Nice to have‘ sondern eine zwingende Notwendigkeit", also das Rückgrat der Gesellschaft, betont der Bürgermeisterkandidat. Die Bürgerschaft wiederum will er über mehr Beteiligung einbinden, wenn auch nicht immer und überall. "Es geht ums Anhören, das ist nicht Erhören", führt er seine Sichtweise einer Bürgerbeteiligung als laufenden Prozess aus. Bei großen Fragen solle sie dann in ein Verfahren gegossen werden. "Wir werden nicht über alles diskutieren", stellt er aber auch klar.

Dabei verweist er beispielhaft auf den in absehbarer Zeit anstehenden Feuerwehrhausbau. "Da steht eine Pflicht und fachlicher Input", macht er deutlich – ganz zu schweigen von zu berücksichtigenden Vorschriften und Regelungen. Die Entscheidung über ein Bürgerhaus und dessen Standort sieht Oeldorf in Sachen Bürgerbeteiligung schon eher. So es dazu kommt.

Christoph Oeldorf betont eins immer wieder – egal, ob im RNZ-Forum oder an diesen Abend: "Solide Haushaltsführung, solider Umgang mit Geld" ist sein Credo. Er sieht viele Investitionen mit Blick auf abzugreifende Fördergelder – ein mehr als komplexes Thema, das er auf höchster Stelle ansiedelt: "Förderungen sind Sache des Kämmerers und des Bürgermeisters."

Er kennt zudem den Bürgermeistersprengel, durchaus eine Informationsquelle. Mit Blick auf die Führung einer Verwaltung sieht er sich im Vorteil gegenüber seiner Mitbewerberin Fadime Tuncer. "In der Verwaltung muss man wissen, was man macht", verweist er auf seine Kompetenzen als studierter Verwaltungsfachmann wie als Bürgermeister. Dass er etliche Themen als Außenstehender nicht in Gänze durchdringt, wie Tuncer es als Gemeinderätin kann, sieht er nicht als Nachteil. "Ich bin frisch, habe keine Schulden politischer Art", erklärt er seinen Blickwinkel.

Dass die beiden "zu nett" zueinander sind, streitet er nicht ab. Der Wahlkampf soll sachbezogen und nicht persönlich sein, stellt er klar. Christoph Oeldorf prognostiziert dennoch einen spannenden Wahlkampf für die kommenden drei Wochen. Und er ist sich sicher: "Inhaltlich werden wir uns noch etwas reiben."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung