09.11.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: So läuft die Kandidatenvorstellung ab

Bürgermeisterwahl Schriesheim: So läuft die Kandidatenvorstellung ab

Am 22. November 2013 stellten sich drei der vier damaligen Bürgermeisterkandidaten öffentlich rund 1000 Schriesheimern in der Mehrzweckhalle vor (vorne, v.l.: Michael Becker, Peter Weinkötz und Amtsinhaber Hansjörg Höfer; Michael König fehlte). Foto: Dorn
Ab dem 19. November gibt es drei öffentliche Veranstaltungen. Die Bürger dürfen nur per Formular vorab eine einzige Frage an alle Bewerber stellen,

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Die anstehende Bürgermeisterwahl am 28. November ist anders als die anderen beiden Wahlen des Jahres (Landtagswahl am 14. März und Bundestagswahl am 26. September), denn die Zahl der Wahlberechtigten in Schriesheim ist größer, alles in allem etwa um 900 Personen: Erstens dürfen auch Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren wählen – das gilt in Baden-Württemberg bereits seit Juli 2013, also auch schon bei der letzten Bürgermeisterwahl am 1. Dezember 2013 –, in Schriesheim sind das etwa 280 Personen. Und zweitens dürfen auch EU-Bürger an der Bürgermeisterwahl teilnehmen – was bereits seit 1999 so ist –, das Rathaus gibt ihre Zahl mit rund 600 an. Alles in allem rechnet man mit rund 12.000 Wahlberechtigten, in etwa so viel wie bei der letzten Bürgermeisterwahl (11.840).

Mit der wichtigste Termin der Bürgermeisterkandidaten ist – neben den Wahlforen der beiden Tageszeitungen – die öffentliche Kandidatenvorstellung, die die Stadtverwaltung organisiert: Insgesamt gibt es drei, eine in der Kernstadt (Freitag, 19. November, 20 Uhr Mehrzweckhalle), eine in Altenbach (Montag, 22. November, 20 Uhr, Mehrzweckhalle) und eine in Ursenbach (Dienstag, 23. November, 20 Uhr Dorfgemeinschaftshaus, wegen des begrenzten Platzangebots ist eine Anmeldung notwendig – dienstags zwischen 16 und 17.30 unter Telefon: 06220/1573). Die Veranstaltung in Schriesheim wird live gestreamt. Für Besucher gilt, zumindest Stand heute, 3G (geimpft, genesen, mit PCR getestet), während der gesamten Veranstaltung muss eine Maske getragen werden.

Fragen der Bürger bei diesen Vorstellungen sind nicht vorgesehen, man kann aber eine einzige vorab stellen – und zwar per Formular. Das wurde im letzten Mitteilungsblatt abgedruckt, man kann es aber auch im Rathaus oder in den Verwaltungsstellen abholen oder im Internet herunterladen (www.schriesheim.de/buergermeisterwahl). Fragen per E-Mail sind nicht möglich. Und doch gibt es keine Gewähr, dass jede per Formular eingehende Frage auch zum Zuge kommt, denn insgesamt sind nur zwölf zugelassen. Die werden eine Stunde vor der jeweiligen Veranstaltung aus den eingehenden Formblättern ausgelost und dann von den Rathausmitarbeitern thematisch gebündelt. Dass es nur zwölf Fragen gibt, liegt vor allem an der Zeit: Denn alle vier Bewerber – so sie denn alle erscheinen – müssen die beantworten; Fragen an einzelne Kandidaten sind nicht zulässig. Und da die maximal drei Minuten Zeit dafür haben, könnte allein der "Frageblock" fast zweieinhalb Stunden lang dauern – dabei ist das Ende der Veranstaltung nach drei Stunden, also um 23 Uhr vorgesehen. Vor acht Jahren war das Prozedere noch anders: Die Bürger durften einfach ans Mikrofon (wenn auch mit Zeitvorgabe) und sogar bestimmen, an wen sie ihre Frage richten: Damals gingen 15 an Bürgermeister Hansjörg Höfer, acht an Michael Becker und drei an Peter Weinkötz.

Besonders spannend ist, ob neben den bestens eingeführten Kandidaten, Fadime Tuncer (Grüne Liste) und Christoph Oeldorf (unterstützt von CDU, Freien Wählern und Teilen der Bürgergemeinschaft), auch die beiden Bewerber dabei sind, die noch nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten sind und deren Namen erst bei der Sitzung des Gemeindewahlausschusses bekannt wurden: Helmut Oelschläger aus Wilhelmsfeld und Samuel Speitelsbach aus Ravenstein (RNZ vom Freitag). Während Speitelsbach seit 2019 bei mehr als 90 Bürgermeisterwahlen kandidiert hat, liegt bei Oelschläger die Motivation etwas anders. Er äußerte gegenüber dem "Mannheimer Morgen", er habe vor allem aus Protest in Schriesheim kandidiert – und zwar wegen des Wilhelmsfelder Bürgermeisters Christoph Oeldorf und dessen Position beim geplanten Gewerbegebiet, das die Bürger vor sechs Wochen in einem Entscheid abgelehnt hatten (RNZ vom 30. September). Für Oelschläger musste die Wiese am Schriesheimer Hof, die für ein Gewerbegebiet vorgesehen war, unbedingt erhalten bleiben.

Die große Frage ist, ob Speitelsbach, sollte er kommen, für einen ähnlichen Eklat sorgt wie noch im Januar 2020 in Weinsberg. Dort wurde er des Saales verwiesen, als er den linken Arm zu einer Art "Hitler-Gruß" erhoben hatte.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung