12.11.2021

"Es weht ein rauer Wind im Wald"

"Es weht ein rauer Wind im Wald"

Klangvolle Gäste beim Jägerstammtisch: Die Jagdhornbläser waren gekommen – wie auch Bürgermeisterkandidat Christoph Oeldorf (blaues Jackett). Foto: Dorn
Beim Jägerstammtisch ärgert man sich über Waldbesucher, die sich an keine Regeln halten. Ist wieder ein Feldschütz nötig?

Schriesheim. (bms) Die Diskussion ist alt: Manche sehen in der Jagd nur einen blutigen Freizeitspaß, für andere sind Jäger Menschen, die durch den Abschuss der Tiere die Wildbestände regulieren und so den Wald pflegen. Die Schriesheimer Vertreter jedenfalls sehen sich in der Verantwortung für die Hege und Pflege der Wildtiere. Ohne ihr Zutun würden die Bestände überhandnehmen, was in der Folge in Land- und Forstwirtschaft zu unkontrollierbaren Verbissschäden führe, hieß es beim ersten Stammtischtreffen ihrer Zunft seit der Corona-Pandemie. "Wir werden immer mehr zu Forstschädlingsbekämpfern."

Vorab hatte Vorsitzender Steffen Vree "nach langer Zeit der Abstinenz" rund 20 Mitglieder der Jägervereinigung Mannheim im Restaurant "Neues Ludwigstal" begrüßt. Darunter auch Kreisjägermeister Albrecht Vock. Aus der Versammlung heraus kam heftigste Kritik, was den Ärger im Wald angeht, denn der nehme immer mehr zu: Damit waren die vielen Geocacher und Pilze-Sammler gemeint, nicht angeleinte Hunde, Mountainbiker auf illegalen Trails, Party-Betrieb auf Grillhütten oder Autofahrer, die sich an keine Verbotsschilder hielten und mittendrin im Grünen parkten. "Das wurde im Corona-Jahr immer schlimmer. Es weht ein rauer Wind im Wald", meinte ein Jäger. "Alle wollen dahin, aber Waldregeln werden wohl nur noch als Angebote wahrgenommen." Ein älterer Jäger sprach aus, was wohl einige dachten: "Früher gab es einen Feldschütz, der für Recht und Ordnung sorgte. Wir haben ja keine Kompetenzen."

Mit dabei im Ludwigstal war auch Bürgermeisterkandidat Christoph Oeldorf aus Wilhelmsfeld. Der nutzte das Treffen, um sich bei den Jägern vorzustellen. "Ich bin allerdings eher auf Stimmenjagd", witzelte er. Die Idee mit dem Feldschützen finde er aber "durchaus interessant". Und als besondere Gäste begrüßte Vorsitzender Vree auch die Mitglieder der Jagdhornbläsergruppe Schriesheim. Klangvoll machten sie mit einfachen Jagdsignalen bis großartigen Fanfarentönen deutlich: Auch sie sind wieder da – und das musikalische Repertoire der Truppe ist groß, das Können in der Region bekannt.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung