19.11.2021

Höfer entfernte Kranz des "Kulturvereins"

Ein Schmäh-Video auf Youtube zu dem Vorfall am Rande des Volkstrauertags sorgte für einen Eklat.

Von Max Rieser

Schriesheim. Ein verwackeltes Handyvideo, zu sehen auf einem Youtube-Kanal, zeigt Bürgermeister Hansjörg Höfer dabei, wie er am Volkstrauertag einen großen Kranz von der Kriegsopfergedenkstätte wegträgt und an die Seite legt. Eine Stimme aus dem Off fragt: "Zieht der Grünen Bürgermeister Schriesheim, Höfer, das Gedenken anderer in den Dreck?"

Der von Höfer beiseite geräumte Kranz stammt, wie auf einem der Bilder im Video zu sehen ist, vom "Demokratie- und Kulturverein Schriesheim", dessen Vorsitzender AfD-Stadtrat Thomas Kröber ist. Kröber bestätigte auf Nachfrage, dass der Kranz von ihm an der Gedenkstätte abgelegt worden sei. Warum der Bürgermeister den Kranz entfernte, wisse er nicht. Man habe eine kleine Andacht gehalten, zum Start der offiziellen Feier habe Höfer den Kranz dann weggenommen. Ein Blatt mit einer Rede, das ebenfalls im Video zu sehen ist und das am Kranz lag, wurde der RNZ von Kröber bislang nicht zugesendet.

Die Beziehung zwischen "Demokratie- und Kulturverein" und dem Bürgermeister ist schon vorbelastet. Durch die Beiträge des Vereins im Gemeindemitteilungsblatt, die teilweise völkische und nationalistische Züge trugen, entstand die Diskussion um die Richtlinien für Beiträge im "Blättchen", die für Unmut in der Stadt gesorgt hatten. Vor allem für viele Vereine war es nicht nachvollziehbar, dass sie unter den neuen Regeln zu leiden hatten, anstatt dass die problematischen Artikel des "Demokratie- und Kulturvereins" abgelehnt wurden. Der Verein setzt sich laut Satzung unter anderem gegen die "fortschreitenden Erosion deutscher Sprache, Kultur und Lebensart sowie der Verdrängung der deutschen Kultur aus immer mehr Bereichen des modernen Lebens" ein.

Erschienen ist das mittlerweile knapp 2000 Mal angeklickte Video schon an besagtem Volkstrauertag vergangenen Sonntag auf dem Kanal "W.I.M. – Wirtschaft Information Meinung" des Heddesheimers Jürgen Felger. Der Diplom-Volkswirt erklärt, dass er mit dem Projekt "W.I.M." gegen "Staatswirtschaft oder Korporatismus", gegen "geheime Politik-Pläne" und gegen "Zensur" vorgehen möchte. Die Videos Felgers befassen sich zuletzt aber mehr mit Corona-Regeln oder angeblichen Problemen durch Schutzimpfungen, außerdem mit dem Klimawandel und der Politik der Grünen.

Die Videos tragen Titel wie "Klaus Schwab. Will er dir eine Wanze ins Gehirn pflanzen?" oder "Klimakatastrophe? Nieselregen seit heute Morgen." Die 51 Kommentare unter dem einminütigen Clip sprechen eine ähnliche Sprache. Einer kommentiert Höfers Verhalten: "Und der hat von Toleranz geredet? Ausgerechnet heute? Orwell lebt!" Und ein anderer sagt: "Da zeigen sie sich, die Logenmitglieder. An ihren Taten/Symbolen werdet ihr sie erkennen." In einem Statement an die RNZ bezieht der an Corona erkrankte Bürgermeister Stellung – vor allem gegenüber dem Vorwurf, er dulde "kein Gedenken neben sich" und habe vor allem über "Klima, Corona, Migration" gesprochen. Die Bilder seien "losgelöst von dem zugrunde liegenden Zusammenhang dargestellt."

Es sei durchaus nicht unüblich, dass andere Vereine oder Gruppierungen Kränze am Trauertag an der Gedenkstätte niederlegen würden. Jedoch geschehe dies immer in Absprache mit der Verwaltung und erst nach dem offiziellen Teil des Gedenkens. Der Kranz sei nach dem geplanten Programm wieder an die vorherige Stelle gelegt worden. "Ich bedauere es sehr, dass durch die Veröffentlichung dieses Videos der eigentliche Sinn dieses so bedeutsamen Tages in den Hintergrund gerückt wurde", so Höfer weiter. Der Tag sei den Opfern von "Krieg, Gewalt oder anderen Katastrophen" gewidmet. Er sei bestürzt, dass durch das taktische Zusammenschneiden und damit die "gezielte Verzerrung meiner Handlung" die "wichtige Botschaft des Volkstrauertages gefährdet wird".

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung