19.11.2021

Was wo im Einzelhandel in der "Alarmstufe" gilt

Manche Läden wissen es selbst noch nicht, aber etliche haben schon konsequent auf 3G umgestellt. Fast alle fürchten einen neuen Lockdown.

Von Max Rieser

Schriesheim. Wegen der explodierenden Inzidenzwerte gilt seit Mittwoch landesweit die sogenannte Alarmstufe, in der ein Zutritt zu Geschäften des Einzelhandels – also denen, die die Politik als "nicht systemrelevant" ansieht – nur noch Geimpften, Getesteten oder Genesenen (3G) erlaubt ist. Wer genau betroffen ist, das wissen die Läden teilweise selbst noch nicht, wie eine Umfrage der RNZ ergeben hat.

Daniela Schmidt von Blumen Kimmel wartet noch auf Informationen von ihrem Fachverband, dem Zentralverband für Gartenbau. Für ihre Branche mit eigenem Landwirtschaftsbetrieb sei das die verlässlichste Informationsquelle. Da das Geschäft seine Hygienemaßnahmen wie beispielsweise eine "Einbahnstraße" nie abgeschafft hat, fürchtet sie vorerst keine größeren Einschränkungen.

Anders ist es bei Angelika Gottschling von "Blumen Angelika". Da Blumen seit dem letzten Lockdown zu den "lebensnotwendigen" Artikeln gehören, sei sie gerade noch nicht betroffen. Ein neuer "harter" Lockdown wäre das schlimmste, was ihrem Betrieb passieren könnte: "Da drückt es mir richtig den Hals zu." Denn mit unternehmerischem Optimismus habe sie die Weihnachtsartikel bestellt und die Lager gefüllt.

Bei "Wilhelm Müller Haus- und Gartenbedarf" hängen die Schilder für die 3G-Regel schon. Aber eine offizielle Verlautbarung habe sie noch nicht bekommen, sagt Inhaberin Stephanie Parketta. Sie frage aktuell nach, ob ihre Kunden geimpft seien, eine richtige Kontrolle gebe es aber noch nicht. Das sei auch schwierig: "Eigentlich muss dann die ganze Zeit jemand an der Tür stehen." Viele würden den Nachweis aber selbst beim Betreten des Ladens zeigen. Auch sie fürchtet den Lockdown, ist aber erst mal zuversichtlich: "Dass jetzt kurz vor Weihnachten wieder alles zugemacht wird, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Was danach ist, weiß man natürlich nicht."

Petra Spruck von "Peppilello" in der Kirchstraße ist noch unsicher: "So ganz genau weiß ich noch nicht, welche Auflagen ich erfüllen muss." Abstand sei weiterhin erstes Gebot im Laden, und sie limitiert den Zugang auf maximal zwei Personen. Sobald sie mehr Informationen habe, würde sie die Regeln natürlich umsetzen, auch sie fürchtet einen neuerlichen Lockdown: "Wenn ich noch mal zu machen muss, mache ich wahrscheinlich nicht mehr auf", so Spruck. Für sie sei das auch eine persönliche Katastrophe: "Ich werde dann zum Hartz-IV-Fall." Was sie betroffen mache, sei auch, dass mit zweierlei Maß gemessen würde: "Für den Einzelhandel scheinen die Maßnahmen zumutbar zu sein, aber im Stadion dürfen 70.000 Fans zusammen Fußball schauen. Das verstehe ich nicht."

Christl Paul, Mitarbeiterin im Einrichtungsgeschäft "Opus", berichtet, dass auch sie gerade weniger Kunden in den Laden lässt. Ein Schild an der Tür, das ganz ausdrücklich auf die 3G-Regel hinweist, gebe es noch nicht.

Gegenüber, im "Kinderlädchen" von Violaine Munkes, sieht es wieder anders aus. Durch die zahlreichen Baby-Artikel habe auch sie die Information bekommen, dass ihr Geschäft zum "täglichen Bedarf" gehöre und sie vorerst keine weiteren Regeln befolgen müsse. Man merke schon an den Kunden, dass "die Leute wieder vorsichtiger werden". Sie achtet ebenfalls darauf, dass der Laden nicht zu voll werde. Sie findet, dass die Politik wieder zu lang gewartet habe, um zu reagieren, jetzt müssten die drastischen Zahlen "schnell runter". Eine Prognose für die Zukunft wagt sie nicht, hofft aber, dass wenigstens für Geimpfte das Einkaufen weiterhin normal möglich bleibt.

Manuela Riebel ist mit den Regeln in "Ela’s Modeatelier" schon einen Schritt voraus: "Ich habe heute Morgen schon eine Dame ohne Test und Impfung des Ladens verwiesen." Bei ihr gelte 3G, sie kann sich aber auch vorstellen, dass es bald weitere Maßnahmen geben könne: "Ich bin auf alles vorbereitet", sagt sie. Mit einem Lockdown rechnet sie fest: "Wenn man sich die Entwicklung anschaut, ist es Wunschdenken zu glauben, dass wir einen Lockdown umgehen können."

In ihrer Branche würde es sich auch nicht lohnen, ewig geöffnet zu lassen, weil durch die Infektionslage immer weniger Menschen zum Einkaufen kommen würden: "Das kostet nur Strom und Heizung, die meisten gehen nur noch zum Lebensmittelkauf nach draußen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung