26.11.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Versprechen in Ursenbach - Dauerärger um den Bus soll bald enden

Entspannt und gelassen im Odenwalddorf: Beim Abschluss der Kandidatenvorstellungen ging es vor allem um Ortsteilthemen.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Ursenbach. Das Odenwalddorf tut gut – auch den Bürgermeisterkandidaten. Die wirkten im Dorfgemeinschaftshaus vor 20 Bürgern entspannter als noch tags zuvor in Altenbach; auch Helmut Oelschlägers Beiträge waren weniger wirr und vor allem kürzer als die beiden Male zuvor. Überhaupt sind die 160 Ursenbacher und ihr Ortschaftsrat ein harmoniebedürftigeres Völkchen als die Altenbacher Nachbarn. Und so stellte Ortsvorsteherin Inge Pfrang am Ende der eindreiviertel Stunden fest: "Ich habe mir alle drei Kandidatenvorstellungen angeschaut. Heute war es am schönsten." Dem Lob schloss sich auch der Zweite Bürgermeisterstellvertreter Michael Mittelstädt als Moderator an, denn: "Heute war es kürzer als in Schriesheim und Altenbach."

> Die Vorstellungen: Christoph Oeldorf hielt zwar ungefähr dieselbe Rede wie zuvor schon in der Kernstadt und in Altenbach, erlaubte sich aber etliche Ursenbacher Einsprengsel: beispielsweise den Spielplatz, der auch in diesem Ortsteil saniert und dann zu einem "Treffpunkt für Familien" werden soll. Sein Lieblingsthema, die Bedeutung der Vereine, ergänzte er auf Ursenbach gemünzt: Den Sängerchor mit seinen Mitgliederproblemen will er bei der Gewinnung neuer unterstützen, auch die Kerwe müsse fortgeführt werden. Er könne zwar angesichts des Landschaftsschutzgebietes kein neues Baugebiet versprechen, aber vielleicht seien neue Bauplätze "in zweiter Reihe" möglich. Und auch um das Ursenbacher Hauptthema, den unzuverlässigen Bus, will er sich kümmern. "Wenn der nicht fährt, muss sich der Bürgermeister einschalten."

Das sieht auch Fadime Tuncer so, die selbst bei ihrem Haustürwahlkampf im Ortsteil immer wieder mit dem Bus-Problem konfrontiert wurde. Tuncer, die frei redete und in ihren 15 Minuten Redezeit vor allem Ursenbacher Themen ansprach, will den Ortsteil besser an die Kernstadt anbinden. Dem zu hohen Tempo in der Ortsstraße könnte man mit einem mobilen oder gar festen Blitzer begegnen. Auch den beiden Sanierungswünschen Ursenbachs, dem Feuerwehrhaus ("das ist kein Luxus") und der Kapelle, will sie sich nicht versagen. Und die Heckenschneideaktion, bei der auch Feldwege ausgebessert wurden, kann sie sich als Vorbild für den Rest der Stadt vorstellen.

Helmut Oelschläger wollte erst einige Themen der letzten Vorstellungsrunden aufgreifen (Bildung, Energie und Kommunikation mit dem Gemeinderat und den Ortschaftsräten), um dann aber über die Lehrerfortbildung zu referieren – bis ihm die Zeit davonlief und er abbrechen musste.

> Die Fragen: Im Gegensatz zur Altenbacher Vorstellungsrunde wurde am Dienstagabend vor allem nach Themen aus dem Ortsteil gefragt. Da musste Oelschläger meistens bekennen: "Ich kenne mich da nicht aus." Abermals waren Windräder ein Thema – mit den bereits bekannten Antworten (Oeldorf dagegen, Tuncer ergebnisoffen). Einig waren die beiden Kandidaten, wenn es um die Sanierung des Feuerwehrhauses geht – klar dafür. Doch gab es Unterschiede in Sachen Radweg nach Ursenbach: "Klares Ja" seitens Tuncers. Oeldorf hingegen findet, dass "generell jede Ortschaft im Odenwald angebunden" gehört, aber das werde in diesem Fall finanziell schwierig. Denn der Radweg nach Altenbach habe nur deswegen gute Chancen, weil er Teil einer großen Achse von der Bergstraße ins Steinach- und Neckartal sei. Oelschläger, selbst Radfahrer, fragte, ob sich solch eine Verbindung überhaupt rechne. Rolf Pranner aus dem Publikum murrte: "Ganz dünnes Eis!", es folgte Gelächter, aber Oelschläger blieb standhaft: "Ich kann nicht zu allem ja sagen."

Eher uneins waren Tuncer und Oeldorf bei einem Neubaugebiet. Oeldorf sprach eher von "Arrondierungen", denn "Entwicklung ist nicht verkehrt", Tuncer kann sich eine große Erweiterung des Ortsteils "nicht vorstellen". Stattdessen sollten die Leerstände im Ort beseitigt werden. Und Oelschläger erwartet hier "keine große Nachfrage" nach neuen Bauplätzen.

Die Kapelle wollen Oeldorf wie Tuncer neu bauen, nur in ihrem Zeithorizont unterscheiden sie sich marginal: "realistisch in fünf Jahren" (Oeldorf) oder "in drei bis vier Jahren abgeschlossen" (Tuncer).

Klare Worte auch beim Bus: Oeldorf will mit der RNV "ein ernstes Wort reden, denn wir bezahlen für eine Leistung, die nicht erbracht wird". Eventuell könne man den Bus mit einem Ruftaxi kombinieren. Für Tuncer "funktioniert Reden allein nicht", denn die Probleme währen seit Jahrzehnten. Ihre Idee für ein besseres Nahverkehrsangebot: ein Citybus. Und ja, so beide Kandidaten: Der Schulbus müsse zuverlässig fahren; die Kinder am Ursenbacher Hof einfach aussteigen zu lassen, gehe gar nicht.

Ansonsten wurden noch allgemeine Fragen zur Person und zu gesamtstädtischen Themen gestellt: Wie lange wollen die Kandidaten ihr Amt ausüben, oder sehen sie das als Sprungbrett? Auch hier, wie schon so oft: mindestens acht Jahre und keinen Wechsel irgendwohin. Das gilt auch für Oelschläger, aber er ist ja auch schon 67. Werden außer dem Gymnasium auch noch die anderen Schulen saniert? Ja, aber das werde dauern – und man müsse priorisieren und nach Fördertöpfen suchen.

Die interessanteste Frage allerdings war, ob die Kandidaten ein Dienstauto oder ein Dienstrad haben werden. Oelschläger "langt ein Rad", und Tuncer versprach, sie werde auf einen Dienstwagen verzichten und dessen Budget für andere Projekte verwenden. Oeldorf will "das Rad in Schriesheim nutzen, aber ich werde ein Auto brauchen". Dabei will er es so halten wie jetzt in Wilhelmsfeld: Er hat einen Privatwagen, den er auch selbst unterhält, er rechnet aber die Dienstkilometer ab.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung