30.11.2021

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Christoph Oeldorf gewinnt - Wahlausgang deutlicher als erwartet (Update)

Bürgermeisterwahl Schriesheim: Christoph Oeldorf gewinnt - Wahlausgang deutlicher als erwartet (Update)

Christoph Oeldorf. Foto: Peter Dorn
Der 43-Jährige hat am Ende 1000 Stimmen mehr als Fadime Tuncer (52) erhalten.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es war dann am Ende doch nicht ganz so knapp, wie viele prognostiziert hatten: Christoph Oeldorf, unterstützt von der CDU, den Freien Wählern und Teilen der Bürgergemeinschaft, schaffte im ersten Wahlgang 56,3 Prozent. Seine grüne Mitbewerberin, Fadime Tuncer, kam auf knapp 42 Prozent. Beide trennen exakt 1000 Stimmen.

Oeldorf siegte in der Kernstadt (53,8 Prozent), wenn auch etwas schwächer als in Altenbach (62,1 Prozent) oder gar Ursenbach (70 Prozent). Er gewann auch 12 der 14 Wahlbezirke, nur in 2, beide in der Strahlenberger Grundschule, hatte ihn Tuncer überflügelt. Auch in den 5 Briefwahlbezirken lag der amtierende Wilhelmsfelder Bürgermeister vorn.

Das sind die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl am 28. November 2021:

Christoph Oeldorf: 56,27 Prozent (3938 Stimmen)
Fadime Tuncer: 41,98 Prozent (2938 Stimmen)
Helmut Oelschläger: 1,21 Prozent (85 Stimmen)
Samuel Speitelsbach: 0,34 Prozent (13 Stimmen)
Wahlberechtigte: 11.901
Wahlbeteiligung: 59,21 Prozent (7046 Wählerinnen und Wähler)

Um 19.20 Uhr verkündete der Zweite Bürgermeisterstellvertreter Michael Mittelstädt – der an Corona erkrankte Bürgermeister Hansjörg Höfer ist immer noch in häuslicher Quarantäne – das Ergebnis vor dem Rathaus: "Im ersten Wahlgang ist der Bürgermeisterkandidat Christoph Oeldorf gewählt." Und dann folgte ein langer Jubel, denn im Freien hatten sich vor allem dessen Unterstützer versammelt, das "Team Tuncer" war derweil in "Majers Weinscheuer". Allerdings war Tuncer gegen 19.15 Uhr vors Rathaus gekommen, da war bereits ihre Wahlniederlage absehbar. Und, zumindest zu diesem Zeitpunkt, war sie noch gefasst, erst später packten sie dann doch, wieder zurück in der Weinscheuer, ihre Emotionen. "Ja, das ist Demokratie. Natürlich habe ich gehofft, dass ich gewinne", sagte sie, kurz bevor Mittelstädt das Wort ergriff. Dabei drückte sie ihr Arbeitgeber, der grüne Landtagsabgeordnete Uli Sckerl, der seit 18.30 Uhr die Ergebnispräsentation vor dem Rathauseingang verfolgte. Und ihm schwante von Anbeginn nichts Gutes.

Denn schon das erste Ergebnis, das bereits um 18.09 Uhr feststand, war deutlich und ein Vorbote: Ursenbach – hier hatte Tuncer einen besonders intensiven Haustürwahlkampf geführt – stimmte zu 70 Prozent für Oeldorf. Und der Trend zu seinen Gunsten hielt an, und Sckerl schnaufte: "Ich warte noch ein bisschen – auch wenn es gelaufen ist." Oeldorfs Ergebnisse in den Wahllokalen stabilisierten sich deutlich über 50 Prozent, um sich für längere Zeit bei 54 Prozent einzupendeln – bis die Wucht der Briefwähler schließlich noch einmal seine Prozente nach oben zog.

Unterdessen rüsteten sich dessen Unterstützer innerlich für den Erfolg: "Ich bin mehr als zufrieden, das entspricht genau unseren Vorstellungen. Der Verwaltungsfachmann setzt sich durch", sagte der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Bernd Hegmann. CDU-Stadtrat Frank Spingel machte sich diesen Reim auf das Ergebnis: "Der Wähler hat auf die Sachkompetenz Oeldorfs gesetzt." Und auch SPD-Stadtrat Rainer Dellbrügge war "persönlich zufrieden", seine Partei hatte ja bekanntlich keine Wahlempfehlung ausgesprochen. Selbst der erst jüngst zurückgetretene Grünen-Stadtrat Robert Hasenkopf fand klare Worte: "Ich muss den Sieg Oeldorfs anerkennen: Das war ein fairer Wahlkampf, auch wenn ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht – und es auch erwartet habe."

Oeldorf fehlten bei seiner kurzen Ansprache "ein bisschen die Worte". Er dankte seinem Team und will "acht Jahre Schriesheim mit allen gemeinsam gestalten": "Und jetzt lassen wir es krachen!"

Noch ein Wort zur Wahlbeteiligung: Die lag bei 59,2 Prozent, also um zehn Prozentpunkte höher als bei der mäßig spannenden Bürgermeisterwahl 2013, in der Höfer wiedergewählt wurde, nachdem die rechtspopulistische Vergangenheit seines schärfsten Konkurrenten Michael Becker bekanntgeworden waren (worauf ihm CDU, Freie Wähler und FDP die Unterstützung entzogen). Bei der Wahl 2005, als es um die Nachfolge Peter Riehls ging, lag die Beteiligung im ersten Wahlgang bei 65,2 Prozent, im zweiten bei 64,7 Prozent. Insofern stimmte die Prognose von Ordnungsamtsleiter Achim Weitz vom Sonntagnachmittag, der mit einer Wahlbeteiligung von "um die 60 Prozent" gerechnet hatte: "Das ist die normale Höhe, wenn ein Amtsinhaber nicht mehr zur Wahl steht."

Update: Sonntag, 28. November 2021, 21.57 Uhr


19.25 Uhr: Die Wahl ist entschieden – und zwar gleich im ersten Wahlgang. Christoph Oeldorf wird neuer Bürgermeister von Schriesheim und folgt auf Hansjörg Höfer (Grüne), der nach 16 Jahren nicht mehr angetreten war.

Im ersten Wahlgang setzte sich der bisherige Verwaltungschef von Wilhelmsfeld mit absoluter Mehrheit von 56,3 Prozent gegen seine Mitbewerberin Fadime Tuncer durch. Die Erste Bürgermeisterstellvertreterin und Grünen-Stadträtin kam auf knapp 42 Prozent.

Die weiteren Bewerber Helmut Oelschläger aus Wilhelmsfeld (1,2) und Samuel Speitelsbach aus Ravenstein (0,2) beeinflussten das Wahlergebnis nicht entscheidend. 11.901 Schriesheimer waren wahlberechtigt, 59,2 Prozent nutzten das. Oeldorf wurde von den Freien Wählern, der CDU und der "Bürgergemeinschaft" unterstützt. FDP und SPD hatten keine Empfehlung abgegeben.

Das sind die Ergebnisse vom ersten Wahltag am 28. November 2021:

Christoph Oeldorf: 56,27 Prozent (3938 Stimmen)
Fadime Tuncer: 41,98 Prozent (2938 Stimmen)
Helmut Oelschläger: 1,21 Prozent (85 Stimmen)
Samuel Speitelsbach: 0,34 Prozent (13 Stimmen)
Wahlberechtigte: 11.901
Wahlbeteiligung: 59,21 Prozent (7.046 Wählerinnen und Wähler)

19.19 Uhr: So, es kann eigentlich nicht mehr lange dauern, bis Michael Mittelstädt das Endergebnis der Bürgermeisterwahl in Schriesheim bekannt gibt. Draußen beginnt es leicht zu tröpfeln. Aber die Bürger - vor allem auch viele Stadträte - harren jetzt vor dem Rathaus aus. Auch Feuerwehrkommandant Oliver Scherer ist anwesend - wie es sich gehört in Uniform.

19.10 Uhr: Derzeitiger Zwischenstand ohne Briefwahlbezirke

Christoph Oeldorf: 2488 Stimmen, 54,18 Prozent
Fadime Tuncer: 2013 Stimmen, 43,84 Prozent
Samuel Speitelsbach: 10 Stimmen, 0,22 Prozent
Helmut Oelschläger: 70 Stimmen, 1,52 Prozent

19.05 Uhr: Gebanntes Warten hier bei der Bürgermeisterwahl in Schriesheim auf das Endergebnis. Zum Glück haben wir hier im Rathaus-Foyer einen warmen Platz zum Schreiben. Aber wir gehen auch gleich wieder raus vor die Tür. Denn da werden schließlich die Ergebnisse auf zwei Bildschirme übertragen, und auch das Mikro für Michael Mittelstädt ist schon aufgestellt, damit er das Endergebnis verkünden kann. Alles spricht für Oeldorf. Fadime Tuncer ist übrigens noch gar nicht da. Es hieß, sie verfolge die Auszählung in Mayers Weinscheuer.

18.50 Uhr: Jetzt ist Christoph Oeldorf vor dem Rathaus eingetroffen. Der Rathausplatz hat sich doch noch etwas gefüllt. Es bleibt aber überschaubar. Die ersten Wahlhelfer verabschieden sich in den Feierabend. Lange kann es nicht mehr dauern, bis auch die Briefwahlbezirke der ausgezählt sind.

18.45 Uhr: Die Urnenwahl ist ausgezählt bei der #Bürgermeisterwahl in #Schriesheim. Danach vereint Christoph Oeldorf 54,2 Prozent der Stimmen auf sich, Fadime Tuner hat sich mit 43,8 Prozent nur leicht verbessert, Oeldorfs Vorsprung aber nicht wirklich gefährdet. Helmut Oelschlägers 1,5 Prozent haben (bislang noch) keine Auswirkung auf die absolute Mehrheit. Samuel Speitelsbach erhielt 0,2 Prozent. Jetzt warten wir gespannt auf das Ergebnis der Briefwahlbezirke.

18.40 Uhr: 15 von 19 Wahlbezirken sind bei der #Bürgermeisterwahl in #Schriesheim ausgezählt. Christoph Oeldorf hält seinen Vorsprung mit 54,7 Prozent vor Fadime Tuncer (43,3 Prozent). Helmut Oelschläger pendelt sich bei 1,5 Prozent ein, Samuel Speitelsbach hat bislang 0,23 Prozent bekommen. Liselore Breitenreicher (Bürgergemeinschaft) kommt vorbei: "Es sieht gut aus."

18.35 Uhr: Es geht schnell hier in Schriesheim bei der Bürgermeisterwahl: Oeldorf liegt mit 54,79 Prozent vorne, Tuncer mit 43 Prozent dahinter. Das ist eigentlich schon deutlich. Aber entschieden ist noch nichts. Oelschläger hat immerhin 1,6 Prozent bislang geholt. Speitelsbach hat nur ein paar Stimmen.

18.30 Uhr: Nach neun von 19 Wahlbezirken sieht es bei der #Bürgermeisterwahl in #Schriesheim so aus: Oeldorf 54,8 Prozent, Tuncer 43,3 Prozent - und Oelschläger hat tatsächlich 1,57 Prozent bislang. Sind das die Stimmen, die Tuncer oder Oeldorf am Ende zur absoluten Mehrheit fehlen? Es bleibt spannend! Zumal es am Ende auch auf die Briefwahlbezirke ankommt.

18.13 Uhr: Ursenbach ist da. Christoph Oeldorf holt sich den kleinsten Schriesheimer Ortsteil mit 70 Prozent. Fadime Tuncer kommt auf 26,7 Prozent. 118 Ursenbacher waren stimmberechtigt, 60 sind wählen gegangen.


Die Kandidierenden:

> Fadime Tuncer (52, Grüne Liste), seit 2009 Stadträtin und seit 2019 Bürgermeisterstellvertreterin; sie arbeitet als als Wahlkreisreferentin des grünen Landtagsabgeordneten Uli Sckerl. Fadime Tuncer wurde 1969 in der zentralanatolischen Stadt Sivas geboren, 1975 übersiedelte die Familie nach Mannheim, wo Tuncer am Ursulinen-Gymnasium ihr Abitur machte.

Ab 1991 studierte sie zunächst Jura in Mannheim und in Heidelberg, schließlich ab 1999 Politikwissenschaft, Soziologie und Öffentliches Recht in Heidelberg; hier machte sie 2005 ihren Magister. Schon zu Studienzeiten zog sie 1996 nach Schriesheim, hier heiratete sie, und hier werden auch ihre beiden Kinder, eine Tochter und ein Sohn, groß. Vor 20 Jahren wurden das Ehepaar eingebürgert – und seitdem können beide endlich wählen. 2005 organisierte sie den ersten Bürgermeisterwahlkampf Hansjörg Höfers.


> Christoph Oeldorf (43), wird unterstützt von CDU, Freien Wählern und Teilen der Bürgergemeinschaft. Er selbst ist Mitglied der Freien Wähler Hirschberg und der Landes-CDU, seit 2017 Bürgermeister in Wilhelmsfeld. In Leutershausen wuchs Christoph Oeldorf auf und engagierte sich erst im Sport – als Handballer bei der SGL –, von 2014 bis 2017 auch politisch, als Gemeinderat der Freien Wähler Hirschberg. Oeldorf ging von der fünften bis zur zehnten Klasse auf das Kurpfalz-Gymnasium, seinen Abschluss machte er auf dem Weinheimer Wirtschaftsgymnasium.
Nach dem Zivildienst in Weinheim studierte er zunächst Jura in Mannheim, arbeite als Werkstudent bei der SAP und studierte in Heidelberg ab 2011 Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Südasien. Nach Stationen im Entwicklungsministerium und in der Entwicklungshilfe kam Oeldorf zur Arbeitsagentur. Dort war er bis zum Bürgermeisteramt in Wilhelmsfeld stellvertretender Dienststellenleiter in Weinheim. Zeitgleich absolvierte er an der Hochschule Kehl einen Masterstudiengang für Führungskräfte in der Verwaltung, den er 2019 abschloss.
Oeldorf ist verheiratet, mit seiner Frau erwartet er das erste Kind, das im Dezember auf die Welt kommen soll. Das Paar wohnt in Wilhelmsfeld.

> Die Wahlberechtigten: 11.900 Schriesheimer sind wahlberechtigt, etwa so viele wie bei der Bürgermeisterwahl 2013, aber etwa 700 mehr als noch bei der Bundestagswahl am 26. September. Der Grund: Es dürfen auch Jugendliche über 16 Jahre und EU-Bürger wählen.

> Die Wahlbeteiligung: Briefwahl haben, Stand Donnerstagmorgen, 3681 Bürger beantragt, also 31 Prozent. Bei der Bundestagswahl lag der Anteil der Briefwähler bei 48,74 Prozent.
Bei der 2013er Bürgermeisterwahl stimmten 49,2 Prozent der Wahlberechtigten ab, 2005 waren es beim ersten Wahlgang 65,3 Prozent, beim zweiten Wahlgang 64,7 Prozent.

Hintergrund und Fakten:

> Amtsinhaber Hansjörg Höfer (65, Grüne Liste) kandidiert nach zwei Amtszeiten nicht mehr.

> Die Wahl am 28. November: Es gibt etwa 12.000 Wahlberechtigte (zum Vergleich Bundestagswahl vom 26. September: 11.292), darunter etwa 280 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren sowie etwa 600 EU-Bürger.

> Die Stärke der politischen Gruppierungen: Grüne Liste: 32,53 Prozent CDU: 20,67 Prozent Freie Wähler: 18,80 Prozent SPD: 15,27 Prozent FDP: 6,06 Prozent AfD: 3,41 Prozent Bürgergemeinschaft Schriesheim: 3,26 Prozent (Ergebnisse der Kommunalwahl 2019).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung