14.12.2021

Schriesheim/Heppenheim: Von Zusammenarbeit bis Fusion ist alles drin

Schriesheim/Heppenheim: Von Zusammenarbeit bis Fusion ist alles drin

Die Bergsträßer Winzergenossenschaften wollen stärker zusammenarbeiten, das erklärten (v.l.) am Montag von Seiten der Schriesheimer Winzergenossenschaft Winfried Krämer (Aufsichtratsvorsitzender) und Manuel Bretschi (Geschäftsführer) sowie von Seiten der Bergsträßer Winzer aus Heppenheim – wo auch das Gespräch stattfand – Patrick Staub (Geschäftsführender Vorstand), Reinhard Antes (Vorstandsvorsitzender) und Bernhard Boppel (Aufsichtsratsvorsitzender). Foto: Dorn
Die Winzergenossenschaft Schriesheim will mit der in Heppenheim kooperieren. Die Machbarkeitsstudie soll bis zum nächsten Herbst fertig sein.

Von Micha Hörnle

Schriesheim/Heppenheim. An der Bergstraße brodelt seit einiger Zeit die Gerüchteküche: Die beiden großen Winzergenossenschaften, die in Schriesheim und die in Heppenheim, wollen sich zusammentun. Wie weit die Zusammenarbeit geht – vielleicht sogar hin zu Fusion – soll eine Machbarkeitsstudie ergeben. Am Montagmorgen stellten die Spitzen beider Genossenschaften das Vorhaben der engeren Kooperation vor, eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse im nächsten Herbst vorliegen sollen.

Es soll eine Zusammenarbeit "auf Augenhöhe" sein, wie Manuel Bretschi, der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft (WG) Schriesheim, sagte. Man wolle in erster Linie "Synergien prüfen", also die Effizienz beider Genossenschaften erhöhen – sei es bei der Produktion, dem Vertrieb oder der Verwaltung. Wobei er gleich mehrfach von einer "engen Zusammenarbeit" sprach und das (Reiz-)Wort "Fusion" vermied.

Für die Kooperation mit den Heppenheimern spreche die "natürliche Einheit der Weinbauregion Bergstraße", "die gleiche Betriebsphilosophie", also eine Konzentration auf qualitativ hochwertige Weine – und schließlich seien beide Genossenschaften auch Marktführer; zusammen bewirtschaftete man dann knapp die Hälfte der Rebfläche an der hessischen und badischen Bergstraße. Auch von der Betriebsgröße und der Altersstruktur der Weinberge seien beide Genossenschaften vergleichbar. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Schriesheimer WG, Winfried Krämer, lieferte weitere Argumente: So sei Heppenheim einfach näher als das 200 Kilometer entfernte Breisach, wohin die Schriesheimer ihre gekelterten Trauben fahren müssen, denn seit 1970 werden in Südbaden ihre Weine ausgebaut.

Und nicht zuletzt: Durch diese Zusammenarbeit werde die "Marke Bergstraße" zugkräftiger und ließe sich auch besser touristisch vermarkten: "Ich sehe ein großes Potenzial der Gesamtregion Bergstraße, um bundesweit bekannt zu werden", so Staub. Und nicht zuletzt haben diese beiden Genossenschaften dieselben Probleme, so Bretschi: tendenzielle Überalterung und weniger, aber dafür größere Betriebe.

Sowohl in Heppenheim wie auch in Schriesheim seien die Mitglieder "einstimmig für eine Intensivierung der Gespräche" (Bretschi) gewesen, die "ersten Reaktionen aus Politik, Banken und Gremien fielen durchweg positiv aus und machen Mut, den begonnenen Weg weiter zu beschreiten", heißt es in der Pressemitteilung, die am Montag verteilt wurde. Ja, und was ist nun mit einer Fusion? "Das können wir zum jetzigen Stand noch nicht sagen, diese Frage ist aktuell noch offen", so Bretschi. Und sein Heppenheimer Amtskollege Patrick Staub bestätigte: "Das ist konkret noch nicht der Fall." Am Ende, so Staub, entschieden die jeweiligen Mitglieder, die Genossenschaften seien ja basisdemokratisch verfasst. Im Moment gäbe es lediglich "Sondierungsgespräche, ob eine Zusammenarbeit an der Bergstraße Sinn macht". Dabei werde an einer Machbarkeitsstudie gearbeitet, deren Ergebnis noch nicht vorliegt. Das wird erst im nächsten Herbst so weit sein. Vorsorglich nahm Krämer potenziellen Kritikern den Wind aus den Segeln: "Hier ist keiner der Zahlmeister der anderen. Beiden Genossenschaften geht es gut."

Ist diese Kooperation nun ein Abschied der Schriesheimer von Breisach? In Teilen schon – auch wenn die Pressemittelung zur verstärkten Kooperation der Bergsträßer auch im Namen des Badischen Winzerkellers mitverfasst wurde. Laut Staub gibt es in Heppenheim noch genügend Produktionskapazitäten, dass die Schriesheimer hier ihre Weine ausbauen können: Das würde Zeit und Kosten sparen – und man könne die Weine dann auch besser regional vermarkten. Breisach hätte dann eher seine Berechtigung, die Bergsträßer Weine im Einzelhandel zu positionieren, während die die Genossenschaften auf die Selbstvermarktung konzentrierten. "Unsere Zusammenarbeit ist nicht gegen Breisach gerichtet", betont auch der Heppenheimer Vorstandsvorsitzende Reinhard Antes.

Die Landesgrenze sei für eine Zusammenarbeit kein Hindernis, denn schon seit den fünfziger Jahren liefern die Laudenbacher und Hemsbacher Winzer nach Heppenheim ab. Und besteht die Chance, dass es wieder ein gemeinsames Weinanbaugebiet Bergstraße gibt? Rechtlich sei das "kein Hindernis", so Antes, aber da seien noch dicke Bretter zu bohren, und auch die Weingüter müssten mitspielen. Jetzt stehe erst einmal "eine kleine Wiedervereinigung" an.

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Die Weinverkaufsstelle, die in der Schriesheimer Altstadt etwas versteckt ist. Foto: Dorn

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Es soll eine „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ werden, aber allein die beiden Zentralen der Winzergenossenschaften unterscheiden sich ganz augenscheinlich: links das 2014 eingeweihte „Viniversum“ in Heppenheim, direkt an der B 3 gelegen. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung