16.12.2021

"Edelstein"-Umzug aufs Gärtner-Areal ist geplatzt

"Edelstein"-Umzug aufs Gärtner-Areal ist geplatzt

Vor eineinhalb Jahren wurde der Plan publik, wonach das marode Seniorenheim „Edelstein“ in der Talstraße umziehen sollte. Foto: Dorn
Nach dem Rückzug des Investors aus dem Projekt sieht die Stadt keine weitere Geschäftsgrundlage mit dem Betreiber.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Die letzten Wochen waren für das ambitionierteste und wohl auch wichtigste städtebauliche Projekt in der Stadt, den Umzug des "Edelstein" aufs Gärtner-Gelände", nicht einfach: Zunächst äußerte die Grüne Liste ihre Generalkritik an den Neubauplänen des "Edelstein"-Betreibers SWB und seines Geschäftsführers Hubertus Seidler auf dem Gelände des ehemaligen Autohauses an der B3. Es seien zu viele Fragen, gerade bei den Stellplätzen, noch offen, außerdem sei das Projekt zu überdimensioniert und vielleicht auch nicht mehr zeitgemäß.

Allerdings scharte sich eine politische Mehrheit aus CDU, Freien Wählern und SPD hinter der Umzugsidee, man hoffte auf weitere Gespräche mit dem Investor, der Baufirma Heberger aus Schifferstadt, und Seidler. Die Geschäftsgrundlage der Stadtverwaltung und der Mehrheitsfraktionen ist das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbs vom Frühjahr: Das Karlsruher Architekturbüro SWS plante vier Häuser (samt Innenhof) mit bis zu fünf Stockwerken – ungefähr so hoch wie die Blöcke am OEG-Bahnhof. Allerdings bekam der Architekt nicht alle vom Investor geforderten 110 bis 140 Wohnungen unter, sondern nur 105.

Alle Hoffnungen ruhten auf der nicht-öffentlichen Sitzung des Gestaltungsbeirats am 2. Dezember. Doch in der Zwischenzeit gab es einen schweren Rückschlag: Heberger zog sich aus dem Projekt in Schriesheim zurück. Wieso, dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen; die Baufirma war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Laut "Edelstein"-Betreiber Seidler, der vorher immer zusammen mit Heberger aufgetreten war, rechnete sich der Neubau nicht mehr – auch wegen der teuren Tiefgarage, die wegen des Schriesheimer Stellplatzschlüssels unumgänglich war. "Das war ein ganz massiver Kostenblock, den Heberger nicht stemmen konnte", so Seidler. Andere "gut informierte Kreise", wie es so schon heißt, behaupten, dass Heberger mit Seidler nicht mehr bauen wollte. Zudem habe kurz zuvor der für das Schriesheimer Projekt zuständige Markus Effler, Geschäftsführer der Heberger-Immobilien, die Firma verlassen.

Nun nahte der 2. Dezember. Doch bei dieser Sitzung war nur Klaus Gärtner da, nicht aber Seidler, der eigentlich sagen sollte, wie es weitergeht, zumal er, wie er sagt, sich als "Betreiber und Investor angeboten" habe: "Ich konnte coronabedingt nicht kommen." Statt dessen erreichte das Rathaus eine überraschende E-Mail: Seidler plant auf einmal nur noch Betreutes Wohnen, aber keine Pflegeplätze mehr auf dem Gärtner-Gelände. Das wurde offenbar als schwerer Vertrauensbruch empfunden, zumal ja Seidler selbst mit der Kombination aus Betreutem Wohnen und Pflege geworben hatte – mit dem Vorteil, dass die Bewohner nicht mehr umziehen müssten, sobald sie pflegebedürftig wären. Seidler begründet seine überraschende Wendung rein wirtschaftlich: "Bei der stationären Pflege sind die baulichen Voraussetzungen viel höher, das wäre nicht mehr wirtschaftlich gewesen. Betreutes Wohnen ist viel günstiger zu bauen und zu betreiben. Wenn es sich nicht rechnet, rechnet es sich nicht."

Daraufhin entschloss sich die Stadtverwaltung, "mit uns nicht mehr zu reden, sondern nur noch mit Gärtner", so Seidler gestern zur RNZ. Ihm werde unterstellt, am Ende kein Konzept für den Neubau vorgelegt zu haben – was er allerdings bestreitet.

Das Rathaus und Gärtner gaben sich auf RNZ-Anfragen wortkarg, man bereite eine mit Gärtner abgestimmte Pressemitteilung vor. Die kam am Mittwochnachmittag, und darin heißt es: "Nunmehr hat sich der Investor dazu entschlossen, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. In Folge dessen kann die Realisierung des Siegermodells mit Unterbringung einer Pflegeeinrichtung nicht wie geplant umgesetzt werden."

Und wie geht es nun weiter? Dazu schreibt das Rathaus knapp: "Die Stadt Schriesheim und der Grundstückseigentümer des Anwesens befinden sich weiter im engen Austausch, um eine einvernehmliche Lösung bezüglich der künftigen Entwicklung des Areals zu finden." Wie die RNZ erfuhr, sind in diesen Tagen erste Gespräche mit Gärtner angesetzt – in der Hoffnung, doch noch eine Senioreneinrichtung auf seinem Areal möglich zu machen, wenn auch mit einem anderen Betreiber als Seidler. Denn zwar sieht das Rathaus durchaus Bedarf für Betreutes Wohnen in der Stadt, aber eben auch für Pflegeplätze. Dem stimmt übrigens ausdrücklich auch Seidler zu: "Der Markt dafür ist da."

Und was macht Seidler nun mit dem "Edelstein"? Zunächst hat er bei der Heimaufsichtbehörde einen Antrag gestellt, die Einrichtung über den 31. Dezember hinaus betreiben zu dürfen. Und je nachdem, wie der Bescheid ausfällt, hofft er noch auf ein paar Jahre in der Talstraße. Dann allerdings würde sich die Frage nach einem Neubau an diesem Standort stellen. Doch daran arbeitete er vergeblich, seitdem er das "Edelstein" vor knapp fünf Jahren kaufte. Bisher wurden alle seine Planungen seitens der Kommunalpolitik abgelehnt – da viel zu massiv (RNZ vom 16. April 2017). Diese schwierigen Planungen verdrießen Seidler genauso wie die Weigerung der Stadtverwaltung, mit ihm weiterzuarbeiten: "Ich habe vier Jahre herumgeplant und dafür 160.000 Euro ausgegeben. So eine Unverschämtheit habe ich noch nie erlebt!"

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Das Heim sollte einen Neubau auf dem Areal des ehemaligen Autohauses Gärtner an der B 3 erhalten. Momentan befindet sich hier das Corona-Test- und Impfzentrum der „Dok:Tor“-Hausarztpraxis. Der „Grundstücksdeal“ ist nun erst einmal geplatzt. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung