20.12.2021

Das Heinrich-Sigmund-Gymnasium und die Pandemie-Herausforderungen

"Die Pandemie ist noch nicht vorbei, aber die Rahmenbedingungen sind besser", sagt Rektor Dr. Wolfgang Metzer im Interview.

Von Maren Schenk

Schriesheim. Die Rahmenbedingungen in der Corona-Pandemie haben sich zwar verbessert, aber die Schulen sind weiterhin deutlich von der Normalität entfernt. Dies erklärt Dr. Wolfgang Metzger, der Leiter des privaten Heinrich-Sigmund-Gymnasiums (HSG), im RNZ-Interview.

Die Weihnachtsferien stehen vor der Tür, ein wechselhaftes erstes Schulhalbjahr liegt bald hinter Ihnen. Angefangen hatte es gut: Zu Beginn durften wieder Veranstaltungen, Ausflüge und Exkursionen – zumindest innerhalb Deutschlands – stattfinden; inzwischen wurden diese vom Kultusministerium wieder untersagt. Was ermöglichten Sie den Schülern zu Beginn des Schuljahres?
Wir haben das Schuljahr mit viel Normalität angefangen: mit einem Sportfest und den Bundesjugendspielen, die im letzten Schuljahr nicht möglich waren. Außerdem war bis zu den Herbstferien bereits mindestens die Hälfte der Schüler auf Exkursion: beispielsweise Fünftklässler in Speyer, die zehnten Klassen in Berlin und der Abiturjahrgang in der Eifel.

Nun sind die Infektionszahlen wieder gestiegen, und einige Erleichterungen wieder abgeschafft – wie die Aussetzung der Maskenpflicht am Platz. Wie ist die Corona-Lage zurzeit am Heinrich-Sigmund-Gymnasium?
Derzeit haben wir keine aktiven Infektionsfälle an der Schule. Aber wir hatten vor den Herbstferien eine Clusterbildung, nach den Herbstferien dann einzelne Fälle bei Kindern, die sich in der Familie angesteckt hatten, zum Beispiel bei ihren kleineren ungeimpften Geschwistern. Auch Impfdurchbrüche bei Schülern und Lehrern kamen vor.

Clusterbildung bedeutet, dass mehrere Schüler einer Klasse infiziert sind. Waren viele Klassen am HSG betroffen?
Nein. Wir hatten vor den Herbstferien sieben positiv getestete Schüler der Kursstufe eins (Klasse 12) – da hat sich dann die gesamte Stufe freiwillig für Digitalunterricht entschieden, somit war die gesamte Kursstufe zu Hause. Bei der Kursstufe zwei, die nächstes Jahr Abitur macht (Klasse 13), waren es glücklicherweise nur zwei positive Fälle. Seither hatten wir nur vereinzelte Fälle in den Klassen.

Die Testpflicht in diesem Schuljahr bedeutet zwei PCR-Tests oder drei Antigen-Schnelltests pro Woche – für alle Schüler oder nur für nicht geimpfte und nicht genesene?
Vor den Herbstferien testeten wir alle nicht geimpften und nicht genesenen Schülerinnen und Schüler dreimal die Woche mit den Schnelltests, die die Stadt zur Verfügung stellt: Montag, Mittwoch und Freitag jeweils in der ersten Stunde. Inzwischen werden alles Schüler dreimal wöchentlich getestet, alle Lehrkräfte mindestens zweimal die Woche – die meisten Lehrer testen sich aber freiwillig häufiger. Für die Schulverwaltung bedeuten das Testen und positive Fälle einen großen Zeitaufwand – viele Telefonate mit Eltern, dem Kreis und dem Gesundheitsamt … Aber die neuen Vorgaben wirken sich positiv auf den Präsenzunterricht aus: Bei einem positiv getesteten Schüler müssen nicht alle Mitschüler einer Klasse automatisch zu Hause bleiben, sondern sich in der Schule täglich testen. Die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei – aber die Rahmenbedingungen sind besser als im letzten Schuljahr.

Welches sind die "besseren Rahmenbedingungen"?
Zum einen sind viel mehr Menschen geimpft – im Lehrerkollegium bei uns sind es mehr als 95 Prozent, auch zunehmend Schülerinnen und Schüler. Außerdem hält das Kultusministerium an der Testpflicht fest – und finanziert das Testen auch. Kultusministerin Theresa Schopper versucht mit vielen Mitteln, den Präsenzunterricht zu gewährleisten. Das ist gut.

Also ist Testen auch ein Schritt hin zur Normalität, zu mehr Präsenzunterricht.
Auf den ersten Blick gibt es wieder weitgehend normalen Unterricht – aber von der Normalität sind wir noch weit entfernt! Der Zeitbedarf für das Testen ist hoch – diese Zeit fehlt für die Bewältigung des Unterrichtsstoffs. Auch das regelmäßige Stoßlüften alle 20 Minuten und das Lüften, wenn die CO2-Ampel Gelb oder Rot zeigt, unterbricht den Unterricht. Insgesamt wird vermutlich wieder nicht so viel Stoff vermittelt wie in einem normalen Schuljahr. Die Defizite bei der Bewältigung des Lehrplans im vergangenen Schuljahr – mit Schulschließung und Fernunterricht – sind zwar nicht extrem groß, aber vorhanden.

Setzen Sie in allen Klassenzimmern CO2-Ampeln ein?
Wir haben für alle Unterstufen-Klassenräume CO2-Ampeln angeschafft. Außerdem sind inzwischen alle Fenster saniert, sodass Stoßlüften möglich ist. Das Lüften nach der Ampel nützt – davon konnten sich auch die Eltern überzeugen: während der Elternabende im Schulgebäude zu Beginn des Schuljahres. Je nach Unterrichtsform springt die Ampel früher oder später auf Gelb oder Rot und zeigt damit an, dass es Zeit fürs Stoßlüften ist (Anm. d. Red.: Eine hohe CO2-Konzentration im Klassenzimmer zeigt, dass die Luft "verbraucht" ist und mit Aerosolen angereichert sein kann). Zusätzlich haben wir seit Kurzem vier Luftreinigungsgeräte im Einsatz.

In welchen Räumen haben Sie Luftreinigungsgeräte?
Die Luftreiniger haben wir in vier Sälen im Einsatz: in der Mensa, im Musiksaal und in den Physiksälen.

Gibt es noch das normale Mensa-Angebot, oder mussten pandemiebedingt schon Abstriche gemacht werden?
Das frische Salatbuffet gibt es derzeit nicht, dafür haben wir mehr Angebote für warme Essen.

Aus verschiedenen Quellen gab es Geld für die Digitalisierung von Schulen. Wie haben Sie diese Gelder eingesetzt?
Inzwischen konnten wir für alle Schülerinnen und Schüler der fünften und sechsten Klassen Laptops anschaffen. Außerdem haben wir noch Anträge für weitere Tafeln gestellt, die digitalen Unterricht ermöglichen. Wir gehen davon aus, dass die Anträge auch genehmigt werden. Wir haben solche Tafeln schon in vielen Klassenzimmern, aber noch nicht in allen.

Halten Sie weiterhin freitags am Fernunterricht fest, damit die Schüler im "Training" für den Fernunterricht bleiben wie im letzten Schuljahr?
Nicht mehr generell: Sowohl die fünften und sechsten Klassen als auch die beiden Kursstufen erhalten jeden Freitag Präsenzunterricht, die anderen Klassen sieben bis elf erhalten dreimal im Monat freitags digitalen Unterricht – um im "Training" für eine mögliche Schulschließung mit Fernunterricht zu bleiben. Das klappt gut, aber im nächsten Schuljahr soll auch freitags wieder mehr Präsenzunterricht stattfinden. Denn es fehlen zum Beispiel die AGs, die sonst immer in den letzten beiden Stunden am Freitag stattfanden. Diese werden schmerzlich vermisst.

Der Abiturjahrgang 2021 war ziemlich klein, nur 14 Abiturientinnen …
Ja, das war unser letzter G 8-Jahrgang. Die Abiturientinnen und Abiturienten 2022 sind die ersten, die wieder neun Jahre im Gymnasium unterrichtet wurden – insgesamt 29 Schülerinnen und Schüler. Im Jahr 2023 werden dann voraussichtlich 40 Jugendliche das Abitur ablegen.

Hintergrund: Heinrich-Sigmund-Gymnasium

Die private Einrichtung wird von einem Schulleitungsteam geführt: von Schulleiter Dr. Wolfgang Metzger und seinen Stellvertretern, seinem Sohn Daniel Metzger, Vanessa Bach und Dieter Rösch. Veruschka Metzger leitet die Schulverwaltung zusammen mit Tochter Patricia Yilmaz und Anna Ewald.
> Schülerzahl: 375
> Davon Fünftklässler: 40 (in zwei Klassen)
> Lehrkräfte: 36
> Weitere Informationen: www.hsg-schriesheim.de (mank)

Copyright (c) rnz-online

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung