22.12.2021

Bürgermeisterwahl Heddesheim: Kandidiert der Schriesheimer Ordnungsamtsleiter?

Bürgermeisterwahl Heddesheim: Kandidiert der Schriesheimer Ordnungsamtsleiter?

Im Oktober 2018 stellte Bürgermeister Hansjörg Höfer (r.) Achim Weitz als neuen Leiter des Ordnungsamtes vor. Foto: Dorn
Es gibt offenbar einen fünften Bewerber, und das ist wohl Achim Weitz. Am Mittwoch gibt die CDU bekannt, wen sie unterstützt.

Schriesheim. (hö) Es mehren sich die Anzeichen, dass Ordnungsamtsleiter Achim Weitz Bürgermeisterkandidat in Heddesheim werden könnte. In der Dienstagsausgabe berichtete der "Mannheimer Morgen", dass im Rathausbriefkasten eine weitere Bewerbung – neben den bekannten vier – eingeworfen worden sei. Um wen es sich dabei handelt, sagte Ordnungsamtsleiterin Silke Schmidt – die Nachfolgerin von Weitz, der selbst lange auf dem Heddesheimer Ordnungsamt gearbeitet hatte – nicht. Nach Informationen des "Mannheimer Morgen" soll es sich um Achim Weitz handeln. Der wollte gegenüber der RNZ am gestrigen Dienstag keine Stellungnahme abgeben.

Der Heddesheimer CDU-Vorsitzende Rainer Heger wollte gegenüber der RNZ keine Namen nennen, bestätigte aber, dass zwei parteilose Kandidaten seine Partei gebeten hätten, sie zu unterstützen. Dabei handelt es sich offensichtlich um Achim Weitz (49) und den Weinheimer Norbert Hölscher (49), der Leiter des Job-Centers des Rhein-Neckar-Kreises ist. Die Entscheidung fiel am Dienstagabend in einer nicht-öffentlichen Mitgliederversammlung und soll am Mittwochmorgen per Pressemitteilung bekannt gegeben werden. Auch wenn Hege zu Personalien nichts sagen wollte, findet er parteilose Kandidaten auf dem CDU-Ticket eine gute Idee und hält er "einen Verwaltungsfachmann für keinen Fehler, gerade in dieser Corona-Zeit". Verwaltungsfachleute wären sowohl Weitz als auch Hölscher; zudem sind beide parteilos.

Die Verbindungen von Achim Weitz nach Heddesheim sind eng: Sein Vater Rolf Weitz war lange Jahre Sozial- und Ordnungsamtsleiter, sein Onkel Hans-Joachim Weitz saß 34 Jahre lang, von 1975 bis 2009, für die CDU im Gemeinderat und war auch fünf Jahre lang Bürgermeisterstellvertreter. Bekannt ist Hans-Joachim Weitz vor allem für seine Ortschronik Heddesheims.

Achim Weitz begann seine Berufskarriere in Heddesheim. 1972 in Mannheim geboren, wuchs er in Ladenburg auf, machte am Carl-Benz-Gymnasium sein Abitur, bevor er an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl sein Studium zum Diplom-Verwaltungswirt begann. Nach praktischen Stationen bei der Stadt Ladenburg und im Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises legte Weitz 1995 seine Prüfung ab. Im selben Jahr wechselte Weitz zur Gemeinde Heddesheim, in die Abteilung Finanzen und Liegenschaften. Vier Jahre später wurde er zum Ordnungsamtsleiter gewählt. Das blieb er 15 Jahre lang, bevor er 2014 zur Stadt Köln wechselte – zunächst ins Ausländer-, später ins Wahlamt.

Seit dem 1. Oktober 2018 ist Weitz Leiter des Ordnungsamts in Schriesheim – mittlerweile lebt er in Neckarhausen – und erwarb sich dort den Ruf eines pragmatischen Machers und kompetenten Ansprechpartners. Gerade in der Pandemie bewährte er sich mit seiner unaufgeregten Art und erwarb sich gerade bei den Vereinen viel Anerkennung. Gerüchteweise wurde er auch seitens der CDU für die Schriesheimer Bürgermeisterwahl angefragt, er soll aber abgelehnt haben.

Zurück zur Heddesheimer Bürgermeisterwahl: Nach jetzigem Stand stehen vier Kandidaten fest, da Michel Kessler (SPD) nach 24 Jahren nicht mehr antritt: Als Erster warf der langjährige SPD-Gemeinderat Daniel Gerstner (41), ein Projektmanager, im Oktober seinen Hut in den Ring, wenige Tage später folgte sein FDP-Ratskollege Thomas Köber (55), ebenfalls ein Projektmanager. Ende November erklärte für die Grünen der Viernheimer Schulleiter Jens Römer (52) seine Kandidatur, Anfang Dezember der parteilose Hölscher. Am 20. März wird gewählt.

Heddesheim gilt kommunalpolitisch als ausgesprochen attraktive Gemeinde mit 11.500 Einwohnern. Mit hohen Gewerbesteuererträgen durch das Industriegebiet gilt die Kommune als relativ wohlhabend – zumindest im Vergleich zur "armen" Bergstraße. In den letzten Jahren wurde viel in die Ortsmitte und die Infrastruktur wie die Kindergärten und die Sportanlagen investiert – und zwar ohne Schulden zu machen –, die Einwohnerzahl wächst. Der Gemeinderat, in dem meist konstruktiv diskutiert wird, ist vergleichsweise wenig zersplittert: Hier sind die einst dominierende CDU (32,7 Prozent bei der Kommunalwahl 2019), Grüne (28,6 Prozent) und SPD (25,6 Prozent) in etwa gleich stark. Einzige noch vertretene Kraft ist die FDP (13,16 Prozent).

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung