22.12.2021

Fitnessstudio "Move" wird nach harten Jahren grundlegend umgebaut

Fitnessstudio "Move" wird nach harten Jahren grundlegend umgebaut

Der Heidelberger Klaus Hartmann übernahm vor etwas mehr als einem Jahr das „Move“, das von Rebecca Schönleben (r.) und Susanne Hermann (2.v.r.) geleitet wird. Neu an Bord ist die Wilhelmsfelder Physiotherapeutin Laura Oeldorf. Foto: Dorn
Die wundersame Rettung auf der Kipp. Es soll innovative Trainingsmethoden und neue Angebote geben.

Von Micha Hörnle

Schriesheim-Altenbach. Das Fitnessstudio "Move" auf der Kipp hat eine harte Zeit hinter sich. Eigentlich hätte es sogar nach knapp 20 Jahren zum letzten Jahreswechsel schließen sollen, doch dann kam mit seinem neuen Besitzer Klaus Hartmann aus Heidelberg die Wende. Im Moment laufen die letzten Umbauarbeiten, die im Mai begonnen haben, denn Hartmann hat mit dem Gebäudekomplex Großes im Sinn: Aus dem Studio soll ein richtiges Gesundheitszentrum werden, dass eine Ausstrahlungskraft für die ganze Region haben soll.

Dazu hat er neben den bisherigen "Move"-Mitarbeiterinnen Rebecca Schönleben und Susanne Hermann ein neues Gesicht an Bord, das in Schriesheim nicht ganz unbekannt ist: Laura Oeldorf, die Frau des gewählten Bürgermeisters Christoph Oeldorf. Die Physiotherapeutin, die vor fünf Jahren eine Praxis in Wilhelmsfeld übernommen hat, erhielt eine E-Mail, in der ihr eine Kooperation mit dem "Move" angeboten wurde. Da sie schon vorher mit dem Studio zusammenarbeitete, stand bald fest: Sie wird im neuen Gesundheitszentrum eigene Behandlungsräume haben, also quasi Physio am Gerät: "Die Praxis in Wilhelmsfeld bleibt aber erhalten", so Oeldorf. Für sie hebt sich das neu konzipierte Gesundheitszentrum "klar von normalen Fitnessstudios ab".

Und das ist ganz in Hartmanns Sinne, der im "Move" nun "Gesundheit neu denken will", also Fitness mit Sport verbindet – in diesem Fall Reha, Fitness und Physiotherapie. Wichtig ist ihm, die landschaftlich reizvolle Lage inmitten des Waldes und auf einem Bergrücken zu nutzen: "Ich will das ,Move’ zu einer Begegnungsstätte machen, in der man einfach gerne ist." Deswegen soll es, wenn es die Pandemie zulässt, Kunst und Kultur auf der Kipp geben, auch das Restaurant soll wieder öffnen – dieses Mal mit mediterranem Einschlag, aber auch mit Kaffee und Kuchen "zu moderaten Preisen", so Hartmann. Auch Spaziergänger sollen willkommen sein – und so hätte Altenbach dann nach zwei Jahren "ganz ohne" endlich wieder einen gastronomischen Betrieb.

Mit seinem Drang zu Neuem hat Hartmann auch Schönleben (von Anfang an, also seit 2001, im "Move" beschäftigt) und Hermann (seit elf Jahren dabei) angesteckt, und auch Oeldorf findet: "Das passt menschlich gut, es ist eine angenehme Zusammenarbeit." Schönleben sieht schon den neuen vollautomatischen Kraftbereich vor sich, alle Geräte sind elektronisch vernetzt: Mit einem individuellen Programm kann man die Dynamik der Bewegung steuern. "Das ist eine neue Dimension des Trainings – und in der Region innovativ." Oder da gibt es einen "Skillcourt", eine Art vollautomatisches Feld, bei dem alle Altersgruppen spielerisch ihre Reaktion, Koordination und Schnelligkeit beim Laufen oder Springen verbessern können; bei Kindern soll das sogar bei Aufmerksamkeitsstörungen helfen. Allerdings, so sagt Hermann: "Es wird natürlich weiter auch ein Fitnessstudio geben."

Man kann also auch weiter nur an die Kraftgeräte. Und auch das gern genutzte Tennis-Angebot in der eigenen Halle bleibt bestehen – zumal ja Hartmann selbst lange Tennis gespielt hat. Aber, so Hermann: "Wir werden neue Leistungen haben: Reha, Wellness, Physiotherapie und Reha-Sport." Für Physiotherapeutin Oeldorf das entscheidende Plus: "Wir erhalten ja oft Anfragen nach einem weiterführenden Training. Hier sind das jetzt kurze Wege."

Im Moment haben die Handwerker im "Move" das letzte Wort, aber im Grunde sind die Umbauarbeiten fast abgeschlossen. Eine richtige Neueröffnung samt Fest ist erst einmal pandemiebedingt verschoben – mit etwas Glück vielleicht im Januar oder Februar. Im Erdgeschoss gibt es jetzt schon eine Kombination aus Physiotherapie und Fitness, mit dem Umbau des Außenbereichs soll das sogar auch draußen möglich sein. Seinen etwas rustikalen Charme mit dem vielen Holz behält das "Move", es wird nur alles etwas moderner und zeitgemäßer.

Das erste Geschoss ist fürs Kardiotraining, also vor allem Fahrradfahren, reserviert, hier sollen auch die Reha-Kurse oder auch andere Veranstaltungen stattfinden. Da jetzt nun alles vernetzt und hochtechnisch ist, wäre natürlich schnelles Internet, das es ja bekanntlich bald – wenn auch nicht in ganz Altenbach – geben soll, schon ganz gut. "Wir sind da in Verhandlungen mit der Stadt", so Hartmann. Und im Untergeschoss finden sich wie gewohnt die Umkleiden und die beiden Saunabereiche; vielleicht kommt ja auch ein kleines Schwimmbad dazu, aber das ist erst mal Zukunftsmusik.

Hartmann merkt man deutlich an, wie viel Herzblut im neu aufgestellten "Move" steckt, schließlich will er hier die klassische Trennung von Fitness und Physio aufheben und innovative Angebote erstmals in der Region etablieren. Das lässt er sich auch etwas kosten: 1,5 Millionen Euro. Zum 1. November 2020, also kurz vor der beabsichtigen Schließung, hatte Hartmann den Gebäudekomplex auf der Kipp übernommen – und sicherte so erst einmal den Betrieb. Doch der musste coronabedingt ausgesetzt werden, erst seit dem 7. Juni hat das "Move" wieder geöffnet. "Hartmann hat uns gerettet", sagt Hermann.

Die vorherige Eigentümerin, Sabine Plattner, die nun in Potsdam wohnt, wollte das Studio abgeben; es gab auch einige Interessenten, doch die hatten ganz andere Pläne für das Gebäude: "Das wäre kein Gesundheitszentrum mehr." Hartmann war "wichtig, die Arbeitsplätze und die Einrichtung als solches zu erhalten." Er sagt aber auch: "Mit dem alten Konzept wäre das ,Move’ nicht konkurrenz- und überlebensfähig." Daher auch die neue Orientierung auf ein Gesundheitszentrum mit innovativen Trainingsmethoden.

Auch mitgliedermäßig berappelte sich das "Move". Als die Schließung drohte, wurden allen Mitgliedern, einst 500, gekündigt. In einer großen Rundrufaktion holte das "Move" 250 wieder zurück. Die gut 20 Arbeitsplätze, vor allem freie Mitarbeiter, blieben erhalten – und auch die ganz eigene Atmosphäre, die der neue Besitzer erhalten will, und die Schönleben so beschreibt: "Total gemischtes Publikum, sehr familiär und unkompliziert."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung