25.12.2021

Überwältigende Resonanz bei Wunschbaum-Aktion

145 Geschenke für bedürftige Familien der Stadt und "oft sind die Wünsche ganz bescheiden".

Schriesheim. (max) Christine Söllner war sichtlich gerührt, als sie den Gabentisch vor dem neuen Rathaus bestückte. 145 Pakete hatte die Leiterin der Sozialstelle gemeinsam mit Alexandra Stahl, die für die Liegenschaften der Stadt zuständig ist, liebevoll verpackt. Gebracht worden waren die Geschenke von den Bürgern, die sich in den vergangenen Wochen einen oder mehrere Wunschzettel vom "Wunschbaum" vor dem Rathaus abgerissen hatten. Auf den Zetteln standen Wünsche im Wert von maximal 20 Euro von Familien in finanzieller Not.

Dass es bei manchen am Nötigsten fehlt, zeigten die teilweise bescheidenen Wünsche wie Schokolade und Haarbänder oder Kleider und Schuhe. Die Mutter eines kleinen Kindes wünschte sich auf dem Zettel Windeln und Milchpulver. Der Zettel wurde dann von Stahl noch ergänzt, um auch ein kleines Spielzeug in das Paket zu bringen. Die anderen Wünsche waren Spielzeuge wie ein Feuerwehrauto, ein Roller oder eine Puppe.

Ein gutes Drittel mehr Geschenke als im letzten Jahr war zusammengekommen, so Söllner. Die Nachfrage der Spendenwilligen hätte eine noch größere Zahl ermöglicht, berichtete sie. Eine Frau, die am vergangenen Freitag, dem letzten Tag, an dem man sich einen Wunschzettel mitnehmen konnte, noch sechs Zettel hängen sah, nahm alle mit und besorgte die restlichen Geschenke: "Damit kein Wunsch unerfüllt bleibt", erzählte Stahl. Das gebe es aber ohnehin nicht, denn übrig gebliebene Wunschzettel würden aus dem Sozialfonds der Stadt finanziert.

Die Aktion fand bereits zum dritten Mal statt und werde jedes Jahr beliebter. Initiiert worden war der "Wunschbaum" vom SPD-Landtagsabgeordneten Sebastian Cuny, der auch in diesem Jahr wieder tatkräftig unterstützte. Die Wunschzettel, auf denen Name, Alter und Wunsch des Kindes standen, waren von ihm gedruckt worden. Außerdem hatte er 30 Pakete in ein Kinderheim in der Region gebracht und jedem Kind persönlich übergeben. Neu war die Idee Stahls, die eng mit den Kindergärten kooperiert: Viele Familien würden sich schämen, gespendete Geschenke anzunehmen. Da das Kindergartenpersonal einen besseren Einblick in die Verhältnisse habe, wandte Stahl sich an sie. So konnte manchen der Wunschzettel unauffällig übergeben werden, sodass nicht der Eindruck der Bedürftigkeit entstand.

Söllner sagte, sie sei beeindruckt von der Großzügigkeit der Schriesheimer und sei sehr dankbar dafür. Dankbar sei sie auch für die Hilfe von Stahl und Julia Geiss aus dem Ordnungsamt, die ebenfalls beim Verpacken und Ausliefern der Geschenke an die Kindergärten geholfen hatte. Da sie aktuell keine Sozialarbeiterin an ihrer Seite habe, wäre der "große Verwaltungsaufwand" allein schwierig geworden. Denn nicht nur die Geschenke vom Wunschbaum waren zu verteilen. Auch die zahlreichen Pakete des Inner-Wheel-Clubs und jene von Liselore Breitenreicher und der Bürgergemeinschaft galt es in den Tagen vor Weihnachten auszuliefern.

Bürgermeister Hansjörg Höfer bestaunte den reich bestückten Geschenktisch. Er sagte: "Das geht jedem ans Herz, das sieht man am Erfolg des Programms." Weihnachten bekomme durch die Unterstützung von Kindern "noch mal einen ganz anderen Sinn". Auch der designierte Bürgermeister Christoph Oeldorf habe sich begeistert von der Aktion gezeigt, so Stahl. Er habe selbst einige Geschenke vorbeigebracht und auf die Frage, ob die Aktion beibehalten werden solle, geantwortet: "Das ist viel zu gut, um es abzuschaffen."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung