27.12.2021

Heiligabend wurde mal mit Musical und mal draußen gefeiert

Heiligabend wurde mal mit Musical und mal draußen gefeiert

In Altenbach feierten die Protestanten im Freien vor der Kirche. Foto: Dorn
In der Kernstadt wurde das Weihnachtsmusical "Treffpunkt Stall" aufgeführt. In Altenbach feierte der Open-Air-Gottesdienst Premiere.

Von Marion Gottlob

Schriesheim. Wie ist es, ein Engel zu sein? Die achtjährige Frieda weiß es genau, denn sie gehörte zum Engel-Chor beim Weihnachtsmusical "Treffpunkt im Stall": "Ein bisschen aufregend. Alle schauen auf einen, wenn man etwas alleine vormacht." Auch Rosa (7) spielte einen Engel: "Es war supergut. Man kann vorne stehen und alle sehen." Denn trotz Corona durften die beiden Mädchen mit mehr als 40 weiteren Kindern der "Evangkehlchen" ihr besonderes Krippenspiel in Präsenz in der Evangelischen Kirche der Kernstadt zeigen. Pfarrerin Suse Best sagte: "Was aus Kinderherzen kommt, das ist wahr. Wir feiern heute den Geburtstag von Jesus. Der Himmel ist offen, und Jesus ist mitten unter uns."

Die Vorbereitung des Kinder-Musicals (Musik: Christel Schröder, Text: Elke Maar) war nicht einfach. Während Corona waren viele Kinder für einige Zeit in Quarantäne. Eines konnte sogar erst eine Woche vor der Aufführung an den Proben teilnehmen, weil erst dann der Test wieder negativ war. So musste in kleinen Gruppen geübt werden. Sicherheitsabstände und Masken machten es nicht leichter. Überraschend musste die Chorleiterin aus persönlichen Gründen aufgeben. Also übernahmen kurzfristig die Lehrerinnen Dorothea Kalmbach, Marianne Fritz und Anna Bauer die Proben. Kalmbach sagt: "Eine Herausforderung. Wir kannten uns nicht. Aber es hat total Spaß gemacht. Es sind Freundschaften entstanden." Doch sie gibt auch zu: "Wir wussten lange nicht, ob wir mit den Kindern das Stück aufführen könnten."

So waren die Helden des Heiligabend-Gottesdienstes die Darsteller-Kinder! Zum Lied "Ihr Kinderlein, kommet" zog die junge Schar feierlich in die Kirche ein. Drei Stern-Deuter entdeckten durch das Fernrohr einen neuen Stern: "Woher kommt dieser Stern? Der Himmel weiß es! Wir sollten den Stern im Auge behalten, auch wenn uns die Leute für verrückt halten." Trotz Zweifeln packten die Wissenschaftler ihren Kompass, Karten und gute Schuhe ein, um dem Stern zu folgen. Der Engel-Chor sang: "Gott weiß den Weg. Er gibt Tag und Nacht auf deine Schritte acht. Du kannst ihm vertrauen. Seine Treue ist riesengroß. Wenn Zweifel an Dir nagen, lässt er Dich nicht im Stich." Passend zum Text machten die kleinen Sänger ihre Schritte an Ort und Stelle und öffneten weit die Arme nach oben, um die Treue Gottes anzudeuten.

Dabei diskutierten die Sterndeuter die Vorbehalte gegen einen Glauben an Gott: "Man kann Gott nicht beweisen, was für ein Pech. Es gibt Pläne und Karrieren, da ist für Gott kein Platz." Während die noch diskutierten, stellten die Hirten ihr karges Leben in Frage: "Um unsere Schafe schert sich keiner. Die fetten Jahre sind vorbei. Ich bin selbst manchmal ein schwarzes Schaf." Doch wie die Sterndeuter folgten auch die Hirten dem neuen, hellen Stern: "Weckt die Schafe auf. Macht Euch auf den Weg. Gott hat zu uns gesprochen." Schließlich gelangten alle zum Stall mit Maria, Joseph und dem Puppen-Jesuskind. Der Chor sang: "Aus der Krippe leuchtet Gottes Herrlichkeit. Gott will Dir und mir und der ganzen Welt ganz nahe sein." Daniel (9) spielte den Joseph: "Ich musste nicht viel tun, nur das Jesuskind streicheln."

Für den elf Jahre alten Hans war es eine Premiere. Er gehörte das erste Mal zum Technik-Team rund um Jens Nobiling und Simon Braun. Per Tablet spielte Hans die Instrumental-Musik für das Musical ein: "Cool." Frederick Winterstein (18) war schon öfter beim Team dabei und für das Live-Streaming mitverantwortlich. Das Engagement an Heiligabend war für ihn kein Problem: "Es hat Spaß gemacht."

Die Eltern der Musical-Kinder bedankten sich speziell bei dem Leitungstrio. Mutter Carina Troll sagte: "Das war ein solches Erlebnis für unsere Kinder, etwas fürs ganze Leben." Pfarrerin Best war von der Aufführung der Kinder so tief berührt, dass sie später gestand: "Fast hätte ich vergessen, das Lied "Macht hoch die Tür" anzusagen." Sie hat es doch angekündigt – sowohl für die Gäste in Präsenz wie zu Hause. Zu den virtuellen Besuchern zählte eine über 90 Jahre alte Urgroßmutter, die ihre Urenkel im Krippen-Musical sehen wollte: "Das wollte ich nicht verpassen."

In Altenbach gab es ebenfalls ein digital aufgezeichnetes Krippenspiel, auch hier durften nur die Angehörigen der Kinder in die Kirche hinein; stattdessen versammelten sich danach, um 16 Uhr, an die 100 Gläubigen zum Open-Air-Gottesdienst im Freien vor der Kirche: "Das war eine Premiere", sagte Pfarrer Kieren Jäschke später zur RNZ, "und trotz der nicht idealen Witterung war es doch gut besucht." Auch etliche Schriesheimer hatten wegen der eingeschränkten Präsenzmöglichkeiten bei den Gottesdiensten der Kernstadt den Weg in den Ortsteil gefunden. Zur festlichen Stimmung trug auch Paul Rinneberg an der Trompete bei. Der Nachmittag stand im Zeichen der Worte Jäschkes: "Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann war es auch nicht das Ende." Das sei der Kern von Weihnachten, "kein kitschiger Spruch, sondern unsere Gewissheit". Gemeinsam gesungen wurde auch – mit Maske –, am Ende schallten die Weisen das ganze Tal hoch. Danach durfte sich jeder ein Friedenslicht von Bethlehem aus der Kirche holen; dabei wünschten sich alle ein frohes Fest: "Wir brauchen so etwas als Gemeinschaft", sagte Jäschke.

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In der Kernstadt führten die 40 „Evangkehlchen“-Kinder ihr Weihnachtsmusical auf. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung