11.01.2022

Waren die Wilderer auf eine Trophäe aus?

Zwei Mal fand Jagdpächter Jens Habenicht tote Rehkitze im Schriesheimer Wald. Deren Fleisch war wohl nicht das Ziel der Täter.

Von Max Rieser

Schriesheim. Es war ein schockierender Anblick, der sich Jagdpächter Jens Habenicht erstmals am 12. Dezember des vergangenen Jahres bot: ein Rehkitz mit säuberlich abgetrenntem Kopf und ebenso sauber herausgeschnittener Schulter. Doch bei dem Zwischenfall sollte es nicht bleiben. Nur eine knappe Woche später, am 18. Dezember, fand er ein genauso zugerichtetes, weiteres Kitz in seinem Jagdrevier im Gewann Pappelbach. Es sei der erste Vorfall diese Art, berichtete Habenicht gegenüber der RNZ.

Die Fahndung nach Wilderern sei sehr schwierig, teilte Horst Wetzel, Sprecher des Mannheimer Polizeipräsidiums, mit. Aus diesem Grund sei man auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Der Täter müsse sich bewusst sein, dass es sich bei Wilderei um eine Straftat handele. Je nachdem, wie die Tiere getötet wurden, könne es sich außerdem um Tierquälerei handeln.

Wichtig sei, dass man die Täter nicht anspreche, sondern die Polizei rufe, da man nicht einschätzen könne, wie ein Wilderer reagiert, erklärt Wetzel. Neben Hinweisen zu Personen bittet die Polizei auch darum, darauf zu achten, ob etwas von den abgetrennten Stücken der Tiere im Internet zum Verkauf angeboten wird.

Der Fundort des ersten Kitzes war rund 100 Meter entfernt vom Parkplatz "Schützenhaus" unterhalb des Weges "Linker Pappelbachweg/Wiesenweg". Das zweite Kitz fand Habenicht im Bereich "Rechter Pappelbachweg/Wiesenweg". Der Jäger nahm gegen 8 Uhr morgens den Schuss eines Kleinkalibergewehrs wahr. Da es zu dieser Zeit allerdings noch fast dunkel im Wald gewesen sei, sei er vorerst davon ausgegangen, dass jemand auf seinem Grundstück eine Waffe ausprobiert habe.

Dass gerade Kopf und Schulter der Tierkinder entfernt worden waren, erklären sich Jäger und Polizei damit, dass dort wahrscheinlich der Schuss gesessen habe und man Beweismittel entfernen wollte. Fleisch sei bei den kleinen Tieren ohnehin kaum zu holen gewesen, an Kopf und Schulter erst recht nicht: "Wenn man wirklich auf das Fleisch des Tieres aus gewesen wäre, hätte man die Hinterkeulen mitgenommen", erklärt Habenicht.

Die seien allerdings auch ungleich schwieriger und nicht allein mit einem Messer vom Körper zu trennen. Dass es sich um einen Raubtierangriff gehandelt habe, sei wegen der sauberen Schnitte äußerst unwahrscheinlich.

Abgesehen von den beiden toten Tierkindern gebe es auch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Spaziergänger, wenn jemand ohne Jagdausbildung mit einem Gewehr im Wald "herumballert", wie Wetzel und Habenicht warnen: "Das darf man sich gar nicht ausmalen, was da passieren kann", so der Polizeisprecher.

Eine heiße Spur gibt es noch nicht. Die Jäger würden aber verstärkt auf Autos achten, die spätabends noch auf den Waldparkplätzen stehen. Das Motiv könnte unterschiedlicher Art sein: "Es könnte jemand sein, der nicht weiter darüber nachgedacht hat, aber auch jemand, der auf eine Trophäe aus war", vermutet Wetzel. Ein bestimmter Personenkreis sei dadurch nicht auszumachen.

Jagdpächter Habenicht ist es außerdem wichtig, zu betonen, dass so etwas nicht von einem Profi gemacht würde: "Jäger haben nicht den besten Ruf, aber wir würden niemals einem Jungtier den Kopf abtrennen und den Kadaver einfach in den Wald werfen." Wetzel findet außerdem: "Dass es sich um so junge Tiere gehandelt hat, macht das ganze schlicht pervers."

Info: Wer Hinweise zum Täter hat, kann sich an den Schriesheimer Polizeiposten unter Telefon 06203 / 61301, an das Weinheimer Polizeirevier, das rund um die Uhr erreichbar ist (unter Telefon 06201 / 10030), oder im akuten Fall an die 110 wenden.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung