21.01.2022

Schriesheim/Ladenburg: Aus Rivalität wird Zusammenarbeit

Schriesheim/Ladenburg: Aus Rivalität wird Zusammenarbeit

Bürgermeister Hansjörg Höfer bestärkte die beiden Vereine KSV (Schriesheim) und ASV (Ladenburg) auf ihrem Weg zur Zusammenarbeit – auf dem Podium in der KSV-Halle saßen die Macher der neuen Ringergemeinschaft „Kurpfälzer Löwen“ (v.l.) Christoph Heckele (stellvertretende Leitung Sport, ASV), Peter Schmitt (Leitung Nicht-Sport, KSV), Herbert Maier (Leitung Sport, ASV) und Cheftrainer Attila Tamas (KSV). Foto: Dorn
Die Ringer der beiden Traditionsvereine KSV und ASV tun sich jetzt als "Kurpfälzer Löwen" zusammen. Die Kommunalpolitik bestärkt sie darin.

Von Micha Hörnle

Schriesheim/Ladenburg. Im Moment, daran erinnerte Bürgermeister Hansjörg Höfer im Gespräch mit der RNZ, liegen Kooperationen im Trend: Vor fünf Wochen erklärten die Schriesheimer und die Heppenheimer Winzergenossenschaft, sich zusammenzutun, und nun sind es die Ringer der Nachbarstädte Schriesheim und Ladenburg – und zwar unter dem Namen "Kurpfälzer Löwen". Das Ziel ist das gleiche: Zusammen ist man einfach stärker – gerade wenn die Zeiten rauer werden. Nur: Im Gegensatz zu den Winzern sind die Kräfteverhältnisse bei den Ringern gleich verteilt: Die Abteilung Ringen des Kraftsportvereins Schriesheim (KSV) hat 154 glieder (bei 1042 Mitgliedern im Gesamtverein), der Athletik-Sport-Verein Ladenburg (ASV) hat 152 Ringer (bei 512 Mitgliedern im Gesamtverein). Sogar fast gleich alt sind die beiden Vereine: Der ASV wurde 1901 gegründet, der KSV 1903. Sportlich ringen die beiden ersten Mannschaften in der Regionalliga, die Ladenburger haben sich mit einem zweiten Platz das Recht zum Aufstieg in die neue zweite Bundesliga erkämpft (im Gegensatz zu den Schriesheimern auf dem sechsten Platz).

Doch die Probleme in den beiden regionalen Ringerhochburgen sind die gleichen: Profi-Ringen hat bei den Zuschauern an Attraktivität eingebüßt, die finanziellen Belastungen für beide Vereine sind zu hoch – und alleine kaum zu stemmen. Das gab auch KSV-Abteilungsleiter Ringen, Peter Schmitt, zu: "Die Fülle von Aufgaben – Finanzen, Nachwuchs und Abgaben an die Verbände – kann ein einzelner Verein alleine nicht mehr gestalten. Das kann man nur noch abarbeiten. Warum kann man die Dinge nicht gemeinsam tun?" Und damit war er auch schon bei dem Hauptthema: Reduktion der Kosten ("Ich will wieder in Ruhe schlafen können") und konsequente Nachwuchsförderung, denn man will wieder "junge Leute für das Ringen und die Vereinsarbeit begeistern". Daher auch die Zusammenarbeit, "um Kräfte zu bündeln" – allein schon bei der Organisation von Events, die es so kaum mehr gibt, und beim Marketing. So sollen im Sommer an alle Schriesheimer und Ladenburger Haushalte eine "Löwen-Zeitung" mit einer Auflage von 13.000 Stück verteilt werden, um Lust auf die Nischensportart zu machen. Auf der Suche nach einem Großsponsor wie andere Profi-Vereine ist man nicht, so Schmitt. Denn wenn die abspringen, reißen die den ganzen Verein ligamäßig in die Tiefe: "Das will ich den "Löwen nicht antun. Da stecke ich das Geld lieber in den Nachwuchs."

Und wenn man in der zweiten Liga ringt – die Frage nach dem Platz ist da fast zweitrangig, wie Cheftrainer Attila Tamas zugab –, dann hat das den Vorteil, dass das im Grunde alles Vereine aus der Umgebung sind – und bei Regionalderbys ist die Stimmung meist besonders gut, weil es mehr Zuschauer gibt. Für Ladenburg und Schriesheim peilt man die 500er-Marke an, vor allem wenn das Rahmenprogramm stimmt. Offen ist die Frage, wo die erste Mannschaft antritt – allerdings gibt es in Sachen Hallenkapazität in Schriesheim weniger Probleme als in Ladenburg.

Eine große Frage bleibt, ob die beiden Traditionsvereine durch Ringergemeinschaft samt neuem Namen nicht ihre Identität verlieren. "Man hört immer wieder: Da stirbt mein Verein!’ Aber das stimmt nicht", so Schmitt, und alle Beteiligten verweisen darauf, dass beide Vereine weiter bestehen bleiben – und die Kooperation auf Augenhöhe erfolgt: Die Leitungspositionen sind paritätisch besetzt Und Peter Miehm vom ASV erinnerte daran, dass solche Ringergemeinschaften ja gar nicht so selten seien – wie vor 30 Jahren zwischen Mannheim und Sandhofen.

Von der Kommunalpolitik gab es nur Zustimmung: Schriesheims Bürgermeister Hansjörg Höfer wie auch Ladenburgs Ordnungsamtsleiter Rüdiger Wolf ist es wichtig, dass "der Ringsport in beiden Orten erhalten bleibt", und weiter als Aushängeschild dient. Gerade Höfer als Ringerfan weiß, dass die Profis kaum mehr einen Ortsbezug haben, dass aber zum Überleben der Vereine "mehr aus der Mitte der Stadtgesellschaft kommen" muss. Mit dem Namen "Kurpfälzer Löwen" hat er "kein Problem" – schließlich ist der Kurpfälzer Löwe ja auch im Schriesheimer Stadtwappen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung