25.01.2022

Auf dem langen Weg zum Bio-Winzer

Auf dem langen Weg zum Bio-Winzer

Die guten Tropfen des Jahrgangs 2024 darf Max Jäck erstmals als „Bio-Weine“ vermarkten. Foto: Dorn
Max Jäck aus Schriesheim befindet sich in der Umstellungszeit seines Weinguts: "Der Weinberg soll ein Lebensraum sein."

Von Carsten Blaue

Schriesheim.Die Weinfreunde an der Bergstraße staunten neulich nicht schlecht, als Max Jäck plötzlich in den "heute"-Nachrichten des ZDF auftauchte. Beste Sendezeit um 19 Uhr. Es ging um die Umstellung seines Weinguts vom konventionellen auf den ökologischen Weinbau. Jäck ist ja schon etwas länger auf dem Weg zum Bio-Erzeuger. "Aber wir Winzer brauchen ja immer Geduld. Hier ist das genauso." Es ist eben ein Prozess. Wenn alles gut läuft, darf der Schriesheimer die guten Tropfen seines 2024er-Jahrgangs als "Bio-Weine" vermarkten.

Max Jäck (Jahrgang 1989) sitzt im dicken Pulli vor einer Scheune des Aussiedlerhofs der Familie. Hier hat er im Jahr 2014 sein Weingut gegründet. Basis ist eine Rebfläche von etwa vier Hektar. Jungwinzer sollte man ihn nicht mehr nennen, wenn man darunter einen Anfänger versteht. Dafür ist der gelernte Weinküfer (Ausbildung von 2008 bis 2010 im Leimener Weingut Adam Müller) und "Bachelor of Science" (Studium des Weinbaus und der Önologie in Geisenheim von 2010 bis 2014) zu erfolgreich dabei. Schon im dritten Jahr, also 2017, schaffte er den Sprung in den "Eichelmann", das kritische Standardwerk des deutschen Weins. Gerhard Eichelmann führt Jäck inzwischen mit zwei von fünf Sternen. Ein Neuling ist er also nicht. Neugierig ist Jäck aber schon. Und wissbegierig. Und so wurde für ihn bereits im Studium klar, dass es mal "bio" sein soll.

Denn in Geisenheim hörte er eine Vorlesung zum Ökoweinbau bei Randolf Kauer. Der Professor ist selbst Bio-Winzer im Mittelrheintal, also dort, wo die Rebhänge so schön steil sein können. "Mir war das ja alles neu. Und es war hochinteressant." Und als 2017 auch noch die Glyphosat-Debatte hochkochte, war für Jäck klar, dass er eine Alternative braucht. Die Idee reifte also früh, aber die Vorbereitung brauchte Zeit.

Um auf den Einsatz von Herbiziden verzichten zu können, kaufte Jäck einen ersten Scheibenpflug, der die Erde unter den Reben aufbricht, um den Kräuterbewuchs zu stören. Bei den Fungiziden stellte er von chemisch-synthetischen Stoffen auf Schwefel, Kupfer und Backpulver um. Und auf Insektizide verzichtet er jetzt ganz und hofft auf den natürlichen Ausgleich der Natur, sprich: dass der fiese Schädling von einem Fressfeind aufgespürt wird. Überhaupt ist es Jäcks Ziel, dass es in seinen Weinbergen in künftigen Sommern ordentlich summt, brummt und blüht. "Ich erlebe das so gerne. Es muss diese Freude sein, in den Weinberg zu kommen", sagt Jäck. "Der Wingert soll ein Lebensraum sein." Daher wird Jäck in Zukunft auch mehr Platz zwischen den Rebzeilen lassen, wenn er sie neu anlegt.

Und den Sound im Weinberg soll über kurz oder lang noch ein ordentliches Blöken bereichern. Momentan mäht Jäck das Gras noch maschinell. Irgendwann sollen das Schafe übernehmen. Jäcks Schriesheimer Kollege Georg Bielig macht das in einem eingezäunten Weinberg in Richtung Hirschberg schon. "Ich will aber größere Tiere. Meine Freundin ist auch schon ganz scharf darauf." Wenn man Jäck zuhört, klingt das alles schon sehr nach Bio-Winzer. Aber es geht eben auch um Fristen, Verordnungen und Genehmigungen.

Zum 1. Januar 2021 hat Jäck beim Kontrollverein ökologischer Landbau in Karlsruhe den Antrag gestellt. Damit begann die dreijährige "Umstellungszeit". Der erste Jahrgang in dieser Frist gilt noch als konventionell, die beiden folgenden (in Jäcks Fall die Jahrgänge 2022 und 2023) als "Umstellungsjahrgänge". Ab 2024 darf Jäck Bio-Weine vermarkten – geprüft, kontrolliert und mit Siegel. Diese werden aber etwas teurer sein. "Zwangsläufig", sagt der Winzer. Weil "bio" mehr Handarbeit bedeutet. Beim Pflanzenschutz bis zu 50 Prozent mehr. "Denn mein Weingut ist zu klein für Geräte, die alles auf einmal machen. Da gibt es technisch schon tolle Sachen." Die sind aber teuer. Bei der Arbeit im Keller ändert sich dagegen weniger. Gentechnisch Verändertes kommt hier aber auch nicht in Frage. "Die gängigen Hefen sind alle für den Bio-Weinbau zugelassen", so Jäck, der in den Bundesverband ökologischer Weinbau "Ecovin" eingetreten ist, um sich mit Kollegen vernetzen und austauschen zu können.

Für ihn spielt weniger eine Rolle, dass die Kundschaft heute mehr nach Bio-Produkten fragt. "Die Qualität steht immer noch ganz oben, ob bio oder nicht. Bio ist schön, muss aber nicht sein." Etwa neun Prozent der deutschen Rebfläche, so Jäck, seien entsprechend zertifiziert, und es kommen immer mehr Hektar dazu. "Aber noch ist es eine Nische."

Viel wichtiger ist es Jäck, den Boden noch mehr als wichtigste Grundlage zu verstehen. Nicht nur für den Wein, sondern für alles, was wächst und von dem lebt, was wächst. Eigentlich sei es als Bio-Winzer das Ziel, den Boden zu unterstützen, damit er sich selbst verbessert und so an die nächste Generation weitergegeben werden kann.

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Gern gesehener Gast in den Reben: eine Sumpfkreuzspinne in einem Weinberg von Max Jäck. Die Spinnenart gilt in Deutschland als gefährdet. Foto: Dorn

Autor: Rhein-Neckar-Zeitung