02.02.2022

Einstimmig: Oeldorf ist jetzt Schriesheimer Amtsverweser

Alle anwesenden Stadträte votierten für den bisherigen Wilhelmsfelder Bürgermeister.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Es hatte etwas von einem bürokratischen Akt – und auch sonst war die Wahl mit nachfolgender Ernennung Christoph Oeldorfs zum Amtsverweser ausgesprochen nüchtern: Wie immer tagte der Gemeinderat, der den bisherigen Wilhelmsfelder Bürgermeister ja erst noch wählen musste, in der Mehrzweckhalle; nur 20 Besucher verfolgten die Prozedur; die Gemeinderatsreihen hatte man mit 22 von eigentlich 28 Mandatsträgern auch schon voller gesehen; von den Amtskollegen aus der Nachbarschaft war nur Stefan Schmutz aus Ladenburg gekommen (immerhin war Oeldorfs Amtsvorgänger Hansjörg Höfer da); und schließlich dauerte das Ganze auch nur 21 Minuten.

Und doch war einiges bemerkenswert: Die Sitzung leitete die Erste Bürgermeisterstellvertreterin Fadime Tuncer, die bei der Wahl vom 28. November noch seine wichtigste Konkurrentin gewesen war – und sie ernannte Oeldorf auch. Nach einer Gedenkminute für die in der letzten Woche bei einem Amoklauf in Heidelberg getötete Studentin und die beiden am Montag bei Kusel ermordeten Polizisten kam Tuncer gleich auf die besonderen Umstände dieser Ernennung zu sprechen: "Wer heute behauptet, wir leben in einer Diktatur, der irrt sich. Das beweist die Wahlanfechtungsklage, die nur in einer funktionierenden Demokratie möglich ist." Und wegen der konnte Oeldorf bekanntlich auch nicht regulär sein Bürgermeisteramt antreten.

Insofern war es nur konsequent, dass derjenige, dem man das zu verdanken hat und der diese Klage erhoben hat – nachdem sein Einspruch gegen die Wahl vom Kommunalrechtsamt abgewiesen war –, gestern Abend auch mit dabei war: Bernd Reidinger aus Altenbach kam mit einem Transparent und Flugblättern, überreichte aber dann doch nach der Sitzung Oeldorf eine Rose – was der "Beschenkte" gewohnt gelassen kommentierte: "Es tut nicht gut, sich mit so etwas aufzuhalten."

Umso mehr freute er sich über das Ergebnis seiner Wahl: Alle anwesenden 22 Stadträte hatten für ihn als Amtsverweser gestimmt: "Ich danke Ihnen für dieses einstimmige Votum. Das ist ein klares Signal für mich und für die Aufgabe, die vor mir liegt." Und zu seiner Bestellung zum Amtsverweser sagte er: "Ich bin froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind – um einen Stillstand zu vermeiden." Er dankte seinem Vorgänger Höfer und für den "warmen Empfang der Mitarbeiter im Rathaus" und versprach: "Es wird spannend, die nächsten Jahre werden nicht langweilig. Jetzt gehen wir es an. Eine lange Rede gibt es dann bei der Amtseinführung."

Nach einem freundlichen Applaus der Räte wie der Besucher stand dann der Gratulationsparcours an, während die Stadträte über ihre einstimmige Wahl Oeldorfs ganz entzückt waren: "Das ist ein Legitimationsschub", sagte Wolfgang Renkenberger (FDP), während seine Fraktionskollegin Ulrike von Eicke – auch mit Blick auf die jüngste "Uffbasse"-Demonstration – meinte: "Schriesheim zeigt sich geschlossen, wenn es darauf ankommt." Sebastian Cuny fand: "Das gibt uns die Chance, den Wählerwillen umzusetzen und eine Hängepartie zu vermeiden." Michael Mittelstädt (CDU) sagte: "Jetzt können wir die Themen angehen." Zufrieden schien auch Oeldorfs zwei Monate alter Sohn Jonathan zu sein. Der schlief seelenruhig in seinem Tragekorb. Von Aufregung keine Spur.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung