03.02.2022

Eine Schnitzeljagd per Handy zieht weite Kreise

Eine Schnitzeljagd per Handy zieht weite Kreise

Der Stall neben dem Pfarramt war das Ziel der Schnitzeljagd. Hier verewigten sich die Spieler mit einem gelben Stern. Foto: pd
Über 200 Teilnehmer waren in der Weihnachtszeit auf der Suche nach dem "geheimnisvollen Stern". Mittlerweile gibt es bundesweite Anfragen.

Schriesheim. (max) Die Erfolgsgeschichte der digitalen Schnitzeljagden der evangelischen Kirche setzte sich auch an Weihnachten fort. Das Projekt, das Gemeindemitglied Simon Brückner am ersten "Corona-Weihnachten" 2020 ins Leben rief, wird immer beliebter. Nachdem sich schon beim ersten Mal über 190 Menschen in der App "Actionbound" für das Spiel registriert hatten, waren es dieses Mal 210. Nicht eingerechnet werden dabei Spieler, die das Spiel nicht zu Ende gebracht haben.

Zwischen 24. Dezember und 9. Januar konnten sich Spielwütige mit einem Smartphone und einer Ein-Euro-Münze unter dem Motto "Der geheimnisvolle Stern" auf den Weg machen und an fünf Stationen knifflige Rätsel lösen, die immer zur nächsten Station führten. Das Geldstück wurde an der ersten Station gebraucht, wo ein Kaugummiautomat aufgehängt worden war. Dieser spuckte eine kleine Plastikkugel aus, die Utensilien, die für den weiteren Verlauf nötig waren, enthielt. Das waren eine Büroklammer, ein Gummi und ein kleiner Stern aus Holz. Was nicht besonders spektakulär klingt, aber doch zur Lösung von spektakulären Rätseln gebraucht wurde. So zum Beispiel bei einem, bei dem im Schaufenster der Winzergenossenschaft eine Lampe hing: Die konnte man nur zum Leuchten bringen, indem man mit der Büroklammer einen Schaltkreis schloss und so den Strom zum Fließen brachte. "Wir waren echt froh, dass die WG uns das hat machen lassen, weil es doch recht aufwendig war", so Brückner. Die Büroklammer wurde außerdem noch für ein Magneträtsel benötigt.

Auf der Rückseite des historischen Rathauses musste der Stern auf einem Fenstersims so aufgestellt werden, dass sein Schatten auf einen gleichgroßen Stern auf einem Holzbrett fiel und ein Wort sichtbar machte.

Das Gummiband musste eingesetzt werden, um es über drei Schrauben zu spannen und so einen Davidstern zu vervollständigen, in dessen Zwischenräumen dann das Lösungswort der Aufgabe stand.

Das Ziel war eine Krippe in einem Gartenhäuschen neben dem Pfarramt. Dort konnte man den Stern aus dem Automaten aufhängen und sich in ein Besucherbuch eintragen. Im Buch zeigte sich auch wieder, dass zwar überwiegend Schriesheimer, aber auch Ladenburger, Hirschberger, Heidelberger oder Wieslocher teilgenommen haben. Der am stärksten frequentierte Tag war der 2. Januar, an dem knapp 50 Gruppen in der Stadt unterwegs gewesen seien, so Brückner. Dadurch, dass der Spielbeginn aber an keine feste Zeit gebunden war und man auch sonst wenig Berührungspunkte mit den anderen Teilnehmern gehabt habe, konnte alles coronakonform ablaufen.

Die ausgeklügelten Rätsel denkt sich der engagierte Lehrer meistens selbst oder mit der Hilfe von Freunden aus, die sich wie er für "Escape"-Spiele begeistern. Das Konzept erfreut sich so großer Beliebtheit, dass mittlerweile acht weitere Gemeinden aus ganz Deutschland bei Brückner anfragten, ob er ihnen beim Ausgestalten einer eigenen Schnitzeljagd helfen könne, was er in Form einer Kurzerklärung auch tat.

In der App konnten zum Schluss auch Rückmeldungen gegeben werden – und die waren "durchweg positiv", so Brückner. Viele würden sich auch bald wieder einen "Actionbound" wünschen. Möglich wäre es, wieder einen an Ostern auf die Beine zu stellen. Brückner ist zwar hin- und hergerissen, weil Vorbereitung und Durchführung der Spiele mit viel Arbeit verbunden seien, so richtig lassen kann er es aber nicht. Zudem habe ihm ein weiteres Gemeindemitglied seine Mithilfe angeboten. Die Zeichen stehen also gut für alle, die sich bald wieder auf Schatzsuche in Schriesheim begeben wollen.

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung