04.02.2022

Konstruktion verfällt: Schriesheims nutzlose Fässer

Die Holzkonstruktion am Festplatz ist meistens ungenutzt und verfällt. Auch die Zukunft des "Schwarzer Adler"-Relikts ist noch unklar.

Von Micha Hörnle

Schriesheim. Im Bürgermeisterwahlkampf war der Festplatz und dessen Neugestaltung immer mal wieder ein Thema; dabei wurde angeregt, das große Fass endlich wiederzubeleben. Tatsächlich ist es nur zum Mathaisemarkt offen – also seit 2020 nicht mehr –, wenn das Weingut Wehweck einen Ausschank betreibt. Im Frühjahr hat der Großsachsener Erdbeer- und Spargelbaubetrieb Weingärtner hier eine Filiale.

Das Fass an sich gehört zu zwei Dritteln der Winzergenossenschaft (WG) und zu einem Drittel dem Weingut Wehweck, allerdings hat die WG praktisch nichts mehr mit ihm zu tun. Geschäftsführer Manuel Bretschi berichtet auf RNZ-Anfrage, dass die WG schon "überlegt, wie man das Fass nutzen kann" und ob man hier nicht Verköstigungen anbieten könne. Denn schließlich sei das Fass "eine der wenigen Symbole, die in Schriesheim den Weinbau repräsentieren". Allerdings schiebt Bretschi hinterher: "Ich tue mich schwer damit, ob der Festplatz die richtige Lokalität ist." Er kann sich eher vorstellen, "etwas an der Kelterhalle zu machen", denn schließlich führe dort auch der Radweg vorbei.

Apropos Kelterhalle: Im letzten Jahr rettete WG-Vorstand Hartmut Haas das Fass (oder vielmehr dessen Stirnseite) des abgerissenen Gasthofs "Schwarzer Adler" von der Baustelle und transportierte es an die Kelterhalle. Dort liegt es heute noch. Auch hier rede man häufiger in der WG darüber, was damit geschehen soll – aber was, das steht noch nicht fest. Entsorgt werden soll das historische Stück aber keinesfalls, so Bretschi.

Doch zurück zum Festplatz-Fass: Das hatte durchaus gut zehn Jahre seine Blüte, wie sich Karl-Heinz Wehweck erinnert. Damals bewirtschafteten er, das Weingut Bartsch und die WG am Wochenende das Fass im Wechsel – von Mai bis September. Das endete 1989, als von April bis Juli die unterspülte Talstraße gesperrt wurde – heute noch im damals abgeschnittenen Altenbach ein Trauma – und kaum mehr ein Auto am Fass vorbeikam: "Dann blieb das Fass auf der Strecke", sagt Wehweck, "Umsatz und Frequenz waren zu gering." Schließlich kamen neue Veranstaltungen hinzu – wie die Wein- und die Rotweinwanderung sowie das Straßenfest zur Kerwe –, sodass das Fass langsam in Vergessenheit geriet.

Auch Wehweck ist durchaus daran interessiert, das zu ändern: "Da muss man schon etwas machen." Allerdings gebe es noch keine konkreten Pläne – auch wenn er schon erste Gespräche geführt hat. Große Hindernisse sieht Bretschi darin, dass Kühlung und Toiletten fehlen – und natürlich auch das Personal zur Bewirtschaftung rar ist. Zumindest was die Kühlung angeht, ist Wehweck entspannter: "Da stand immer ein Kühlschrank drin." Wasser und Strom gebe es auch. Nur gehöre alles "mal wieder aufgefrischt". Das wäre ganz nach dem Geschmack von Ehrenbürger Peter Riehl. Der sagte auf RNZ-Anfrage: "Wegen der Besucher und Schriesheimer wurde das Fass ja auch aufgestellt."

Riehl selbst kann sich an die Geschichte des Fasses kaum mehr erinnern, auch sonst ist darüber wenig bekannt, auch in Büchern zur Schriesheimer Geschichte oder im RNZ-Archiv ist kaum etwas dazu zu finden. Stadtarchivar Dirk Hecht weiß nur, dass das Fass wohl aus den siebziger Jahren stammt. Immerhin hat Karl-Heinz Wehweck noch im Hinterkopf, dass es vom ehemaligen Weingut von Jens Bartsch kam, der das hölzerne Trumm 1977 ausgemustert und am Festplatz aufgestellt hatte. Dazu passt, dass das "Schriesheimer Fass" erstmals 1978 in der Mathaisemarkt-Rundschau der RNZ erwähnt wurde; damals hatte das Weingut Bartsch inseriert: "An drei Markttagen werden unsere Weine auch am Schriesheimer Fass ausgeschenkt."

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Autor: Rhein-Neckar-Zeitung